Im April heißt es Jahr für Jahr: »It’s Masters Week«. Für Golf-Enthusiasten steht der Monat damit ganz im Zeichen des im Augusta National Golf Club ausgetragenen »The Masters«. Das erste Major des Jahres wird 2026 zum 90. Mal gespielt und ist damit das jüngste der vier Major-Turniere. Gleichzeitig gilt das Masters als das traditionsreichste Major – vielleicht sogar mehr als jedes andere. Es ist das einzige Major, das seit seiner Premiere stets auf demselben Platz ausgetragen wurde: im Augusta National.
1. Kann ich Tickets für das Masters kaufen?
Eintrittskarten für das Masters lassen sich nicht einfach kaufen – der Zugang erfolgt ausschließlich über eine Lotterie, und die Gewinnchancen sind äußerst gering. Viele Familien verfügen über Turnier- oder Serienausweise, die jedoch nur an Personen vergeben werden, die auf einer feststehenden Warteliste geführt werden – und diese ist seit Jahren geschlossen.
Laut Augusta National darf ein solcher »Badge« nach dem Tod des Inhabers ausschließlich auf den überlebenden Ehepartner übertragen werden, nicht jedoch auf andere Familienmitglieder. Selbst ein Einsatz als Volunteer vor Ort ist schwer zu bekommen. Peter, ein Nachbar, der nur vier Kilometer vom Augusta National entfernt aufgewachsen ist, bewarb sich 17 Jahre in Folge als Volunteer. Erst 2023 erhielt er erstmals eine Zusage – und war entsprechend überglücklich.
2. Wie werden Zuschauer beim Masters genannt?
Beim Masters spricht man nicht von Fans – sondern von Patrons. Das englische Wort »patron« lässt sich mit Kunde, Gast oder auch Mäzen übersetzen. Entsprechend gilt: Der Kunde ist König. Und genau dieses Selbstverständnis bekommen alle Patrons zu spüren, sobald sie die Tore des Augusta National passiert haben. Allerdings ist dieser Status an klare Regeln gebunden.
3. Darf ich beim Masters telefonieren oder fotografieren?
Nein! Auch Journalisten dürfen selbst an den Trainingstagen kein Handy mit auf das Gelände bringen – im Zeitalter der sozialen Medien ist das durchaus anspruchsvoll. Die Regel hat jedoch ihre Vorteile: Der Blick wird nicht von hochgehaltenen Handykameras verstellt. Die volle Aufmerksamkeit gilt den Spielern, da keine flackernden Displays ablenken. Wer gegen diese Vorgabe verstößt, wird vom Gelände eskortiert und dauerhaft ausgeschlossen. Für notwendige Anrufe stehen den Patrons Telefonstationen zur Verfügung.
4. Ist der Augusta National hügelig?
Sie haben schon viele Masters-Turniere am Bildschirm verfolgt und gehört, dass das Gelände des Augusta National Golf Club hügelig sei? Wirklich nachvollziehen kann man es erst vor Ort.
Der Platz ist außergewöhnlich hügelig, und sowohl Fairways als auch Grüns sind stark onduliert. Der Höhenunterschied zwischen dem höchsten und dem tiefsten Punkt beträgt 54 Meter. Immer wieder müssen die Spieler aus unebenen Lagen schlagen. Für Zuschauer empfiehlt es sich, bequeme Golfschuhe oder noch besser Turnschuhe zu tragen.
5. Grüne Klappstühle
Statt großer, sperriger Tribünen dominieren beim Masters im Augusta National Golf Club grüne Klappstühle das Bild. Einen solchen Masters-Stuhl kann man im Souvenirladen für etwa 35 Dollar kaufen – kompakt gefaltet auch ein ideales Souvenir für das nächste BBQ im eigenen Garten. Die Stühle dürfen fast überall aufgestellt werden und verschwinden nicht einfach. Eine individuelle Markierung oder Visitenkarte an der Lehne zeigt an, wem der Stuhl gehört. Niemand würde es wagen, ihn umzusetzen oder gar mitzunehmen.
6. Ist das Masters eine markenfreie Zone?
Fast! Die einzige Marke, die man findet, ist das Masters selbst. Coca-Cola, Sprite, Pepsi oder andere bekannte Getränke sucht man vergeblich. Namensmarken sind strikt tabu. Keine Sorge: Es gibt passende Alternativen, und die stets zuvorkommenden Verkäuferinnen und Verkäufer versichern einem gerne: »Diese Cola schmeckt genau so, als käme sie frisch aus dem heimischen Kühlschrank.«
7. Wie ist das Masters-Logo gestalltet?
Das Logo des Augusta National Golf Club (ANGC) entspricht der Form der USA. An der geografischen Stelle des Bundesstaates Georgia, dem Austragungsort des Masters, ist die Flagge platziert. Funktionierende Marken und Logos werden in der Regel nicht geändert – genau wie das Logo des Masters beziehungsweise das Clublogo des Augusta National Golf Club.
