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Links vs. Parkland Teil 5: An den Stock

Alfred Dunhill Links Championship
Kurz vorm Grün ist die richtige Annäherung für einen guten Score entscheidend. Welche Schlagtechnik für bestimmte Spielsituationen empfehlenswert ist, erklärt 5-Star-Professional Stefan Quirmbach im fünften Teil unserer Trainings-Serie Links vs. Parkland.

T | Stefan Quirmbach
F | Stefan von Stengel

Zu gutem Golf gehören auch die richtigen Spielentscheidungen. In manchen Situationen ist der Lob-Shot ratsamer und in anderen greift die alte Golf-Weisheit »flach spielen und hoch gewinnen«. Viele Golfer neigen dazu, sich im Training sehr auf lange Schläge zu fokussieren. Dabei kann vor allem unmittelbar vorm Grün die Wahl des richtigen Schlägers und der angemessenen Schlagtechnik den Score entscheidend optimieren und so unnötige Zähler vermeiden.

Wie Sie auf Parkland- und Links-Plätzen am besten und möglichst elegant Richtung Fahne annähern, verrät Ihnen im fünften und vorletzten Teil unserer Trainings-Serie Stefan Quirmbach. Der Präsident der PGA of Germany zeigt Ihnen, wann ein stilvoller und hoch fliegender Pitch empfehlenswert ist und wie Sie am besten auf den harten Untergründen von Links-Plätzen vorgehen. Dazu gibt es im gesamten Teil dieser Serie ein kleines Links-/Parkland-Vokabular samt einer kurzen Vorstellung von Quirmbachs Top 12 seiner Lieblingsplätze.

Links-Courses – Bump-and-run

Der gravierendste Unterschied zwischen Links- und Parkland-Plätzen besteht spieltaktisch, wenn das Anspielen einer Fahne über einen Hügel erfolgen muss. Auf Links-Plätzen liegt der Ball meist auf hartem Untergrund; vielleicht sogar in einer kleinen Kuhle. Dann ist es fast unmöglich, mit dem vollen Loft des Schlägerblattes an den Ball zu kommen. Bei den ohnehin schon deutlich härteren Grüns würde ein unsauber getroffener Ball auch nicht auf dem Grün liegen bleiben. Daher ist in derartigen Situationen eine als sogenannter »Bump-and-run« gespielte Annäherung empfehlenswert (Foto 1). Das bedeutet, dass der Ball nicht über, sondern gegen den Hügel geschlagen werden muss. Das klingt zunächst herausfordernd, ist aber einfach, wenn man erst mal das Flug-Roll-Verhalten des Balls einzuschätzen weiß. Der Ball prallt gegen den Hügel, wird im Tempo gedrosselt, landet dann mit weniger Power auf dem Grün und rollt Richtung Fahne aus. Diese Schlagausführung erfordert etwas Mut, da circa 10 Prozent zusätzliche Kraft benötigt wird, als es sonst für diese Distanz notwendig wäre.

Nehmen Sie für diesen Schlag grundsätzlich einen Schläger mit relativ wenig Loft. Ich verwende beispielsweise ein Eisen 8. Der Ball liegt leicht rechts der Mitte und meine Hände sind vor dem linken Oberschenkel. Zudem lehne ich meine Knie schon etwas in Richtung Ziel, um im Stand mehr Stabilität zu haben. Vor dem Schlag schaue ich mir noch mal genau die Stelle an, die ich am Hügel treffen möchte (Foto 2). Daraufhin antizipiere ich den notwendigen Schwungumfang, damit der Ball nach seinem Aufprall den Hang weiter hochrollen und dann zur Fahne auslaufen kann.

