Der Cantegril Country Club.

Uruguay

Von Dagmar Kaske

Punta del Este ist in aller Munde zumindest spricht die aufmerksame Le­ser­­schaft vieler High-­­­Society-Ma­ga­zine über den Vor­­zeigeort in Urugugay. Doch die noble Gesell­schaft schweigt dazu und genießt stumm. GOLFmagazin begab sich auf die 20-stündige Reise zur anderen Seite des Äquators und machte sich ein eigenes Bild. Bereits auf der einstündigen Auto­fahrt von der 1,5-Millio­nen­metro­pole Mon­te­­video gen Osten schlägt unser Golfer­herz beim An­blick der sandigen Dü­n­en­­landschaft schneller.

Stellen Sie sich die raue Nord­­­see­­brise am endlosen Dü­nen­strand von Kampen vor. Reet­­­gedeckte Häuser schmiegen sich im Hin­tergrund in die Heide­land­schaft. Die dichte Pinien­­kulisse erinnert an Por­tu­gals Na­tur­­schön­heit. Gar­nieren Sie diese Mischung mit einem Schuss aus der mondänen Welt des Jet-Sets von St.-Topez, dann sind Sie nahe dran am Geschehen des Or­tes, wo sich die Noblesse Süd­amerikas und der ganzen Welt seit den 50er- Jahren ein Stell­­dich­ein liefert. Im zweit­kleins­ten Land Süd­­­ame­rikas mit nur 3,3 Millionen Einwohnern ist man unter sich und wer in den sechs Sommer­­wochen zwischen Weih­­­­­­­nachten und Ende Januar in Punta auftaucht, ge­hört zum Kreis der illustren Ge­sell­schaft. Sechs Wochen, in denen sich die Schicke­ria gestylt oder im legeren Beach­-Out­fit beim morgendlichen Strand­­­­lauf ein freund­­­­liches Bu­en Dia zuflüstert. 

Punta del Este das Paradies
für Jet-Set, Golfer & Aussteiger 

Wir hingegen treffen wäh­rend der Nebensaison auf para­­­­­d­i­e­­­­sische Ver­häl­t­nisse: Gast­­­­­freund­­­­­­liche Men­schen, die am Abend die untergehende Sonne bewundern und dabei ihren Mate­­tee schlürfen, ein­same Strän­­de, keine merkbare Krimi­nalität und gähnend leere Golf­­­plätze beste Bedin­gun­gen für einen Urlaub in der Oase zwischen den gro­ßen Nach­­­barn Argen­­­tinien und Bra­silien. Aufgrund der optimalen Spiel­­­­be­dingun­gen gründete Hans-Dietrich von Bothmer (65) die Reiseagentur Golf  Uruguay. Ich möchte deutschen Golfern die Schön­­heit Uruguays mit den fantastischen Be­dingungen nahebringen, sagt der promovierte Land­­wirt und ehemalige deutsche Bot­­schafter. Mit Leidenschaft für Land und Leute betreut der Diplomat die Reisen­den in Punta del Este. Die drei An­la­gen im Umkreis von 20 Kilo­metern schlummern An­fang Novem­­ber noch im Dorn­­­rös­chenschlaf. Die Fair­ways liegen nach der langen Ruhe­phase regel­recht jungfräulich in einer frühlingshaften Kulisse.

Unmittelbar am Trink­wasser­reser­voir der Re­gion, dem Laguna del Sauce, liegt der Del Lago Golf Club. Um den See vor Chemi­kalien zu schützen, achten die Manager penibel auf eine umweltfreundliche Platz­pflege. Wir haben als erste Anlage in Südamerika bereits 2001 das Umweltschutzzerti­fikat ISO 14.001 erhalten, betont der Club­­ma­na­ger César Payovich stolz. Über das eine oder andere Fremdgras auf dem Fairway lässt sich mit diesem Bewusstsein hinwegsehen. Die 18 Bahnen schmiegen sich in die hügelige Dünen­land­schaft. Wind knirscht in den dich­ten Kronen der Baum­gi­ganten, die sich eng an die Fair­­ways reihen. Der erste A­bschlag thront auf einer An­höhe. Die Pinien bilden eine hübsches Pano­rama für den ersten Drive hinab ins Tal. Aufgrund der vielen Wasser­läufe und weiten Gras­land­schaft ist Uuguay das Land der bunten Vögel. Und die gibt es in Uruguay wie Sand am Meer. 440 verschiedene Spe­zies lassen sich in Uruguay beob­achten. Die meisten Vögel auf der Anlage hört und sieht man, laut Hans-Dietrich von Both­mer, am Wasser­hindernis vor dem zweiten Grün. Und tat­sächlich kommen Kibitze und grüne Papa­­geien am glitzernden Nass zum Vorschein. Kurz davor sollte der Ab­schlag landen. Dann hat man eine faire Chance, das Grün, das wie eine Insel in einem Wäld­chen liegt, mit dem zweiten Schlag zu treffen.

