Links vs. Parkland Teil 3: Rettung aus dem Rough!

146th Open Championship – Second Round

Rettung aus dem Rough

Abseits der Fairways haben Golfplätze weltweit einen Nenner: ungemähtes Terrain und Rough. Stefan Quirmbach, Präsident der PGA of Germany begibt sich extra für Sie auf golferische Abwege und zeigt, wie der Weg aus dem teils dichten, strubbeligen und hohen Gras perfekt funktionieren kann.

Ganz gleich, wie sehr sich die weltweit 40.000 Golfplätze vom Course-Desing her unterscheiden – abseits der Ideallinie lauern auf Links- und Parkland-Plätzen gleichermaßen Gefahren. Hohes borstiges oder auch mal dicht gewachsenes Rough kann bei fehlerhafter Spielentscheidung nicht nur die Runde erschweren, sondern auch gerne mal den Score ruinieren. Allerdings unterscheiden sich die Rough-Gattungen ja nach Platzarchitektur ungemein und erfordern dementsprechend unterschiedliche Herangehensweisen. Die meisten deutschen Golfer sind es gewohnt, auf Parkland-ähnlichen Plätzen zu spielen. Auf einem klassischen Links-Course hingegen kommen nicht nur die Elemente Wind und bei schlechtem Wetter auch mal Regen deutlicher zu tragen, sondern das Rough unterscheidet sich erheblich vom herkömmlichen Rough-Streifen auf Parkland-Anlagen. Doch wer die passende Schlagtechnik beherrscht und ausreichend gegen die Elemente Wind und Regen geschützt ist, wird auf einem Links-Course ein tolles und abwechslungsreiches Golferlebnis haben.

Im dritten Teil unserer Golf Magazin-Trainingsserie »Links vs. Parkland Course« wollen wir Ihnen weiterhin die Unterschiede dieser beiden Designtypen aufzeigen. Stöbern Sie dazu auch durch die beiden Mini-Golf-Lexika zu Links- und Parkland-Golf. Zudem weisen wir in jedem Teil dieser Serie auf jeweils einen fabulösen Golfschlag hin, der Golfgeschichte schrieb – und die wegen des jeweiligen Course-Designs eben genau so ausgeführt werden mussten. Außerdem verrate ich Ihnen im Verlauf der gesamten Trainingsserie meine Top 12 der jeweils »besten« Links- und Parkland-Plätze – vielleicht haben Sie ja schon den ein oder anderen gespielt? In dieser sechsteiligen Serie arbeiten wir uns vom Tee bis zum Grün. Nach dem Fairway-Schlag in der Mai-Ausgabe folgt nun der Troubleshot aus dem Rough.

Stefan Quirmbach

60 Jahre, verheiratet mit Katharina Quirmbach, 2 Töchter, seit 1984 Professional der PGA of Germany, seit 2000 deren Präsident.

Im Jahre 1996 zum 5-Star-Professional der PGAs of Europe gekürt, seit 2010 Masterprofessional und Health Pro der PGA of Germany.

Informationen und Angebote unter www.stefanquirmbach.de oder telefonisch 0551-79 77 891

Der Weg aus dem Rough auf Links-Plätzen

Links-Courses sind häufig in natürlich belassenen Dünenlandschaften integriert. Diese Dünen sind mit hohem, widerspenstigen Gras bewachsen, aus dem man mitunter nur sehr schwer herausschlagen kann. Oftmals kann man sich schon glücklich schätzen, den Ball überhaupt wiedergefunden zu haben. Vor der Schlagausführung gilt sorgfältig abzuwägen, ob man den Schlag riskiert, denn wenn er nicht planmäßig gelingt, verliert man den Ball endgültig im hohen Rough. Neben der richtigen Technik ist bei der Ausführung auch Kraft notwendig, die nicht alle Spieler aufbringen können. Im Finish hängt ein großes Büschel Gras an meinem Schläger, das sich beim Schlag um den Schaft gewickelt hat. Wenn der Schläger in das Gras eindringt, greifen die langen Halme den Schaft und die Hacke des Schlägers und schließen somit die Schlagfläche. Das ist der wesentliche Grund dafür, dass der Ball bei einem Fehlschlag gar nicht in die Luft steigt und meistens deutlich weiter nach links fliegt als geplant.

