Kurzes Spiel Tipps & Tricks

Backspin meistern: Mehr Spin und Kontrolle rund ums Grün

Wer den Golfball mit Backspin auf dem Grün stoppen lassen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen beachten. In diesem Artikel erklärt das GM in Zusammenarbeit mit Leadbetter-Coach und Experte Paul Dyer, welche Faktoren den Backspin erhöhen und wie Spieler mehr Kontrolle rund ums Grün erreichen.

Annäherungsschlag mit Backspin
Annäherungsschlag mit Backspin

Der Ball landet auf dem Grün, hüpft einmal und beißt – das ist der große Traum eines jeden Amateurgolfers. Wer seinen Ball mit viel Backspin auf dem Grün zum Stoppen bringen möchte, muss dafür einige Kriterien erfüllen.

Hinzukommt, dass Equipment, Technik, Grün und Umgebung passen müssen. Nur bei diesem Zusammenspiel klappt’s auch mit dem Backspin. 

So geht Backspin beim Schlag ins Grün

1. Welcher Schläger sorgt für maximalen Backspin?

Ein hochwertiges Wedge mit ausreichend Loft ist die Grundvoraussetzung für maximale Kontrolle und Spin. Dabei kommt es auf folgende Punkte an:

  • Gute oder neue Wedges: Abgenutzte Schlagflächen und Grooves verringern den Spin erheblich. Ein gut erhaltenes oder neues Wedge sorgt für optimale Kontrolle.
  • Saubere Grooves: Verschmutzte oder verstopfte Rillen greifen den Ball nicht richtig und reduzieren die Spinrate. Regelmäßige Reinigung ist essenziell.
  • Saubere Schlagoberfläche: Erd- oder Grasreste können den Kontakt beeinflussen. Vor dem Schlag sollte die Schlagfläche gereinigt werden.
  • Trockene Schlagfläche: Feuchtigkeit reduziert den Reibungswiderstand und mindert den Spin. Ein kurzes Abwischen mit dem Handtuch hilft.

2. Welcher Golfball erzeugt den meisten Backspin?

Ein Premium-Ball mit weicher Urethanhülle bietet die beste Voraussetzung für maximalen Spin. Hier gilt:

  • Hochwertiger Premiumball: Tour-Bälle mit weicher Schale erzeugen deutlich mehr Spin als Distance-Bälle mit harter Hülle.
  • Ohne Beschädigung: Risse oder Kerben beeinträchtigen die Flugbahn und den Spin. Ein intakter Ball sorgt für bessere Kontrolle.
  • Nicht abgenutzt: Ein Ball, der schon viele Schläge hinter sich hat, verliert an Grip auf der Schlagfläche.
  • Trockener Ball: Feuchtigkeit zwischen Ball und Schlagfläche verringert die Reibung und damit den Spin.

3. Welche Voraussetzungen muss ein Grün erfüllen, um optimalen Spin zu ermöglichen?

Auch das Zielgebiet spielt eine entscheidende Rolle. Ideale Bedingungen für hohen Spin sind:

  • Kurzes Gras: Auf gepflegten, kurz gemähten Grüns bleibt der Ball besser liegen.
  • Schnelle, weiche Oberfläche: Ein zu hartes Grün lässt den Ball weit ausrollen, ein weiches Grün nimmt den Spin besser auf.
  • Keine Bergablage in der Landezone: Ein abwärts geneigtes Zielgebiet minimiert den Stopp-Effekt und lässt den Ball weiter ausrollen.

4. Die Technik – Wie schlägt man einen Ball für optimalen Backspin?

Neben der Ausrüstung und dem Untergrund ist die Technik der Schlüssel zum Erfolg. Folgende Punkte helfen, um mehr Spin zu erzeugen:

  • Balllage im Set-up leicht rechts von der Mitte: Dies erleichtert den optimalen Treffpunkt.
  • Gewicht mehr auf dem linken Fuß: Ein stabiler Stand sorgt für einen sauberen Ballkontakt.
  • Hände befinden sich eher bei der Innenseite des linken Oberschenkels: Diese Position unterstützt den richtigen Schlagwinkel.
  • Flacherer Schwungradius beim Schlag: Ein zu steiler Winkel reduziert den Spin.
  • Schlägerkopf über das Gras bürsten: Ein sanfter, aber schneller Durchschwung verbessert die Ballkontrolle.
  • Genügend Schlägerkopfgeschwindigkeit: Eine hohe Geschwindigkeit sorgt für maximalen Reibungseffekt und mehr Spin.
  • Ball mit den unteren Grooves treffen: So wird der optimale Kontakt zwischen Ball und Schlagfläche erreicht.