Chinchamali und ein Sundowner
im Casa Pueblo

Bis zur 5 und 6 führen die Bah­nen durch Baum­schneisen. Dann lichtet sich der Platz. Ein Hurrikane knickte vor zwei Jah­ren 250 Bäume wie Streich­hölzer ab. Doch schon auf der Bahn 7 bemerkt man den Ver­lust aufrund der dichten Vege­tation nicht mehr. Zur Optimierung der Anlage sollen die Löcher 13 und 14 der neuen Driving Range weichen. Für Ersatz ist bereits gesorgt. Un­­mittelbar an der jetzigen Bahn 17 führen zwei neue Fair­ways in Rich­tung Wasser­re­ser­voir. In einem Dünen­­ge­lände sind die beiden Bahnen bereits ein­­gesät und sollen im Herbst 2007 bespielbar sein. Gäs­te des Barcelo Club del Lago Hotel können dann, laut César Payovic, unmittelbar am Hotel in den Platz einsteigen. Die älteste Anlage in Punta del Este ist der Cantegril Country Club. Bereits 1947 wurden die 18 Spielbahnen er­öffnet. Mitt­ler­weile hat sich die Baum­viel­falt zu einer üppigen Vegetation entwickelt. Pinien, Eukalyp­tus und Zedern schieben sich des Öfteren in die Flugbahn.

Der Golfclub liegt in einem Villenviertel. Die opulenten moder­­nen Ge­bäu­de erreichen einen harmonischen Stilmix ent­­lang der Küste. Kubistisch, puris­tiche Ge­bäude liegen neben reetgedeckten Villen im Kolo­nialstil. Auch Hans-Dietrich von Bothmer lebt mit seiner Frau Gerhild in der Nach­barschaft. Bereits vor 20 Jah­ren kaufte sich der Dip­lomat das reetgedeckte Frie­sen­­haus Chin­cha­ma­li anstelle einer Nummer trägt in Uruguay jedes Haus einen Namen. Auf breiten Fairways verläuft der Platz auf und ab. Das 18. Loch endet unmittelbar vor dem Clubhaus mit einem Par 4 für Damen ein Par 5. Da Mens-Captain Frederico Mc Neill 2005 sämtliche Ab­schlä­ge der Damen nach hinten versetzen ließ, änderte sich das Ra­ting der Ladies um drei Schläge. Während der sechs Saison­wochen startet im Cantegril Country Club ein Flight nach dem anderen. Club­mitglied Victor Poullier fühlte sich in seiner Spielfreiheit eingeschränkt und gründete 1994 einen eigenen Golf­club mitten in der Weite des Landes. Der La Barra Golf Club liegt oberhalb des kleinen Ortes José Ignatio. Das hübsche Fischer­dorf liegt etwa 20 Kilometer von Punta del Este entfernt. Strand, Meer und Galerien machen das Refugium zu einem Mag­neten für prominente Ferien­­gäste. Außer­halb der Saison liegt José Ignation verschlafen am tobenden Atlantik. Das Gourmet­res­tau­rant La Negro und das hippe Strand­lokal La Huella sind nur am Wochenende geöffnet selbst einige Tage vor Saison­be­ginn schlummert das zwei Kilo­meter lange Dorf in Seelenruhe vor dem Ansturm der Urlauber.

Das hübsche rot getünchte Club­­haus von La Barra liegt auf einem Plateau verträumt in der weiten Landschaft. Victor Poullier ließ einen zünftigen Highland­course gestalten, der in der offenen Natur untertaucht. Menschen trifft man auf den Bahnen kaum. Von allen Löchern aus schweift der Blick in die unendliche Weite Uru­guays. Rinderherden weiden ent­lang der Bahnen, wilde Pfer­de galoppieren über die Wei­den. Hor­neros, kleine schwa­l­­ben­­artige Vögel, verzieren die Ab­schlagtafeln mit Lehm­­­nes­tern. Spielen sollten Sie diesen Platz am frühen Morgen oder späten Nach­mittag. Dann taucht die tief stehende Sonne die offenen Bah­nen in ein warmes Streiflicht. Turbulent geht es in Monte­video zu. Der Club de Golf del Uruguay liegt wie eine Oase der Ruhe in der lebendigen Haupt­stadt auf einer kleinen 40 Hektar großen Landzunge. Die vierspurige Ring­straße bemerkt man nicht, während man über die 18 Bah­nen von Allister Mac­­Kenzie schreitet. Zu schön ist der Es­prit, den dieser alte Platz von 1930 versprüht. Beein­druckend zeichnete der Platz­­architekt die Grünbunker in den Un­ter­grund. Die Grüns sind groß, fein onduliert und halten die Bälle hervorragend. Seit der Platz­er­öff­nung 1930 wurde der Parcours nicht verändert. Das Gefühl, auf einem Original zu spielen, lässt den Golfer über den bestens präparierten Unter­grund schweben. Die Skyline von Monte­video am Rio de la Plata beeidruckt den Betrachter von den Bahnen aus.

