Freddy, jetzt guck mal, was ich anhabe.
Yes! Yes!
Das ist das Polo aus Bahrain von 2024. Und jetzt, 2026, hast du einen rausgehauen: ein großer Scheck, dein erster Titel, das Ganze noch im Play-off. Und dann war da noch einer wie Patrick Reed dabei – kein Unbekannter. Irre! Gratulation. Was hat sich da eigentlich abgespielt?
Von Sprachlosigkeit bis pure Euphorie war wirklich alles dabei. Klar, das ist unglaublich. Auch noch die Situation, dass Calum im Play-off abgeschenkt hat – ich wusste nicht, dass das möglich ist. Das habe ich erst gar nicht richtig verstanden und mir dann noch einmal vom Referee bestätigen lassen. Es ist alles in allem einfach unglaublich. Ich bin dankbar, dass ich das so erleben durfte. Genau deshalb mache ich diesen Sport.
Letztes Jahr hast du erstmals die volle Spielberechtigung geholt – auf der letzten Kante. Was hat sich dadurch für dich und dein Team ergeben? Zum Beispiel die Sicherheit, den Turnierkalender anders planen zu können?
Definitiv. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Es ist eine ganz andere Situation. Ich habe mich zum ersten Mal wirklich angekommen gefühlt. Davor war ich ein Journeyman, ständig unterwegs, ohne jemals die vollwertige Kategorie 10 oder besser zu haben. In Indien habe ich das geschafft, und das hat eine unglaubliche Motivation in mir ausgelöst. Ich habe mir gesagt: Jetzt will ich es richtig angehen, jetzt habe ich die nötige Sicherheit. Das war der erste wichtige Schritt hin zu dem Großen, das jetzt in Bahrain gefolgt ist.
Auf Kategorie 10 folgt jetzt die Winners-Kategorie inklusive Saison 2028. Wie verarbeitet man so etwas, und wo soll es fortan hingehen?
Das kann ich ehrlich gesagt noch gar nicht genau beantworten. Die letzten 18 Stunden waren einfach viel Realisieren: was da gerade passiert ist, was sich kurz- bis mittelfristig ändert. Weiter kann ich im Moment noch nicht denken. Ich weiß, dass ich jetzt Turniere wie die Scottish Open spiele, Nedbank, einfach ein paar mehr Playing-Opportunities habe. Und ich werde die Möglichkeit haben, mich für Majors zu qualifizieren. Das löst in mir eine Euphorie aus, die man sich nur schwer vorstellen kann. Ich freue mich einfach auf alles, was jetzt kommt. Ich weiß auch, dass die Absage in Katar die richtige Entscheidung war, um dem Ganzen Zeit zu geben, damit es sich setzt, ich zur Ruhe komme und überhaupt erst verstehe, was da alles passiert ist.
Wann fiel die Entscheidung, auf Katar zu verzichten?
Kurz nach dem Sieg. Ich habe mich etwas länger mit Taka, meinem Caddie, unterhalten. In der Euphorie sagst du: Komm, nächste Woche wollen wir es noch mal. Aber wir haben festgestellt: Ganz ehrlich, wenn ich nächste Woche nicht gewinne, fliege ich nicht mit dem gleichen Gefühl nach Hause wie jetzt. Ich fliege gerade als Sieger nach Hause. Dieses Gefühl wollte ich mir dieses Mal wirklich nicht nehmen lassen.
Das Schiff – also der Pokal –, den du bekommen hast, war ja relativ groß. Muss ich mir das so vorstellen, dass Freddy Schott mit diesem Teil als Handgepäck in den Flieger gestiegen ist?
Leider nein. Ich hätte ihn total gern mitgenommen. Das Original bleibt in Bahrain. Ich bekomme eine Replika nach Hause geschickt. Darauf freue ich mich sehr. Die wird hier einen wunderschönen Platz finden. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten.
Wie ist dein Plan? Wie lange nimmst du dir Zeit, um das Ganze zu genießen und zu würdigen, und wann steigst du wieder ein?
Stand jetzt spiele ich wieder in Kenia. Ich möchte dort antreten, weil ich auch letztes Jahr gut gespielt habe. Ein tolles Event, das hat einfach Charme. Das ist richtig cool. Danach die South African Open, die mir persönlich sehr viel bedeuten.
Hast du deinen Quantensprung in der Weltrangliste mitbekommen?
Zum Glück hatte ich WLAN im Flugzeug. Ich habe es fünf Minuten nach der Veröffentlichung gesehen. Im Kopf hatte ich vielleicht Platz 200, aber dass da jetzt wirklich eine Eins vorne steht, ist schon ziemlich cool.
