Schwierige Balllage? Smart Golf Hilft!

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Alles andere als Normal: Wenn der Standardschlag nicht mehr ausreicht – Teil 2

Während einer Runde, schafft es der Ball immer wieder, sich in schwierige Balllagen zu manövrieren. Dann ist es an uns Golfspielern, den Ball aus diesem Schlamassel zu »befreien«. Oft ist es nicht eine Frage der Technik, sondern des fehlenden Wissens – nämlich wie sich gewisse Spielsituationen leichter bewältigen lassen.

Auf Ihrer Reise zu einem neuen, spielstärkeren, World-Handicap versorgt Sie, hier im Golf Magazin, das Trio der Smartgolf Academy mit Tipps und Tricks: In diesem zweiten Teil unserer Serie »besondere Spielsituationen« widmen wir uns den Schräglagen, langen Bunkerschlägen, besonderen schwierigen Balllagen am Rande des Vorgrüns, Hybridschlägen aus dem Semi-Rough und auch dem Flugkurven-Shaping.

Clemens Otto hat für die Reise zum Handicap 36 zwei Schläge am Grün rausgesucht und bringt den Ball aus dem Semi-Rough zum Fliegen. Felix Lubenau möchte Ihnen mittels einer guten Strategie zu längeren Bunkerschlägen helfen und Tino Schuster zeigt, wie Sie gezielt mit Flugkurven Bäume aus dem Spiel nehmen und sich so den Weg zum Singlehandicap ebnen.

SMARTGOLF – Ich will die 36

Auf unebenem Terrain

Schwierige Balllage: Die Bergab-Lage

Wie wichtig es ist, sich dem Hang und dem teilweise starken Gefälle des Fairways anzupassen haben wir schon einige Male gezeigt. Insbesondere rund um das Grün wird deutlich, wie stark sich dabei der Loft verändert. Hier zeigen wir, welche extremen Auswirkungen Bergab- und Bergauflagen auf den Loft unserer Schläger haben.

Falsch: Clemens steht ganz aufrecht, passt sich nicht dem Gefälle des Hangs an und gleicht die Neigung des Bodens lediglich mit den Füßen aus. Mit dieser Schwungbahn kann er den Loft des Sand-Eisens nicht an den Ball bringen und ein guter Ball-Bodenkontakt kann so nicht entstehen. Die Schlägerkante kommt zuerst an den Ball und lässt diesen – möglicher Weise – flach und viel zu schnell über das Grün schießen.

Richtig: Clemens hat sich mit seinem gesamten Körper dem Gefälle angepasst. Der Ball liegt näher an seinem rechten Fuß. Die Hände sind jetzt deutlich näher zum Ziel als der Ball. Die Schwungbahn führt mehr den Hang entlang. Ein solider Ball-Bodenkontakt ist möglich, denn so kommt der Loft der Schlagfläche an den Ball.

Loft-Check: Jetzt wird’s flach – Clemens hat sich dem Hang angepasst und die Hände mehr Richtung Ziel gelehnt.  Dabei verliert er circa 25 Grad Loft der ursprünglichen Schlagflächenneigung. Somit wird aus einem Sand-Wedge mit 56 Grad gerade noch ein Eisen 6 mit ungefähr 30 Grad. Der Ball wird flacher fliegen und mehr rollen. Backspin ist nicht zu erwarten.

Schwierige Balllage: Die Bergauf-Lage

Wer gerne seinen Ball mit der Hand fangen möchte, kann bei solchen Schräglagen das Sand-Wedge aus dem Bag ziehen. Wenn die Schlagfläche Richtung Himmel blickt, ist der Weg zur Fahne noch sehr weit. Wer hingegen lieber näher Richtung Fahne spielen möchte, sollte den Ball flach halten.

Richtig: Clemens hat sich dem Hang angepasst. Das linke Knie ist nicht im Weg.

Falsch: Mit einem Sand-Eisen in solchen Lagen fliegt der Ball steil nach oben – zu steil. Der Ball erreicht große Höhen aber überwindet dabei keine weiten Strecken.