Nachdem Sie die korrekte Ansprechhaltung eingenommen haben, kommt es auf eine konsequente Schlagausführung an. Allzu oft beobachte ich bei Spielern eine eher löffelnde Bewegung, wobei der Boden zu früh getroffen und der Ball dann getoppt wird. Stattdessen gilt es, mit dem Körper angespannt und fest zu bleiben und im Schwung das Gewicht mehr auf das linke Bein zu verlagern. Die Arme schwingen durch den Ball, die Handgelenke bleiben dabei stabil. Der Schlägerkopf trifft den Ball in einer leichten Abschwungbewegung, wobei er kräftig von der Schlagfläche nach vorne springt (Foto 3).

Zwei beispielhafte Links-Plätze

Winston Links, Schwerin 

Schon mehrfach, zuletzt 2019, wurde der Winston Links zum besten Platz Deutschlands gewählt. Aktuell liegt er in der Gunst der Leser des Golf Magazins auf Platz 4 (Deutscher Golf Award 2020). Der Grund ist klar! Es ist der spektakulärste Platz Deutschlands. Nirgendwo findet man tiefere Canyons und steilere »Dünen«. Die zweiten 9 Bahnen ähneln einer grünen Mondlandschaft. Dennoch aber ist der Platz sehr fair, wenn man von den richtigen Abschlägen spielt. Zu den »true links courses« zählt er allerdings nicht, da ihm die direkte Nähe zum Meer fehlt.

Winston Links

Humewood Golf Club, Südafrika  

Dieser sensationelle Links-Course liegt an der Garden Route in der Nähe von Port Elizabeth. Neben allem was zu einem Links gehört bietet der Humewood Golf Club auch ein atemberaubendes Panorama auf den indischen Ozean, von dem der Wind auch mal heftig pfeifen kann. Hinter der Bar im Clubhaus sind alle Bälle, mit denen jemals auf einem Par 3 ein Ass geschlagen wurde, drapiert und aufgehängt. Eine schöne Studie von der Entwicklung von Golfbällen ist dort möglich, schließlich gibt es den Club bereits seit 1931.

Historisch: Die Mauer von St. Andrews 

Rechts am Grün des 17. Lochs in St. Andrews verläuft eine Mauer, die nicht als unbewegliches Hemmnis deklariert ist. Spieltaktisch gibt es zwei Optionen: Entweder wird der Ball gespielt wie er liegt oder man nimmt einen Strafschlag und droppt von der Mauer weg. In Runde drei der Open Championship 2010 war der Ball von Miguel Ángel Jiménez unmittelbar neben der Mauer zum Liegen gekommen. Ein »normaler« Schlag samt Ausholbewegung war nicht mehr möglich. Der Spanier löste das Problem raffiniert mittels einer weiteren Spieloption: Jiménez schlug den Ball gegen die Mauer, von wo der Ball zurückprallte und Richtung Grün flog. Dank seiner Kreativität konnte er so noch das Doppel-Bogey retten.

Spanish golfer Miguel Angel Jimenez play

Kleines »Links«-Lexikon 

In & Out
Auf Scorekarten von Links-Courses steht über den ersten 9 Löchern »out« und über den zweiten 9 «in« . Das liegt daran, das man auf den ursprünglichen Links-Plätzen die ersten Bahnen parallel zum Meer »out«, vom Clubhaus weg spielte und dann wieder zurück lief. Das empfand man aber als langweilig. So kam es, dass man 9 Löcher »out« und weitere 9 Löcher in die entgegengesetzte Richtung »in« spielte. Dabei wurde anfänglich auf die gleichen Grüns wie bei der »out«-Runde gespielt. Als der Gegenverkehr zu groß wurde, baute man größere Grüns auf denen zwei Fahnen gesteckt werden konnten. Deswegen gibt es sehr häufig auf Links-Courses Doppelgrüns, wie beispielsweise auf dem Old Course von St. Andrews.