In den Statistiken läuft es deutlich besser. Woran hast du gearbeitet?
Ich glaube, ich habe ein besseres Verständnis dafür entwickelt, was ich eigentlich machen muss, um den Scoring Average zu senken. Auf lange Sicht sind es vor allem das Spiel auf dem Grün und rund um die Greens. Daran habe ich in den letzten Wochen sehr intensiv mit meinem Trainer André Kruse gearbeitet.
Noch einmal kurz zum Sonntag: Mit einem bemerkenswerten Putt ging es ins Stechen – mit Patrick Reed. Dieser markante Amerikaner, der die Woche zuvor gewonnen hatte und zu den ganz Guten zählt. Er geht zu jedem hin, schüttelt die Hand, und es wirkte auf TV-Art wie eine subtile Einschüchterung. Was ging dir da durch den Kopf?
Eigentlich gar nichts. Ich habe ihm, wie du sagst, die Hand geschüttelt und gedacht: Der spielt halt auch mit. Ich habe mir da wirklich nicht viele Gedanken gemacht. Ich saß im Buggy mit Taka und habe auf dem Weg zur 18 gesagt: „Taka, genau für diese Momente lebe ich. Das ist es, was ich will – dieser Adrenalinkick.“ Dieses Gefühl hat sich bis zum geschenkten Putt durchgezogen. Das ist die Situation, die ich leben möchte. Wer da vor mir gestanden hätte, hätte keinen Unterschied gemacht – weil ich den Moment einfach genossen habe.
Nachdem Calum Hill seinen Ball am zweiten Extraloch nach links Richtung Range verzogen hatte: Gab es den Gedanken, den Driver wegzulassen?
Es war der Mini-Driver, nicht einmal mein regulärer Driver. Die Frage habe ich jetzt schon oft gehört, auch aus meiner Familie: „Warum hast du nicht einfach ein Vierer-Eisen da runtergeschoben?“ Erstens wusste ich nicht, ob sein Ball im Aus ist. Und zweitens: Der Mini-Driver hat die ganze Woche so gut funktioniert, dass ich mir eher selbst ein Eigentor geschossen hätte, wenn ich auf Sicherheit gegangen wäre. Deshalb habe ich ihn genommen und einfach meinen Stiefel daruntergespielt. Das Einzige, was ich mir gesagt habe: Egal welchen Schläger du nimmst, zieh den Schlag konsequent durch.
Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Takashi Ohagen als Caddie?
Ich hatte zunächst meinen Bruder an der Tasche. Das war eine der coolsten Zeiten, die ich je auf dem Golfplatz hatte. Dann ergab sich diese Möglichkeit, weil Taka mit Alexander Knappe aufgehört hatte. Wir haben hin- und hergeschrieben, dann kam Dunhill mit drei verschiedenen Plätzen, bei denen es für mich um viel ging. Ich dachte mir: Ich verstehe mich super mit Taka, und er kennt alle Plätze. Mein Bruder ist trotzdem mitgekommen und hat mich motiviert. Taka und ich haben beide schon in der ersten Woche gemerkt, dass es harmoniert. Ich sehe uns als Team – und ein Team funktioniert nur, wenn beide die gleiche Idee haben und die gleiche Art der Umsetzung verfolgen.
Und jetzt wird ordentlich gefeiert?
Tatsächlich hat meine Freundin eine kleine Welcome-Party organisiert – mit meinen engen Freunden aus Hamburg, ihrer ganzen Familie und meiner Familie. Wir sind insgesamt 15 Leute.
Dein Mentor Marcel Siem dürfte sich auch extrem gefreut haben …
Marcel hat sehr, sehr schnell gratuliert. Wir hatten etwa zweieinhalb Stunden später einen Facetime-Anruf. In der Zwischenzeit wurde mein Handy mit Nachrichten bombardiert. Genau davon haben wir immer geträumt – das fing vor acht Jahren an. Und dann habe ich auch noch am Geburtstag seiner Tochter gewonnen.
Was sind die Pläne für die weitere Saison?
Ich habe jetzt deutlich mehr Planungssicherheit. Ich habe Blut geleckt. Es hat mir enormen Spaß gemacht, das Turnier in Bahrain zu gewinnen, und ich will daran anknüpfen. Dieses Gefühl, das ich dort erleben durfte, macht süchtig – und ich will es so schnell wie möglich wieder spüren. Ich weiß, dass ich dort hingehöre. Da zu stehen und zu wissen, 155 andere Spieler geschlagen zu haben, darunter zwei Masters-Champions, einen davon im Play-off – dieses Gefühl kann mir so schnell niemand nehmen.
