Der Augusta National Golf Club an der Washington Road. Es ist Anfang April 2026, Masters-Woche. Das erste Major des Jahres steht an – und für viele Golffans ist es zugleich der Höhepunkt. Das Wetter ist perfekt, die Magnolia Lane atemberaubend schön, und die Blumenpracht – gerade auf den Back Nine – lässt alle Gartenfreunde frohlocken.
Doch diese 90. Austragung hat auch eine traurige Note, denn 2026 darf kein deutscher Vertreter den Versuch starten, diesen wunderbaren Platz zu bezwingen. Es ist gar nicht so einfach herauszufinden, in welchem Jahr zuletzt kein Athlet in Schwarz-Rot-Gold dabei war. Haben Sie eine Ahnung? Es ist Jahrzehnte her. »Das dürfte 1983 gewesen sein«, sagt Bernhard Langer nach kurzer Überlegung. Korrekt.
Wie gut, dass kein österreichischer Kollege in Augusta herumschwirrt. Da sind Frotzeleien grundsätzlich vorprogrammiert – etwa darüber, dass die deutschen Alpinisten in der Saison »arg hinterhergefahren« seien. Diese Spitzen ließen sich früher leicht kontern, indem man das Thema auf den Fußball lenkte. Doch selbst dort ist der Qualitätsunterschied bedrohlich klein geworden. In Augusta steht es somit schon einmal 1:0 für Österreich. Mit Sepp Straka haben sie einen Weltklassemann am Start.
Deutschland wird diesen Rückstand nicht egalisieren, da sich kein Profi qualifiziert hat. Immerhin begleitet Bernhard Langer das Geschehen vom „Seitenrand“. Nachdem er 2025 seinen Abschied als Turnierteilnehmer gegeben hat, ist er mit seiner Großfamilie vor Ort. Die Tage in den Südstaaten lässt sich der zweifache Green-Jacket-Träger nicht nehmen. Augusta ist der Ort seiner größten Triumphe – über Jahrzehnte ist eine innige Verbindung entstanden, ja man kann sogar von Liebe sprechen.
Langer, mittlerweile 68 Jahre alt und weiterhin drahtig wie ein junger Superathlet, nahm am Champions Dinner teil und genoss die erlesene Weinauswahl von Gastgeber Rory McIlroy. Selbstredend spielte er am Mittwoch auch beim Par-3-Contest mit. „Das hat Spaß gemacht.“ Im weiteren Gespräch gab er zu, dass es ein ungewohntes Gefühl sei, nicht mehr beim Turnier anzutreten. Ob er einen Favoriten für 2026 habe? »Da könnte ich 40 aufzählen. Persönlich würde ich es Justin Rose wünschen. Er war schon zweimal sehr nah dran.«
Die britischen Journalisten stimmen zu – und findig wie sie sind, konnten sie sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Wir vermissen einen deutschen Spieler im Feld.“ Wir als GM und Golf-Deutschland auch. Also schwelgen wir in Erinnerungen: mit Langer als Konstante, später mit Alex Cejka, dann in der Ära von Martin Kaymer. Zuletzt durfte Stephan Jäger zweimal bei diesem Major antreten. Ihm und Matti Schmid drückte man die Daumen, dass sie noch aufspringen. Doch dafür fehlten die Top-Ergebnisse – und so wird 2026 herzlich wenig Deutsch in Augusta gesprochen.
Rund ums Clubhaus sieht es anders aus: Marco Kaussler, Geschäftsführer von CAA Deutschland und langjähriger Turnierdirektor der BMW International Open, ist vor Ort, ebenso Kariem Baraka und Oliver Neumann (beide PGA of Germany), Anne Jakob und Malte Uhlig (beide Deutscher Golf Verband) sowie Stefan Schauffele. Der Vater von Weltklasse-Pro Xander lebt seit Jahrzehnten in den USA (mittlerweile auf Hawaii) – und wenn er sich einmal warmgeredet hat, hört man den schwäbischen Akzent deutlich heraus.