5. Die Umgebung – Welche äußeren Faktoren beeinflussen den Backspin?

Neben Technik und Equipment beeinflussen auch die Platzbedingungen den Spin. Ideale Voraussetzungen sind:

  • Trockenes Gras: Nasses Gras nimmt dem Schlag Energie und reduziert den Spin.
  • Kurzes Fairway: Eine saubere Balllage auf dem kurz gemähten Fairway verbessert den Kontakt.
  • Kein Rückenwind: Rückenwind verringert die Spinrate und lässt den Ball weniger schnell stoppen.

Maximaler Spin ist kein Zufall – er entsteht durch eine Kombination aus passendem Equipment, optimalen Platzbedingungen und der richtigen Schlagtechnik. Wer diese Faktoren beachtet, hat die besten Chancen, den Ball kontrolliert stoppen zu lassen und sein kurzes Spiel zu verbessern.

Was ist eigentlich Spin und Spin Loft?

Um einen Ball möglichst zügig nach der Landung zum Halten zu bringen, bedarf es an Spin. Es gibt zwei Arten, den Ball zur Ruhe kommen zu lassen. Die eine ist, wenn der Landewinkel auf dem Grün so steil ist, dass der Ball nicht vorwärts rollen kann. Und die andere Variante ist die, dass der Ball flach fliegen darf, aber durch Drall sehr schnell zur Ruhe kommt.

Annäherungsschlag mit Spin
Der Spinner-Impact: Stimmt die Ausgangssituation – ideale Balllage, weicher Ball, saubere Grooves – steht einer Annäherung mit Spin nichts im Wege. Wichtig: der 45 Grad Spin-Loft.

»Die wissenschaftliche Erklärung für das Zustandekommen von Spin nennt sich Spin-Loft«, erklärt Leadbetter-Coach Paul Dyer. Beim Spin-Loft geht es um den Eintreffwinkel des Schlägers und den dynamischen Loft im Treffmoment. Die Spin-Loft-Formel lautet: Je größer der Unterschied zwischen Eintreffwinkel und dynamischen Loft ist, desto mehr Spin-Loft hat man. Ein Rechenbeispiel: Man hat einen dynamischen Loft von 40° und schlägt 5° runter auf den Ball, dann hat man einen Spin-Loft von 45°.

»Mehr ist aber nicht immer besser.« Wenn der Spin-Loft genau 45° beträgt, ergibt das die perfekte Backspin-Menge. Mit dieser Information lautet das selbsternannte Ziel, einen Spin-Loft von 45° im Moment des Treffens zu erzeugen. Die Reibung ist übrigens der Grund, warum ein höherer Spin-Loft nichts bringt.

Die verarbeitete, raue Schlagfläche des Wedges greift im Treffmoment gegen die weiche Schale des Balls. Dabei entsteht Reibung. Würde man noch steiler auf den Ball mit immer mehr Loft schlagen, würde das zwar einen höheren Spin-Loft erzeugen, aber dann gäbe es keine Reibung mehr. Das Ergebnis wäre weniger Back-Spin.

Mehr zu dynamischem Loft und Eintreffwinkel.

Welche Übungen gibt es für mehr Backspin?

Um den Backspin zu trainieren, empfehlen sich zwei Übungen:

  1. Bürsten: Zur Übung des Boden-Bürstens gehen Sie am besten an eine Stelle mit möglichst tief gemähtem Gras und versuchen, weder Gras noch Divots herauszuschlagen.
  2. Flacher Abflugwinkel: Um einen flachen Abflugwinkel zu üben, benötigen Sie einen Alignment-Stick oder Regenschirm (beide Utensilien haben eine ungefähre Länge von einem Meter). Markieren Sie Ihren Abschlagsbereich mit einem Tee oder Ballkorb und gehen zwei Meter in Schlagrichtung zum Ziel. Dort stecken Sie den Stick oder Schirm seitlich der geplanten Fluglinie vertikal in den Boden. Achtung: Das Treffen des Regenschirms könnte gefährlich sein, also platzieren Sie ihn unbedingt seitlich. Es geht hier nur um die Visualisierung der Höhe. Ziel der Übung: Die geschlagenen Bälle auf der Höhe des Alignment-Sticks/Schirms starten zu lassen. Das entspricht einem Abflugwinkel von circa 30° – ideal für den Spinner.
Das Gras bürsten
Das Gras bürsten

Fazit

Die Spinkontrolle ist eine der technisch anspruchsvollsten Variablen im Golfsport und von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig. Für fortgeschrittene Spieler, die ihre Variabilität rund um das Grün sowie bei Schlägen ins Grün erhöhen möchten, lohnt es sich, einen Blick auf die technischen Voraussetzungen für Backspin zu werfen und Übungen wie die oben beschriebenen durchzuführen. Für Anfänger hingegen gilt es, sich auf die Grundlagen des Schwungs zu konzentrieren – denn auch mit ihnen lassen sich 18 Bahnen erfolgreich bewältigen. Der Backspin sollte erst dann in den Fokus rücken, wenn Grüns regelmäßig getroffen werden. Bis dahin gilt: Genießen Sie es, wenn Ihnen ab und an ein Ball wieder entgegenrollt.

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