Loft-Check: Im direkten Vergleich sind die unterschiedlichen Schlagflächenneigungen deutlich zu erkennen. Das Sand-Wedge zeigt direkt Richtung Himmel. Bei dem Eisen 8 entsteht durch die Hanglage ungefähr die Schlagflächenneigung eines 56-Grad-Sand-Eisens. So gewinnt der Ball schnell an Höhe, fliegt aber trotzdem nach vorne.

Richtig: Gleiche Lage, gleicher Stand – Anstatt eines Sand-Wege benutzt Clemens ein Eisen 8. Die Schräglage, die er im Hang einnimmt, kommen als Loft an der Schlagfläche hinzu. So wird aus einem Eisen 8 mit durchschnittlich 40 Grad Loft schnell ein Wedge mit viel Loft. Wer den Ball weiter fliegen oder rollen lassen möchte kann alternativ auch ein Eisen 6 spielen.

SMARTGOLF – so packe ich die 18

Schwierige Balllage: (Tief) im Rough

Sie möchten Hybride oder kleine Hölzer aus dem Semi-Rough schlagen? Warum nicht. Aber Achtung: Holz ist nicht gleich Holz. Ein 3er Holz oder ein niedriges Hybrid aus dem Semi-Rough zu schlagen ist kein Zuckerschlecken. Auch bei den Hölzern braucht es ordentlich Loft, damit die Bälle aus dem Gras fliegen. Dabei sollten Sie bei den Fernsehbildern der PGA-Tour genau hinschauen: Der neue Trend geht zum Holz 7! Das sind gute 20 Grad Loft; ähnlich wie ein Eisen 4. Dieser Trend wächst immer weiter – siehe Top-Spieler wie Dustin Johnson, Adam Scott, Bubba Watson, Max Homa, Louis Oosthuizen, Ian Poulter oder Tyrell Hatton – und funktioniert auch. Ein passendes Beispiel ist die Charles Schwab Challenge. Sieger: Jason Kokrak. In seinem Bag: ein Holz 7.

Richtig: Der Ball liegt schön oben auf dem dichten Semi-Rough. Unterhalb des Balls sind es circa 4 Zentimeter bis zum Boden. Wer mit ausreichend Schlägerkopfgeschwindigkeit an den Ball kommt, kann ihn gut aus dem Gras befördern. Da der Ball oben aufliegt, gewinnt er schnell an Höhe und bleibt nicht an den Grasspitzen hängen.

Falsch: Der Ball hat sich im dichten Gras zum Boden abgesetzt. Selbst mit viel Schlägerkopfgeschwindigkeit bekommt man mit der geringen Loftzahl den Ball nicht schnell genug aus dem saftigen Grünzeug. Der Ball streift durch das Gras, verliert Geschwindigkeit und Backspin. Die Folgen sind: geringe Flughöhe und Längenverlust.

Richtig: Wer seinen Ball so tief im Gras wiederfindet, dem bleibt nur der Griff zu einem Eisen mit viel Loft. Eisen 8 oder auch ein Wedge sind eine gute Entscheidung. Die starke Neigung der Schlagfläche bringt den Ball schnell aus dem dicken Kraut und über die dichten Halme. Gleichzeitig hilft die Wedge-Konstruktion mit dem Bounce an der Unterseite des Schlägers, sich den Weg leichter durch das Gras zu ebnen. So trifft mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit auf den Ball und dann ist dieser Schlag effizienter als etwa ein misslungener Holzschlag.

Wenn Toppen top ist

Hoch fliegt der Ball ins Grün, kommt hinter der Fahne auf und mit Backspin zieht es die weiße Murmel näher zum Loch. Nur mit dem Putter in der Hand schreitet man Richtung Ball, um das (Netto-)Birdie zu vollenden. Wäre es nicht wunderbar, wenn das Spiel ums Grün immer so ablaufen würde? Die Realität sieht oft anders aus: dünn getroffene Annäherung, der Ball rollt über das Grün und fängt sich genau an der Kante zum Semi-Rough. Na, herzlichen Glückwunsch. Eine brauchbare Lösung gibt es hierfür trotzdem. Dazu dürfen wir mal absichtlich den Ball toppen!