In den nächsten Jahren sollen die Fair­waybunker verändert wer­­­den, da sie im Zeitalter hoch­­technisierten Schläger­equip­­ments kaum noch ins Spiel kommen. Da die Städter im Januar und Februar Montevideo meiden und an die Atlantikküste ausweichen, bleiben die alten Bah­nen in dieser Zeit für Plat­z­ar­beiten gesperrt. Dann findet das bunte Treiben auf den An­lagen rund um Punta del Este statt.
Die breite Bucht der Mansa, mit seichtem Wasser und die raue La Brava auf der östlichen Seite der Stadt, locken die Gäste. Bevor die Schickeria das Para­­dies in einen Laufsteg verwandelt, genießen wir die letzten Tage der Ruhe bei einem Sun­downer im Casa Pueblo. Der bekannteste lebende Künstler Uruguays, der Maler und Bildhauer Carlos Páez Vilaró (83), gestaltete das gigantische weiße Bauwerk am Hang. Der weite Blick auf das in rot getauchte Meer ist kitschiger als auf jeder Post­karte. Hier am Ende der Welt geht einem das Herz auf

Uruguay

Reisepackage: Der Reise­ver­anstalter Golf Uruguay S.A. bietet ein um­fang­reiches Golf­arrangement in Punta del Este an. Neun Übernachtungen im Golf-, Tennis- und Spa-Hotel Club del Lago Barceló kosten inklusive sieben Greenfees auf vier Golf­plätzen, Transfer, und Linien­flug ab Deutschland via Madrid nach Mon­te­video mit der spanischen Flug­gesell­schaft IBERIA 2.360 Euro pro Person. Die Reisedaten liegen zwischen dem 6. Oktober bis 19. Dezember.

Informationen: www.golf-uruguay.com.

Zeit: Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt drei Stun­den (wäh­­rend der europäischen Som­mer­zeit vier Stun­den). Die Uhr muss zurückgestellt werden.

Reisezeit: Der Sommer ist in Uru­guay (Dezember bis Februar) besonders im Binnen­land heiß und an den Küsten feuchtheiß. Die mittleren Tem­peraturen betragen an der Küste in den Sommer­monaten um die 30 C. In den Winter­monaten (Juni-Septem­ber) erreichen die Tages­temperaturen bis 15 Grad.
Unser Tipp: Fahren Sie in der Vor- und Nachsaison zwischen März und April sowie zwischen Oktober und Dezem­ber nach Uruguay. Dann sind die Tempera­turen angenehm warm, die Preise moderat und die Golfplätze leer.

Währung: In Uruguay wird mit dem uruguayischen Peso (Urug $) bezahlt (1 Euro entspricht in etwa 30 Urug $). Gängiges Zahlungsmit­tel in den Hotels ist der US-Dollar.

Sightseeing-Tipp: Eine gute Auto­stunde von Punta del Este entfernt liegt Uruguays Haupt­stadt Monte­video. Die charmante Millionen­metropole schmiegt sich an die Küste des Mar de la Plata und sollte mit einer Runde Golf auf dem historischen Club de Golf del Uruguay verbunden werden. Von hier kann man den Aus­blick auf die Skyline der Stadt in Ruhe genießen.

Gourmet-Tipp: Eine der besten Feinschmecker-Adressen in Uru­guay ist das La Posta del Cangrejo in La Barra. Schon der spanische König Juan Carlos und der ehemalige US-Präsident George Bush Sen. ließen sich von der Gourmet-Küche von Hotelchefin Ana Maria Bozzo verwöhnen. Landestypische Speisen gibt es in Maldonado im urigen Lo de Ruben. Auf der ausladenden Parilla gibt es bestes gegrilltes uruguayisches Rindfleisch in diversen Varia­tionen. 

Reise-Experten: Golf Uruguay S.A., Telefon: 040/28 78 59 13 und unter: www.golf-uruguay.com.