Ehrenstarter beim Masters 2010: Jack Nicklaus

Jack Nicklaus

Land
Vereinigte Staaten
Geburtsdatum
21.01.1940
Körpergröße
1,80 cm
Körpergewicht
86 Kg
Profi seit
1961
Website

Amerikaner lieben Statistiken, mit denen sie im Sport so gut wie jedes Detail analysieren. Oft ist die Aussagekraft der Daten einfach nur belanglos, im Fall von Jack Nicklaus gibt es aber eine Ausnahme. Sie sind ein Beweis dafür, dass es sich bei dem Amerikaner ohne jeden Zweifel um den besten Golfspieler aller Zeiten handelt.

Nicklaus, der sich früh den Spitznamen „golden bear“ („der goldene Bär“) verdiente, gewann in seiner Karriere seit 1961 jedes der vier Major-Turniere mindestens einmal. Der Karriere-Grand-Slam zeichnetden „Golfer des zurückliegenden Jahrhunderts“ aber nicht allein aus. Insgesamt holte er bei den vier wichtigsten Turnieren im Profigolf 18 Titel – und er wurde weitere 20 Mal Zweiter bei den Major-Turnieren. Eine einzigartige Bilanz.  Jack Nicklaus hat es in seiner sportlichen Karriere geschafft, fast über drei Jahrzehnte zu dominieren. Er schlug den Ball weiter als die meisten seiner Konkurrenten, und er war auf den Grüns ebenso zielsicher und nervenstark. Als er seine aktive Karriere beendete, verneigte sich die Golfwelt einmütig und voller Ehrfurcht vor ihm. Die Briten waren sogar bereit, die Abfolge des Austragungsortes ihrer Open zu ändern. Nicklaus trat 2005 zum letzten Mal an, und welcher Platz hätte sich bessergeeignet für den Abschied des größten Spielers aller Zeiten als der Old Course in St. Andrews? Keiner!

Ein Putt und ein Foto für die Ewigkeit: Jack Nicklaus hat in Augusta gelocht, reißt vor Freude den Arm hoch.

So konnte sich der goldene Bär am Ende noch einmal auf die berühmte Swilcan Bridge stellen und mit erhobener rechter Hand der Golfwelt zuwinken. Dass Nicklaus bei diesem Turnier nicht mehr den Cut schaffte, spielte keine Rolle. Er trat würdevoll ab, obwohl die Veranstalter der großen Turniere Nicklaus sicher noch ein paar Jahre hätten weiterspielen lassen. Denn schon damals war er eine lebende Legende, deren Titelsammlung sogar für Tiger Woods die Zielmarke darstellte. Woods selbst hat einmal davon erzählt, dass er sich die Abfolge der Major-Siege von Jack Nicklaus als Kind über sein Bett gehängt hatte. Die 18 großen Titel seines Landsmanns wollte er übertreffen – und hat es bis heute nicht geschafft. Nicklaus hat als Profigolfer viele Rekorde aufgestellt; zu den bemerkenswertesten zählt, dass er bis heute der älteste Gewinner des US Masters ist. Ausgerechnet in Augusta, wo der Platz hügelig ist, besondere Fitness erfordert und zudem Spieler bevorzugt, deren Lieblingsschlag der Draw ist (ein Abschlag mit einer von rechts nach links verlaufenden Flugbahn), konnte Nicklaus, der mit dem Power-Fade die entgegengesetzte Kurve liebte, im Alter von 46 nochmal siegen. Zum sechsten Mal!Weitere zwölf Jahre später hätte er um ein Haar die Uhr sogar noch einmal zurückdrehen können. Der schon etwas füllig gewordene Golfer aus Ohio konnte bis zum Schluss Tuchfühlung zur Spitze halten, was bei dem traditionsbewussten Publikum in Augusta eine Euphorie auslöste, die zu einem unvorstellbaren Lärm führte. Der 58-Jährige wurde von einer Woge der Sympathie über den Kurs getragen und wie ein Popstar gefeiert. Das Sicherheitspersonal geriet ins Schwitzen. Als der Südafrikaner Ernie Els vom 14. Grün zum 15. Abschlag lief, wurde ihm das Geschehen langsam unheimlich. „Was ist hier eigentlich los“, fragte er einen der ihn begleitenden Zuschauer. Nicklaus war „los“.   Dessen Leistung wirkte auf viele, meist in die Jahre gekommenen Besucher, wie eine Droge. Er war der lebende Beweis,dass man als Golfer auch im fortgeschrittenen Alter noch faszinierende Leistungen erreichen kann. Gelang Nicklaus ein Birdie, war der Jubelüber die gesamte Anlage an der Washington Road zu hören. Es war wie ein Torschrei im Wembleystadion. Nicklaus wurde nach 72 Löchern Sechster. Aber das spielte fast schon keine Rolle mehr.

Das glorreiche Ende einer großen Karriere hatte sich zu Beginn seiner ersten Jahre als Profigolfer nicht unbedingt abgezeichnet. Nicklaus hatte zwar zweimal die US-Amateurmeisterschaften gewonnen, aber er war anfangs alles andere als gefragt. Er war ein Emporkömmling, der dem beliebten Arnold Palmer die Show stahl.

Im Gleichschritt: Der 25-jährige Nicklaus (links) mit Arnold Palmer bei der Open 1965 in Birkdale.

Da der junge Nicklaus zu jener Zeit erkennbar zu dick war, erhielt er schnell den Spitznamen „Fat Jack“ oder „Ohio Fats“, der Dicke aus Ohio. Nicklaus konnte dieses Image aber schnell abschütteln. Er war erfolgreich, lächelte unter seinen goldblonden Haaren gern und oft seine Fans an, und er fiel nie in seinem Leben durch Eskapaden auf. Seiner Frau Barbara versprach er gleich zu Beginn seiner Karriere, sie nie länger als drei Wochen allein zu lassen. Nicklaus hielt sich daran und ist bis heute glücklich mit seiner Barbara verheiratet. Im Profisport, in dem erfolgreiche Protagonisten schnell zu Millionären aufsteigen und übermütig werden, ist das eine Seltenheit.  Jack Nicklaus ist bodenständig geblieben. Dass er als Einziger Profi neben Bernhard Langer alle Majors auf der Champions Tour gewonnen hat, ist nur eine Randnotiz. Er baut heute weltweit Golfplätze. Mit dem Schläger in der Hand ist er in der Öffentlichkeit nur noch einmal im Jahr zu sehen: Als „Honorary Starter“ Des Us Masters. In Augusta. Dort, Wo Er Seine Grössten Erfolge Feierte. Und Verehrt Wird Wie Der König Der Golfer.

Prominenten-Treff beim Presidents Cup (von links): Die früheren US-Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush, Barack Obama neben Jack Nicklaus und Gary Player.

Beiträge über Jack Nicklaus