Golf Medico

Prähabilitation mit Blood-Flow-Restriction

Blood-Flow-Restriction

Schneller wieder fit nach einer OP 

Der Erfolg einer Operation beruht neben dem chirurgischen Eingriff auf einer sorgfältig begleitenden Therapie, der Prähabilitation, und der Nachbehandlung. Prähabilitation bedeutet – analog zur Nachbehandlung, der Rehabilitation – die gezielte Vorbereitung vor einem operativen Eingriff mittels sportlicher Betätigung. Ein neuer Therapieansatz der „Prähabilitation mit Blood-Flow-Restriction-Training“ unterstützt Patienten schon vor der eigentlichen Operation bei der Genesung.  

Alexander Franz ist Diplom-Sportwissenschaftler und Mediziner. Er leitete die Untersuchungen an der ATOS Orthoparc Klinik in Köln. Ein Gespräch über die Zukunft der Prähabilitation. 

Golfmedico: Herr Franz, erklären Sie uns bitte zunächst, was es mit der Begrifflichkeit „Blood-Flow-Restriction“ auf sich hat. Wenn wir es richtig verstehen, wird mithilfe einer „Druckmanschette“ der Blutfluss während eines Muskeltrainings beeinträchtigt? Wie genau läuft das ab? 

Alexander Franz: „Blood-Flow-Restriction-Training“ (BFR) bedeutet übersetzt „Blutflussrestriktionstraining“ und es wird tatsächlich Sport getrieben, während spezielle Blutdruckmanschetten um die Oberarme oder Oberschenkel gebunden werden. Das Ziel dieser Trainingsmethode beruht darin, den venösen Rückstrom vom Blut aus der Extremität zurück zum Herzen während der Übung kurzzeitig zu verhindern, um dadurch den metabolischen Stress für die Muskulatur zu erhöhen. Wir erreichen diesen Status durch besondere Blutdruckmanschetten mit CE-Zertifizierung. Vor dem Training messen wir den Blutdruck der Patienten am Ober- oder Unterarm und wissen, ab welchem Druck der arterielle Blutstrom in die Extremität sowie der venöse Rückstrom aus der Extremität zurück komplett unterbunden ist. Für das folgende Training wird dann ein Druck von etwa 40 bis 80% des vorher bestimmten Blutdrucks angewendet. Dadurch erhalten wir die arterielle Versorgung mit sauerstoffreichem Blut, sorgen aber für einen Verschluss des venösen Abtransports. 

Golfmedico: Und dadurch ist es möglich, in kurzer Zeit Muskelmasse aufzubauen? 

Alexander Franz: Die Zeit zum Muskelaufbau verkürzt sich dabei zwar nicht unbedingt, aber es ermöglicht vielen Patienten mit Gelenkerkrankungen erstmals überhaupt wieder ein Training mit dem Ziel Muskelaufbau durchzuführen. Wenn wir Muskelmasse und Muskelkraft steigern wollen, benötigen wir normalerweise einen mechanischen Trainingsstimulus von 60 bis 80% der individuellen Maximalkraft. Das heißt in der Praxis, dass die Patienten mit viel Gewicht trainieren müssen, was bei bestehenden Gelenkerkrankungen oder frühzeitig nach einer Operation teils gar nicht möglich ist oder in starken Schmerzen mündet. Durch das Blood-Flow-Restriction-Training und der venösen Okklusion können wir den Reiz zum Muskelaufbau setzen, obwohl wir nur leichtes Trainingsgewicht nutzen. Als Beispiel kann man sagen: Müssten wir den Oberarm normalerweise mit 15 kg trainieren, damit der Muskelaufbau einsetzt, reichen mit dem BFR-Training bereits drei kg, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. 

Golfmedico: Wer profitiert davon am meisten? Ist das für jeden kurz vor der Operation anwendbar und kann man es vorab ambulant durchführen? 

Alexander Franz: Speziell Patienten, die lange keinen Sport mehr gemacht haben und ihren Alltag aufgrund der Erkrankung deutlich weniger aktiv gestalten können, profitieren am meisten von der BFR-Technik. Man muss sich vor Augen halten, dass degenerative Gelenkerkrankungen, wie Arthrose des Knie- oder Hüftgelenkes, einen Patienten über Jahre und Jahrzehnte begleiten, bis es ggf. zu einer Operation kommt. In dieser Zeit nehmen die Aktivität und die Muskulatur immer mehr ab. Geht man nun mit diesem Zustand in eine Operation hinein, ist die Ausgangslage für eine erfolgreiche Rehabilitation nicht die beste. Durch das Blood-Flow-Restriction-Training ist es erstmals möglich, den Patienten ein suffizientes Training zukommen zu lassen, das einerseits den Muskel optimal stimuliert und andererseits durch das leichte Trainingsgewicht auch schmerzfrei durchführbar ist.  

Eine weitere große Gruppe, die von dem BFR-Training profitieren, sind betagte Menschen, die bereits von altersbedingtem Muskelschwund betroffen sind. Hier zeigt sich ein ähnliches Bild, dass Übungen mit hohen Gewichten meistens überhaupt nicht mehr möglich sind. Auch in diesem Fall bietet das BFR-Training eine händeringend gesuchte Alternative für unsere Therapeuten, den Muskelaufbau bei älteren Patienten zu fördern. 

Golfmedico: Wirkt es sich auch auf das Schmerzempfinden aus? 

Alexander Franz: Aktuelle Forschungsergebnisse aus unserem Haus sowie der internationalen Literatur belegen, dass BFR-Training aktiv Schmerzen reduziert. Wir wissen zwar noch nicht, durch welchen Mechanismus dies geschieht, aber selbst chronische Schmerzpatienten weisen bereits nach nur wenigen Einheiten mit BFR ein deutlich geringeres Schmerzlevel auf als vor der Therapie. Im Zuge degenerativer Gelenkerkrankungen, beispielsweise bei Arthrose der großen Gelenke wie Knie und Hüfte, könnte die Schmerzreduktion durch die Zunahme der Muskelkraft und Muskelmasse erfolgen. Werden die Muskeln erstmals seit langer Zeit wieder adäquat trainiert, können sie mehr Belastung abfangen, was die Schmerzen im Gelenk reduziert.  

Wir danken für das informative Gespräch!