Viele Golferinnen verschenken Länge und Konstanz durch kleine Fehler im Set-up und in der Schwungbewegung. PGA Professional Stefan Quirmbach zeigt drei einfache Tipps, mit denen Golferinnen den Ball sauberer treffen, mehr Geschwindigkeit erzeugen und längere Drives schlagen können.
Der Anteil an Frauen im organisierten Golf ist in Deutschland bereits hoch – trotzdem bekommt Damengolf in Training, Medien und Ausrüstungsthemen oft noch zu wenig Sichtbarkeit. Dabei gibt es viele Spielerinnen, deren Technik, Beweglichkeit und Trainingsansatz auch für Männer vorbildlich sein können.
5-Star-Professional Stefan Quirmbach zeigt in dieser Trainingsstrecke, worauf Golferinnen beim Set-up, in der Rotation und bei der Nutzung des Unterkörpers achten sollten. Die Tipps richten sich primär an Damen, können aber auch vielen männlichen Golfern helfen, mehr Länge und Konstanz zu erzielen.
Warum Frauen beim Golf anders trainieren sollten
Frauen bringen andere körperliche Voraussetzungen mit als Männer. Im Durchschnitt verfügen sie über weniger Muskelmasse, profitieren dafür aber häufig von einer höheren Beweglichkeit. Genau darin liegt ein oft unterschätztes Potenzial für mehr Länge und Konstanz im Golfschwung.
Der Kraftnachteil lässt sich nicht vollständig ausgleichen, doch Beweglichkeit, Timing und eine effiziente Rotation können viel bewirken. Entscheidend ist, die vorhandenen körperlichen Stärken im Schwung richtig einzusetzen.
Das Modell: Katharina Quirmbach
Das Modell dieser Trainingsgeschichte ist Katharina Quirmbach, Jahrgang 1962. Sie spielt seit mehr als sieben Jahren ambitioniert Golf, hat ein WHI von 10,4 und ist Teil der Damenmannschaft des GC Hardenberg. Neben regelmäßigem Techniktraining arbeitet sie auch an ihrer Fitness – unter anderem auf dem Spinningrad und in Gruppenkursen wie „Hot Iron“.
3 Tipps für Damengolf: Mehr Länge und Konstanz
1. Das richtige Set-up für mehr Power
Viele Golferinnen positionieren die Arme beim Ansprechen ungünstig seitlich neben dem Brustkorb. Dadurch fehlt bereits im Set-up eine stabile Verbindung zwischen Armen und Oberkörper. Die Folge: Die Ausholbewegung startet häufig nicht aus dem Rumpf, sondern zu sehr aus den Armen.
Das kostet Dynamik und erschwert einen kraftvollen Treffmoment. Wer mehr Länge erzielen möchte, sollte deshalb schon vor dem Schwung auf ein stabiles Arm-Schulter-Dreieck achten.
Der bessere Ablauf: Der Schläger wird zuerst mit der linken Hand seitlich am Körper gefasst. Anschließend wird der linke Arm gestreckt und auf die Brust gelegt. Erst danach greift die rechte Hand an den Schläger. So entsteht eine feste Verbindung zwischen Armen, Schultern und Oberkörper.
Aus dieser Position kann die Ausholbewegung direkt und kraftvoll starten. Die Arme bleiben besser mit dem Körper verbunden und kehren im Treffmoment leichter in eine starke Powerposition zurück. Das erhöht die Chance auf sauberere Treffer und mehr Ballgeschwindigkeit.
2. Mehr Rotation statt seitliches Kippen
Ein häufiger Fehler im Damengolf ist das seitliche Wegschieben der rechten Hüfte im Rückschwung. Dadurch kippt der Oberkörper, die Rotation wird eingeschränkt und die Arme müssen häufig zu weit nach oben ausweichen.
Das Problem wird oft als „Überschwingen“ wahrgenommen. Tatsächlich liegt die Ursache aber häufig nicht im Armschwung, sondern in einer ungünstigen Rumpfbewegung. Wenn der Körper im Abschwung zurückkippt, wird der Boden oft zu früh getroffen – die Bälle fliegen kürzer und weniger konstant.
Die bessere Schwungidee: Statt die Hüfte seitlich zu verschieben, sollte die rechte Schulter aktiv nach hinten rotieren. Dadurch dreht sich auch die rechte Hüfte besser mit, Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur werden geladen und der Körper bleibt zentrierter.
Diese Position ist deutlich dynamischer. Der Körper ist von unten nach oben aufgedreht, die Arme behalten Spannung und die Handgelenke sind angewinkelt. Der rechte Ellenbogen bleibt unterhalb des linken Arms sichtbar – ein Zeichen dafür, dass Arme und Oberkörper gut verbunden sind.
3. Warum die linke Ferse für längere Drives wichtig sein kann
Viele Golferinnen versuchen, beide Füße während des gesamten Schwungs fest am Boden zu halten. Für mehr Länge ist das aber nicht immer die beste Idee. Auf den Profitouren ist häufig zu sehen, dass Spielerinnen im Treffmoment aktiv aus den Beinen arbeiten und sich die Fersen teilweise vom Boden lösen.
Gerade beim Driver kann dieses dynamische Strecken aus Beinen und Waden helfen, zusätzliche Geschwindigkeit zu erzeugen. Wer den Unterkörper aktiv einsetzt, bringt mehr Energie in den Schlägerkopf – und kann dadurch längere Drives erzielen.
Im Schwung von Paula Creamer lässt sich gut erkennen, wie aktiv Füße und linke Ferse im Treffmoment arbeiten.
Übung: Mehr Power für den Damenschwung
Das Gefühl für diese Bewegung lässt sich mit einem Widerstandsband trainieren. Katharina Quirmbach steht dafür auf dem straff gespannten Band und hält den Arm bereits gebeugt. Anschließend stößt sie sich mehrfach kräftig aus der Wadenmuskulatur nach oben ab.
Bei Probeschwüngen über ein Tee wird das aktive Abstoßen und Strecken geübt. Kurz vor dem Treffmoment soll die Bewegung bewusst aus der Wade heraus erfolgen. Das Ergebnis: Der Ball startet höher und kann deutlich weiter fliegen.
FAQ: Damengolf und längere Drives
Wie schlagen Frauen beim Golf weiter?
Mehr Länge entsteht vor allem durch eine bessere Rotation, einen stabileren Treffmoment und die aktive Nutzung des Unterkörpers. Kraft allein ist selten der entscheidende Faktor.
Warum verlieren viele Golferinnen Länge beim Driver?
Häufige Ursachen sind ein ungünstiges Set-up, seitliches Kippen im Rückschwung und eine zu geringe Nutzung der Beine im Abschwung.
Können Männer diese Übungen ebenfalls nutzen?
Ja. Die Tipps wurden zwar mit Blick auf Golferinnen formuliert, viele der Bewegungsmuster helfen aber auch männlichen Spielern, mehr Dynamik und bessere Ballkontakte zu erzeugen.
Wie wichtig ist Beweglichkeit im Damengolf?
Beweglichkeit ist eine große Stärke vieler Golferinnen. Wer sie gezielt mit einer stabilen Rotation und guter Körperspannung kombiniert, kann mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit erzeugen.