Blinde Löcher
Der »Architekt« eines Links-Platzes war früher die Natur. So ergibt es sich, dass man häufiger »blinde« Schläge über Dünen ausführen muss. Manchmal ist das Grün umgeben von Dünen und man kann nicht wissen, an welcher Stelle sich die Fahne befindet. Im Golfclub Prestwick, Schauplatz der ersten Open Championship 1860, ist das fünfte Loch ein Par 3 mit dem Namen »Himalayas«, weil zwischen Abschlag und Grün ein sehr hoher Hügel liegt. Da man die Richtung zur Fahne nicht sehen konnte, legte der Greenkeeper vor jeden Abschlag in circa 20 Meter Entfernung einen Stein, der als Zwischenziel zur Fahne verwendet werden konnte. Heutzutage sind es farbige Pfosten in dem Hügel.

Parkland-Platz – Lob-Shot

Der hohe Lob-Schlag gehört bei weitem nicht zu den einfachsten Annäherungen – wenn er gelingt, sind Ihnen die bewundernden Blicke Ihrer Mitspieler garantiert. Auf Parkland-Courses sind die Voraussetzungen für diesen anspruchsvollen Pitch gegeben. Der Ball liegt seitlich des Grüns im Semi-Rough, zwischen der Fahne und dem Ball befindet sich ein höherer Hügel. Die Fahne ist relativ kurz hinterm Grünrand gesteckt, was bedeutet, dass der Ball nicht weit ausrollen kann. Da das hoch gewachsene Gras verhindern wird, dass der Ball Spin annimmt, muss ein Lob-Shot gespielt werden. Ein Lob wird gespielt, indem im Treffmoment mehr Loft an den Ball gebracht wird als der Schläger handelsüblich mit sich bringt. Dazu müssen die Handgelenke besonders aktiv eingesetzt werden (Bild 4). Dabei ist es wichtig, die Hände nicht zu früh zu aktivieren, da sonst ein getoppter Ball die Folge wäre.

Der Lob-Shot wird bereits im Set-up vorbereitet. Anstatt wie sonst bei kurzen Annäherungsschlägen üblich stehen die Füße in der Ansprechhaltung nicht schmal zusammen, sondern weiter auseinander. Die Hände befinden sich direkt über dem Ball und das Gewicht ist in der Mitte – und bleibt auch dort (Foto 5). Der Schlägerkopf kann leicht geöffnet werden. Aber Achtung: Zeigt das Schlägerblatt zu weit nach rechts, ist die Gefahr eines Sockets groß! Wenn man die Handgelenke im richtigen Moment einsetzt, dann saust die Schlagfläche durch den Treffmoment unter dem Ball durch und der fliegt besonders hoch ab (Foto 4).

Aus der Frontansicht wird ein Lob-Shot spiegelbildlich gespielt. Mit anderen Worten wird zu beiden Seiten des Balls sehr viel gewinkelt (siehe Fotos 6 und 4). Das ist notwendig, um den Schlägerkopf im Treffmoment »schnell zu machen«. Durch das bewusste Zufügen von viel Loft wird der Ball hoch abfliegen. Damit der Ball auch die notwendige Distanz fliegen kann, muss die Geschwindigkeit ebenfalls hoch sein. Dazu bleibt der Körper fest stehen und man schwingt in die »L-Position« auf. Von dort aus wird mit viel Tempo durch den Ball Richtung Ziel geschwungen. Das Gewicht wird nicht verlagert, es bleibt in der Mitte des Standes. Diesen Schlag muss man erst üben, bevor man ihn auf der Runde oder im Turnier einsetzt, aber Parkland-Plätze sind auf jeden Fall das richtige Terrain für diese Technik.

Zwei beispielhafte Parkland-Plätze

The Belfry, England 

Auf keinem anderen Platz wurde der Ryder Cup häufiger ausgetragen als auf dem Brabazon Course in »The Belfry«. Viermal wurde der Kampf der Kontinente dort ausgespielt, dreimal gewannen die Europäer (1985, 1989 und 2002). Der bekannte TV-Kommentator Peter Alliss war der erste Architekt, später hat Dave Thomas den Parkland-Platz weiter entwickelt. Besonders spektakulär sind die Bahn 10, ein kurzes Par 4, und das berühmte 18. Schlussloch mit dem fast 60 Meter langen und stark ondulierten Grün. Unvergessen sind die Jubelszenen der europäischen Ryder-Cup-Stars auf dem Dach des Belfry Hotels nach ihrem Sieg 1985, dem ersten der Europäer seit 1957. Mit im Team der Eurofighter war damals auch Bernhard Langer, der sein Einzel gegen Hal Sutton mit 5 auf 4 gewann.