Set-up: Nehmen Sie eine Standposition ein, als ob Sie putten möchten. Der Schläger ist dabei so kurz gegriffen, dass er über dem Boden schwebt. Für diesen Schlag sollte sich die Kante des Schlägers auf Höhe des Äquators vom Ball befinden.

Schlägerwahl: Nehmen Sie am besten ein Sand-Wedge.

Schwung: Spielen Sie diesen Schlag mit einer normalen Puttbewegung.

Strategie: Die vordere Kante des Sand-Eisens, das »leading edge«, ist der Punkt, mit dem Sie den Ball genau am Äquator treffen wollen.  Die Unterseite dieses Schlägers drückt mit dem starken Bounce das Gras nach unten und Sie bleiben nicht hängen. So ist ein guter Ballkontakt möglich.

Auf diese Weise toppen Sie den Ball quasi mit dem Wedge. Bei Ihrem nächsten Besuch am Chipping Grün können Sie diesen Schlag gerne schon mal trainieren. Denn Übung macht ja bekanntlich Meister und das schützt auch vor bösen Überraschungen auf der Runde.

Mit allen Schlägern in den Bunker

Sehr große Grüns oder weiter vorgelagerte Grünbunker erfordern einen Bunkerschlag, bei dem der Ball nicht nur in hohem Bogen raus fliegen muss, sondern mitunter auch noch ein paar Meter bis zur Fahne zu überwinden hat. Für diesen Schlag wäre es der falsche Weg, noch mehr Schwung einzubringen oder zu versuchen, die Sandmenge zwischen Ball und Schlagfläche zu verringern. Hier gilt: Gleiches Recht für alle Eisen. Probieren Sie es aus und nehmen mehrere Eisen mit an den Golf-Strand.

Set-up: Auch wenn der Ball weiter fliegen soll – es bleibt ein Bunkerschlag! Beziehen Sie Ihre Standposition wie bei einem normalen Bunkerschlag.

Schlägerwahl: Pitching-Wedge, Eisen 9. Alles ist möglich solange der Ball über die zu spielende Bunkerkante kommt.

Schwung: Normaler Bunkerschlag.

Strategie: Sie nutzen das Wedge oder Eisen 9 wie sonst auch Ihr Sand-Wedge im Bunker. Ein Öffnen der Schlagfläche ist sinnvoll. So erzeugen Sie mit einem 9er Eisen noch genügend Bounce. Da Sie bei einem Eisen 9 gute 12 Grad Loft weniger haben, wird Ihr Ball flacher aus dem Bunker fliegen und mehr Vorwärtsdrang entwickeln. Der Ball fliegt weiter und hat weniger Spin. Mit diesem simplen Trick ist es einfacher, eine größere Strecke zu überwinden – und das alles, ohne eine weitere Technik erlernen oder üben zu müssen.

Endlich einstellig

Kurz und standhaft

Lange, weite Golfschläge aus dem Fairwaybunker zollen auch dem härtesten Gegenspieler Respekt ab. Eintreffwinkel und die Höhe des tiefsten Punktes in Ihrem Golfschwung lassen kaum Raum für Fehler. Tino Schuster erklärt die Unterschiede zu einem normalen Golfschlag und verrät welchen Tipp ihm Golflegende Bernhard Langer vor vielen Jahren in einem Trainingslager der Nationalmannschaft mitgegeben hat.

Set-up: Gegenüber einem normalen Golfschlag – siehe Geisterbild – hat Tino den Ball mehr nach rechts in seinen Stand gelegt.

Schlägerwahl: Greifen Sie den Schläger kürzer und nehmen Sie einen Schläger mehr, um den reduzierten Rückschwung und kürzeren Schaft auszugleichen.