8. Wie wertvoll ist das Masters-Logo?
Es gibt wohl zwei wesentliche Gründe, warum das Logo des Augusta National Golf Club zu den wertvollsten Logos im Golfsport zählt. Erstens: Es ist überall präsent. Man findet es in Form von Blumen am Kreisverkehr am Eingang des Clubs, auf dem hölzernen Interview-Podium und an zahlreichen weiteren Stellen – etwa auf Trinkbechern, Flaschen, Zuckertütchen oder Verpackungen. Zweitens schützt der Augusta National sein Logo wie einen kostbaren Schatz. Der Club verschickte Unterlassungserklärungen an Bekleidungsfirmen, andere Golfplätze und sogar an eine Gruppe englischer Golfer, die jeden Dezember um ihre eigene grüne Jacke spielten.
9. Was gibt es an Masters-Merchandise?
Da Becher, Ballmarker, Caps, Polos, Pullis und Co. mit Masters-Logo ausschließlich beim Masters im Augusta National erhältlich sind, ist die Merchandise-Ware heiß begehrt. Kaufwillige stellen sich oft eine Stunde oder länger an und geben beträchtliche Summen aus. Besonders beliebt sind Hüte und die etwas kitschigen Masters-Zwerge. Da es 2023 beim Turnier etwas kühler war, waren die grün-weißen Wollmützen bereits am Montag ausverkauft. Nicht selten kauft ein einzelner Patron Merchandise im Wert von über 10.000 US-Dollar.
10. Was ist das berühmte Masters-Sandwich?
Das begehrte Sandwich heißt Pimento & Cheese und ist in grünes Plastikpapier gewickelt – selbstverständlich mit Masters-Logo. Zwar ist es äußerst schwierig, das Masters überhaupt zu besuchen, doch wer es aufs Gelände geschafft hat, findet die Verpflegung überraschend günstig. Ein Pimento & Cheese Sandwich kostet 1,50 US-Dollar und besteht aus zwei zusammengeklappten Toastbrotscheiben, Pimentkäse und Eiersalat. Übrigens: Die Verpackung ist grün, damit sie – sollte sie einmal auf dem Turniergelände liegen bleiben – im Fernsehen nicht auffällt.
11. Getränkebecher für Sparfüchse
Die Plastikbecher mit Masters-Logo sind ebenfalls sehr begehrt. Für 2 US-Dollar gibt es Limonade, für 4 US-Dollar ein einheimisches Bier – und der Becher selbst ist ein ideales Souvenir.
12. Picobello sauber und ordentlich
Beim Masters sieht alles tadellos aus. TV-Kabel werden geschickt durch grüne Tüten verborgen, und trotz der großen Menschenmengen sind die Toiletten gepflegt und sauber – keine Dixie-Klos! Mindestens fünf Mitarbeiter pro Häuschen sorgen dafür, dass alles tipptopp bleibt. Außerdem kann es jederzeit passieren, dass man überschwänglich mit den Worten »Welcome to the Masters« begrüßt wird.
13. Welche Pflanzen und Bäume gibt es auf dem Augusta National?
Zum Clubhaus des Augusta National führt die berühmte Magnolia Lane. Auch auf dem Turniergelände spielt die Pflanzenwelt eine zentrale Rolle: Der Augusta National liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Indigoplantage und späteren Baumschule. In Erinnerung daran ist jede Bahn nach einem besonderen Baum benannt – zum Beispiel Bahn 1: Tea Olive, Bahn 5: Magnolie, Bahn 13: Azalee und Bahn 16: Redbud.
14. Gibt es beim Masters einen Dresscode?
Eine offizielle Kleiderordnung, die Jeans verbietet, gibt es nicht. Dennoch sieht man auf dem Masters-Gelände kaum welche. 2023 lockerten lediglich einige Zuschauerinnen ihre Sommergarderobe mit einer Jeansjacke auf. Wie bei den meisten Golfturnieren sind die Patrons überwiegend in klassischer Golfkleidung unterwegs – falls doch einmal ein Ersatzspieler gebraucht wird.
15. Was ist der Par-3-Wettbewerb?
Der Par-3-Wettbewerb des Masters findet am Mittwoch vor dem Hauptturnier statt und ist besonders beliebt. Hier trifft man Ehefrauen, Freundinnen, Kinder und Enkelkinder sowie Nichten und Neffen der Spieler, die alle gern als Caddies aushelfen und manchmal sogar den Putter für ihren Profi schwingen dürfen.