Selbst mit sehr muskulösen Händen kann man das Schließen der Schlagfläche im Treffmoment nicht verhindern. Deswegen ist es notwendig, vor der Schlagausführung das Schlägerblatt um ungefähr 20 bis 30 Grad zu öffnen. Für den Schlag aus dem zornigen Gras eines Links-Course gibt es verschiedenen Herangehensweisen. Ich empfehle, den Ball etwas weiter hinten im Stand zu platzieren und den Körper etwas weiter nach links auszurichten. Nehmen Sie für diesen Schlag grundsätzlich einen Schläger mit sehr viel Loft, ansonsten haben Sie überhaupt keine Chance, sich aus dieser Misere wieder zu befreien. Zudem sollten Sie grundsätzlich den kürzesten Weg zum Fairway zurück wählen!

Bei der eigentlichen Schlagausführung muss man dem Instinkt widerstehen, den Ball mit den Händen irgendwie herausschaufeln zu wollen. Denn dann wird der Schläger viel zu früh in das Gras eindringen und der Ball erst gar nicht erreicht. Stattdessen sollte man versuchen, möglichst steil an den Ball zu schwingen, und den Schläger mit einer großzügigen Körperrotation durch das Gras zu ziehen. Die Handgelenke sollten dabei nach Möglichkeit sehr fest bleiben, dann kann der Schläger den Ball mit ausreichend viel Loft treffen und der Ball fliegt befreit aus dem Rough.

Zwei beispielhafte Links-Plätze

Carnoustie Golf Links – Championship Course

Der Carnoustie Golf Links: Championship Course.

Carnoustie liegt nicht weit von St. Andrews entfernt. Die Schluss-Löcher dieses, meines Erachtens, wohl schwersten aller Links-Plätze flößt selbst den besten Spielern der Welt bestenfalls Respekt, meist aber auch Angst ein. Das liegt vor allem an dem Barry Burn, dem gekachelten Bach, der quer über das Fairway der Bahn 18 fließt. Hier sind schon sehr viele Turniersiege sprichwörtlich versunken – so bleibt Jean van der Veldes dramatische Niederlage bei der Open Championship 1999 golfhistorisch wohl unvergessen.

Gofclub Norderney

Der GC Norderney wurde im Jahre 1927 gegründet und hat nur 9 Löcher, aber diese sind »links at it‘s best«. Der Course auf der gleichnamigen nordfriesischen Insel ist nicht so bekannt wie Budersand oder Föhr, aber er wurde vom amerikanischen Golf Magazine – im Internet auf golf.com – zu einem der 50 besten »9 Löcher-Plätze« der Welt gekürt. Von einigen Bahnen hat man wunderschöne Ausblicke in die Dünen oder zum Watt.

Historisch: Das »Burn-Gate« des Franzosen Jean van de Velde

Der Championship Course von Carnoustie Links ist bekannt für die schwierigsten Schlusslöcher aller Links-Plätze – vor allem wegen des Bachs, der sich über die letzten Bahnen schlängelt. Der Franzose Jean van der Velde erlebte bei der Open Championship 1999 dort sein persönliches Desaster und errang durch sein Versagen zweifelhaften Ruhm. Mit drei Schlägen Vorsprung ging er an den Abschlag der Bahn 18. Zum Sieg hätte wohl ein Doppelbogey gereicht, um nach 1907 die Claret Jug mal wieder nach Frankreich zu bringen.