Schwung: Holen Sie weniger aus. Mehr Kontrolle und weniger Dynamik im Schwung helfen, den Ball sauber zu treffen.

Bernhard Langers Tipp: Graben Sie Ihren rechten Fuß schräg in den Sand ein. Im Rückschwung geht dann ein größerer Widerstand von Ihrem rechten Fuß aus. Das erschwert, zu weit zurück zu schwingen und Sie spüren sofort Druck auf dem Fuß, um Ihr Gewicht nach links zu bringen.

Strategie: Indem Sie Ihre Füße leicht eingraben, haben Sie einen stabilen Stand. Der kürzer gegriffene Schaft gleicht den Abstand zwischen Schlägerkopf und Boden wieder aus. Der verkürzte Rückschwung bringt Ihnen mehr Kontrolle für den Schwung und die Gewichtsverlagerung.
Bernhards Tipp hilft Ihnen, Ihr Gewicht schnell auf den linken Fuß zu bringen und sicherzustellen, dass Ihr tiefster Schwungpunkt erst nach dem Ball erfolgt. So wird die Gefahr eines fett getroffenen Balles stark reduziert.

Schwierige Balllage: Planmäßig um die Kurve

Egal, wie gut es auf der Runde läuft – früher oder später steht immer irgendetwas im Weg zwischen dem Ziel und Ihrem Ball. Spätestens dann ist es an der Zeit, dass die Kurve kommt – und zwar absichtlich. Die Frage lautet nur: Wie? Hierfür gibt Ihnen Tino Schuster ein paar Fixpunkte mit auf die Runde. Für die jeweilige Wunsch-Kurve muss in der Ansprechposition etwas justiert werden und dann weiß man auch vorher, wie der Ball fliegen wird. Im Idealfall in einer geschmeidigen Kurve um einen Baum herum; und das wird Ihre Mitspieler in neidvolles Staunen versetzen.

Normaler Golfschlag

Wie schön wäre es, wenn alles immer »normal« liefe. In diesem Szenario hat sich der Baum mal kurzfristig in Luft aufgelöst. Tino steht genau Richtung Fahne. Schultern, Arme, Hüfte, Knie und Füße sind parallel zum Ziel ausgerichtet.
Tino macht seinen normalen Golfschwung und die Schlagfläche zeigt zum Ziel.

Draw/Hook Golfschlag

Set-up: Die komplette Ansprechposition ist rechts am Baum vorbei ausgerichtet. Die Schlagfläche ist geschlossen und zeigt eher Richtung Ziel.

Schwung: Schwingen Sie entlang Ihrer Körperausrichtung und nicht Richtung Ziel.

Schlägerwahl: Durch das Schließen der Schlagfläche verlieren Sie Loft. Nehmen Sie daher einen höheren Schläger mit etwas mehr Loft, um den Ball in die Luft zu bekommen – und, um die gewünschte Schlaglänge zu erzielen.

Strategie: Sie schwingen rechts am Baum vorbei. Durch die geschlossene Schlagfläche bekommt der Ball einen Linksdrall und wird entsprechend in einer Linkskurve fliegen.

Fade/Slice Golfschlag

Set-up: Die komplette Ansprechposition ist links am Baum vorbei ausgerichtet. Die Schlagfläche ist geöffnet und zeigt eher Richtung Ziel.

Schwung: Auch hier schwingen Sie entlang Ihrer Ausrichtung und eben nicht Richtung Ziel.

Schlägerwahl: Durch das Öffnen der Schlagfläche erhöhen Sie den Loft. Nehmen Sie daher einen niedrigeren Schläger mit etwas weniger Loft, um den Ball nicht zu hoch in die Luft zu schlagen – und, um die gewünschte Schlaglänge zu erzielen.

Strategie: Sie schwingen links am Baum vorbei. Durch die offene Schlagfläche bekommt der Ball einen Rechtsdrall und wird entsprechend in einer Rechtskurve fliegen.