16. Warum tragen die Caddies beim Masters weiße Overalls?
Ausschließlich beim Masters tragen die Caddies aller Spieler weiße Overalls – eine Tradition, die bis in die späten 1940er Jahre zurückreicht. In den Anfangsjahren wurden die Caddie-Dienste ausschließlich von afroamerikanischen Männern aus der Region übernommen, was der damals im Süden der USA geltenden Rassentrennung geschuldet war. Die Clubführung entschied, die Caddies einheitlich in weißen Overalls auszustatten – ein Erscheinungsbild, das bis heute beibehalten wird.
Mehr zur Geschichte der afroamerikanischen Caddies.
Bis in die 1970er Jahre stellte Augusta allen Golfern einen Caddie – eigene Caddies waren nicht erlaubt. 1983 änderte sich dies, doch die Mitglieder bestanden darauf, dass die Caddies weiterhin Anzüge trugen, um der Tradition gerecht zu werden.
16. Gibt es Fotografen beim Masters?
Im Gegensatz zu anderen Turnieren, bei denen Medienvertreter und Fotografen stets »inside the ropes« arbeiten dürfen, ist das beim Masters nicht der Fall. Fotografen müssen daher besonders kreativ und schnell sein, um sich rechtzeitig einen guten Platz zu sichern – gleiche Regeln für alle, denn hier gilt: Der Patron ist König.
17. Wie sieht der Medienbereich beim Masters aus?
Bei allen professionellen Golfturnieren gibt es einen Medienbereich – meist gut ausgestattet mit Kantine, Kaffeemaschine, Snack-Bar, Toiletten und mehr. Nur so kann schnell und effizient vor Ort berichtet werden.
Der Medienbereich im Augusta National spielt jedoch in einer eigenen Liga. In einem hörsaalartigen Auditorium sitzen die internationalen Journalisten stufenförmig mit Blick auf die Driving Range. XXL-Bildschirme zeigen, wo sich welche Professionals befinden, und über Lautsprecher wird angekündigt, wer als Nächstes für Interviews bereitsteht. Im Gebäude wird fleißig gearbeitet – und damit sind nicht nur die Journalisten gemeint: Überall wird geputzt, gefegt, gestaubsaugt und aufgeräumt. So präsentiert sich die heile Welt des Masters im Augusta National – nur Fotos davon gibt es nicht, denn das ist strengstens verboten.
18. Wie lange ist der Augusta National GC beim Masters?
Werfen wir einen Blick auf die Scorkarte des Augusta National GC während des Masters und die Längenangaben in Yards (stand 2023):
- Bahn #1, Tea Olive, Par 4, 445 Yards
- Bahn #2, Pink Dogwood, Par 5, 575 Yards
- Bahn #3, Flowering Peach, Par 4, 350 Yards
- Bahn #4, Flowering Crab Apple, Par 3, 240 Yards
- Bahn #5, Magnolia, Par 4, 495 Yards
- Bahn #6, Juniper, Par 3, 180 Yards
- Bahn #7, Pampas, Par 4, 450 Yards
- Bahn #8, Yellow Jasmine, Par 5, 570 Yards
- Bahn #9, Carolina Cherry, Par 4, 460 Yards
- Bahn #10, Camellia, Par 4, 495 Yards
- Bahn #11, White Dogwood, Par 4, 520 Yards
- Bahn #12, Golden Bell, Par 3, 155 Yards
- Bahn #13, Azalea, Par 5, 545 Yards
- Bahn #14, Chinese Fir, Par 4, 440 Yards
- Bahn #15, Firethorn, Par 5, 550 Yards
- Bahn #16, Redbud, Par 3, 170 Yards
- Bahn #17, Nandina, Par 4, 440 Yards
- Bahn #18, Holly, Par 4, 465 Yards
Was auffällt? Alle Bahnen enden auf den Zahlen 5 oder 0. Perfektes Management und Design in einer perfekten Welt. Hier im Augusta National GC läuft eben alles nach Plan – krumme Zahlen gibt es hier nicht.
19. Wie sieht die Masters-Trophäe aus?
Neben dem begehrten »Green Jacket«, das der Titelverteidiger dem neuen Champion überstreift, wird beim Masters auch ein Silberpokal verliehen. Die Trophäe ist eine detailgetreue Nachbildung des Clubhauses des Augusta National Golf Club. Erstmals vergeben wurde sie 1961; sie besteht aus rund 900 einzelnen Silberteilen.
20. Welche sind die Zutaten für einen Masters-Sieg?
Um das begehrteste aller Majors zu gewinnen, sollte man in erster Linie gut driven können – da sind sich die Professionals wie Jordan Spieth, Justin Thomas, Rory McIlroy und Scottie Scheffler allesamt einig. »Im Augusta National geht es vor allem darum, Grüns in regulation zu treffen und den Ball in der Nähe der Fahne zu platzieren«, sagt beispielsweise Rory McIlroy. Was sonst noch Zutaten für einen Sieg sein könnten, erfahren Sie hier.
Zur offiziellen Masters-Website gehts hier.