Betfred British Masters hosted by Danny Willett - Day One

Golf de Morfontaine, Frankreich 

Dieser, der Golf-Öffentlichkeit relativ unbekannte, Platz wird als der schönste und beste Parkland-Platz Kontinentaleuropas gelistet. Er liegt 10 km nördlich von Paris und wurde 1927 vom Tom Simpson gestaltet, aus dessen Feder so bekannte Plätze wie der englische Royal Lytham & St. Annes und Ballybunion in Irland stammen. Kyle Philips modernisierte das ursprüngliche Design vor einigen Jahren. Es ist ein privater Golfclub, auf dem man nur in Begleitung eines Mitglieds spielen kann.

Historisch: Der weltberühmte Masters-Pitch von Tiger Woods  

Kein Schlag wurde bisher öfter im Internet angeschaut als der sensationelle Pitch von Tiger Woods beim Masters 2005 in Augusta. Als Tiger Woods an der 16. Bahn, einem Par 3 abschlug hatte er einen Schlag Vorsprung. Aber es war ein enges Match; Chris DiMarco und andere Spieler waren ihm auf den Fersen. Auf dem Par 3 stand die Fahne nahe am Wasser. Tiger Woods verzog seinen Schlag nach links. Zwar lag der Ball nicht im Wasser, aber der nächste Schlag würde aufgrund des Grüngefälles eines Herausforderung werden. Woods entschied sich für einen Pitch auf das obere Plateau links der Fahne und hoffte, dass der Ball – im 90-Grad-Winkel – den Hang hinunter zum Loch laufen würde. Tiger Woods führte diesen Pitch perfekt aus: Der Ball rollte genau vom richtigen Punkt den Hang abwärts, lief sehr langsam weiter und fiel mit der letzten Umdrehung ins Loch! Im folgenden Stechen gegen DiMarco gewann Tiger Woods sein viertes Masters-Jackett.

Tiger Woods of the US celebrates winning

Kleines »Parkland«-Lexikon 

Bäume
Zwar kommen Bäume bei einem Annäherungsschlag nahe des Grüns kaum mehr ins Spiel, dennoch sind sie ein typisches Stilmerkmal von Parkland-Anlagen. Sehr hohe Bäume trennen oftmals die Fairways voneinander. Dabei entstehen nicht selten optische Schluchten, wobei die Bäume dann vor allem bei Doglegs herausfordernde Hindernisse darstellen. Da Parkland-Courses überall auf der Welt vorkommen, gibt es keine bevorzugte Baumart. Vielmehr entsprechen die Bäume der Klimazone und den landestypischen Gewächsen.

Solitäre
Sehr häufig stehen inmitten von Bahnen auf Parkland-Plätzen hohe Bäume. Sie werden von den Golfplatzarchitekten bewusst dort stehen gelassen oder auch neu gepflanzt; meist in der Drivezone oder vor den Grüns. Der berühmteste Solitär war wohl der »Eisenhower Tree« in Augusta, der seinem Namen vom ehemaligen Präsidenten der USA erhielt, angeblich, weil er ihn so oft beim Spielen traf.

Stefan Quirmbach

Der 60-Jährige ist verheiratet mit Katharina Quirmbach und hat zwei Töchter. Seit 1984 Professional der PGA of Germany, seit 2000 deren Präsident. Im Jahre 1996 zum 5-Star-Professional der PGAs of Europe gekürt, seit 2010 Masterprofessional und Health Pro der PGA of Germany.
Informationen und Angebote unter www.stefanquirmbach.de oder telefonisch 0551-79 77 891

Stefan Quirmbach