Van de Velde verzog seinen Drive nach rechts. Anstatt einen Sicherheitsschlag zurück aufs Fairway zu machen, attackierte er mit dem zweiten Schlag das Grün. Sein Ball prallte gegen die Zuschauer-Tribüne und sprang zurück ins tiefe Rough. Auch dann wählte er nicht die Sicherheitsvariante, sondern schlug seinen Ball in den Barry Burn, aus dem er nicht spielen konnte. Am Ende spielte er ein Tripple-Bogey und verlor später die Open im Stechen gegen den Schotten Paul Lawrie.

Kleines »Links«-Lexikon:

Wassergräben

Auf echten Links-Courses gibt es keine großen Wasserhindernisse. Das liegt zum einem daran, dass sich auf einem natürlichen Links aufgrund des sandigen Untergrundes kein Wasser hält, zum anderen benötigen die Fairways keine Bewässerung. Statt großzügiger, künstlich angelegter Hindernisse gibt es auf einem echten Links – zumindest optisch – auf der einen Seite meist das Meer und dann überqueren oftmals schmale Wassergräben die Spielbahnen. Da der Ursprung des Golfsports und auch der Links-Plätze in Schottland liegt, sind es sognannte »wee burns« – zu Deutsch: »kleine Bächlein«. Im »home of golf« St. Andrews ist es der Swilken Burn über den die legendäre Swilken Bridge an der 18 gebaut wurde, in Carnoustie wurde der Barry Burn mit Ziegelsteinen befestigt und stellt trotz seiner nicht allzu ausladenden Breite oftmals ein furchterregendes Hindernis dar.

Festuca Rubra

Die vorherrschende Grassorte auf den Links-Courses ist Festuca Rubra, den Botanikern auch als Rotschwingel bekannt. Diese Grassorte zeichnet sich durch sehr dünne Halme aus, benötigt nur sehr wenig Wasser und auch nicht allzu viele Nähstoffe aus dem Boden. Zudem lässt sich diese Grassorte relativ gut kurz mähen. Festuca Rubra ist die natürliche Grassorte in den Links und zudem bestens geeignet für harte, kurzgeschorene Fairways und Grüns. Diese Grassorte hat eine hohen Einfluss darauf, wie in den Links Golf gespielt wird. Auf den Links-Plätzen rollt der Ball meist sehr lange aus. Die harten Grüns nehmen den Backspinn nicht so gut an. Daher muss die Spieltaktik dem Untergrund angepasst werden.

Der Weg aus dem Rough auf Parkland-Plätzen

Auf gut gepflegten Parkland-Plätzen gibt es eigentlich kein »echtes« Rough. Meistens handelt es sich um ein 2 bis 3 Zentimeter hohes Semi-Rough, das aber dennoch seine Tücken hat. Vor dem Schlag gilt es, die Balllage sorgfältig zu checken – von der hängen nämlich im Wesentlichen die Schlägerwahl und die Art der Schlagausführung ab. Im meist dicht gewachsenen Semi-Rough einer Parkland-Anlage kann der Ball entweder oben auf liegen, bis zur Hälfte eingesunken sein oder tatsächlich tief im Gras sitzen. Zudem ist es wichtig, zu schauen ob das Gras in Schlagrichtung oder entgegengesetzt wächst. Letzteres kann sich sehr negativen auf die Schlaglänge auswirken. Aus dem Semi-Rough sind hinsichtlich der Schlägerwahl Hybrids bestens geeignet. Ein Hybrid rutscht gut durch das Gras und der tiefere Schwerpunkt hilft, den Ball schneller in die Luft zu befördern.

Liegt der Ball oben auf, müssen Sie versuchen, die Sohle des Schlägers über den Boden gleiten zu lassen. Stellen Sie sich vor, der Ball läge auf einem 10-Euro-Schein. Der Schlägerkopf sollte die gesamte Länge des Scheines auf Höhe des Balles entlang rutschen. Dann trifft auch der gesamte Loft des Schlägers den Ball und befördert ihn zu einem hohen Abflug. Dazu hilft es, im Treffmoment den Kopf – ich denke dabei an mein Kinn – besonders still zu halten und nicht etwa im Schlag abzutauchen. Bei diesem Schlag sollte schneller als sonst mit den Armen und Händen geschlagen werden (Bild 5).

Ausdruck dieser Schwungidee ist ein hohes Finish mit einem weit durchgeschwungenen Schlägerkopf. Der Körper bleibt hinter der vorderen Ferse zurück und streckt sich eher nach oben (Foto 6). Erst wenn der Ball zur Hälfte im Gras sitzt, müssen Sie die Strategie ändern – den Ball etwas zurück legen und steiler zum Ball schwingen. Daraus ergibt sich ein Finish, bei dem der Körper eher über dem vorderen Bein endet.

Zwei beispielhafte Parkland-Plätze

Winged Foot Golf Club – West Course

Dieser typische Parkland-Course gilt als einer der schwierigsten Plätze in den USA, vor allem wenn er auf US-Open-Niveau getrimmt wird, wie zuletzt 2020. Dann ist das Rough über 10 Zentimeter hoch und die Fairways sind im Durchschnitt ungefähr 22 Meter breit. Vergangenes Jahr spielte der US-Open-Sieger Bryson DeChambeau 6 unter Par, gewann mit sechs Schlägen Vorsprung und traf dabei nur 54 Prozent der Fairways. Jack Nicklaus bewertete übrigens den Schwierigkeitsgrad des Platzes auf einer Skala von 1 bis 10 mit einer 12. Eine weitere Besonderheit ist, dass der zweite Platz des Winged Foot Golf Club, der East Course, ebenfalls unter den 100 besten Plätzen der Welt in der Liste von Golf Digest aufgeführt wird.

St. Eurach

Dieser großartige Meisterschaftsplatz liegt in einer Moorlandschaft und bietet ein atemberaubendes Alpenpanorama, das nicht nur vom Platz aus, sondern auch von der Clubhausterrasse bestens bewundert werden kann. Auf ihm wurde die BMW International von 1994 bis 1996 dreimal ausgespielt. Bei der letzten Austragung spielte der Schwede Jarmo Sandelin den bis heute gültigen Platzrekord von 63 Schlägen. St. Eurach wurde von unseren Golf Magazin-Lesern zur Verleihung des Deutschen Golf Awards auf Platz 24 im Jahr 2020 gewählt.

Historisch: Bernhard Langer – Man in the tree

1981 spielte Bernhard Langer mit der Benson & Hedges International Open ein Event der European Tour im Fulford Golf Club. An der 17 verzog er nach einem guten Abschlag sein Eisen 9 nach links Richtung einer großen Eiche, auf der der Ball zur großen Verblüffung aller Zuschauer liegen blieb. Statt einen Strafschlag zu nehmen, kletterte Langer auf den Baum und chippte den Ball aufs Grün. Dieser Schlag trug ebenso wie sein exzellentes Golf zur weltweiten Bekanntheit von Bernhard Langer bei.

Kleines »Parkland«-Lexikon:

Semi-Rough

Parkland-Courses gelten als gut spielbar. Daher ist die Höhe des Semi-Roughs so gewählt, dass man den Ball gut finden und ihn mit einem Eisen oder Hyprid gut spielen kann. Jedes Fairway und vor allem auch die Grüns sind von einem Semi-Rough-Streifen begrenzt beziehungsweise umgeben. Das verhindert das Wegrollen der Bälle in schlechtere Lagen.

Hard-Rough

Auf den meisten Parkland-Courses wird das für Links-Plätze so typische Hard-Rough weggepflegt. Die Rough-Höhe ist moderat. Unter den Bäumen und Büschen wird in der Regel alles weggeschnitten und auch in kleineren Wäldchen und Baumgruppen ist der Boden unterhalb der Bäume aufgeräumt, so dass Bälle üblicherweise wiedergefunden werden und vor allem auch gut spielbar liegen.