Serie mit Stefan Quirmbach – Teil 6 – Troubleshots

Stefan Quirmbach zeigt den flachen Rettungsschlag

Manchmal liegt der Ball nicht optimal spielbar. Stefan Quirmbach zeigt Ihnen im sechsten Teil seiner Serie, wie Sie sich aus schwierigen Lagen befreien können und so immer noch einen ordentlichen Score ins Clubhaus bringen.

– mit Stefan Quirmbach

Während einer Runde müssen nicht nur verschiedene Schlagtechniken, wie kraftvoller Drive, dynamischer Treibschlag, präziser Eisenschlag, gefühlvoller Chip und treffsicherer Putt absolviert werden. Hinzu kommen Spezialschläge, die, richtig eingesetzt, auch aus vermeintlich ausweglosen Situationen noch zielführend sind.
Der 5-Star-Professional Stefan Quirmbach muss im Unterricht immer wieder erfahren, dass die Grundfesten, also die Fundamentals des Golfspiels, oftmals in Vergessenheit geraten sind. Mit dem GOLF MAGAZIN hat sich der Präsident des deutschen Golflehrerverbands deshalb überlegt, unseren Lesern anzubieten, das einst Erlernte im Rahmen verschiedener Trainingsfolgen wieder aufzufrischen.

In einer exklusiven, siebenteiligen Serie wird von der Basis des Abschlags über den cleveren Einsatz von Fairwayhölzern bis zu den Grundlagen des Chippens, Pitchens und Puttens alles erklärt.

Im vorliegenden sechsten Teil der Serie zeigt Ihnen Stefan Quirmbach, wie Sie sich aus zwei schwierigen Lagen befreien können. Es ist leider nicht allzu selten, dass man vom Fairway abkommt und im Wald liegt. Das Grün ist sichtbar, nur stören tiefhängende Äste und es ist auch nur eine schmale Baumlücke vorhanden. Aber mit der „Stinger Technik“ von Tiger Woods kommt man nicht nur wieder zurück auf die Spielbahn, sondern kann ab und an das Grün noch erreichen. Auch wenn der Ball im Bunkersand steckt, weiß Stefan Quirmbach einen sicheren Ausweg …

Flache und weite Schläge

Für Tigers Stinger sind eine extreme Körperbeherrschung und ein hohes Selbstbewusstsein notwendig. Dennoch sollte jeder etwas erfahrenere Spieler einmal versuchen, die Flughöhe seiner Schläger zu variieren. Denn das kann eine Runde essentiell und auch aus vermeintlich auswegslosen Spielsituationen die Rettung sein.

Hier finden Sie das Trainingsvideo:

Um den Ball flach zu schlagen, sind ein paar Anpassungen in der Ansprechhaltung notwendig. Der Ball muss weiter vom zum Ziel hinteren Fuß gespielt werden, also für Rechtshänder vom rechten. Stefan Quirmbach rät: „Der Körper muss mehr nach links ausgerichtet werden. Der Schläger wird kürzer gegriffen, und beim Ausholen sollten Sie den Körper fest über dem Ball halten und dann energisch auf die Rückseite des Balls schlagen.“

Tigers „Stinger“

Tiger Woods hat ihn zu einem Markenzeichen entwickelt – den „Stinger“. Dabei wurde diese Schlagvariante, die auch als „knock down“ bezeichnet wird, nicht von Woods erfunden. Nur nutzte er diesen flachen und wie ein Pfeil fliegenden Ball oft und vor allem eindrucksvoll im Verlauf seiner Karriere. Der „Stinger“ dient nicht nur als Rettungsschlag auch aus prekären Lagen, sondern ist, gekonnt ausgeführt auch bei heftigem Gegenwind hilfreich. Der Schlüssel des „knock down“, die Kontrolle über die Schlaglänge zu behalten, liegt in einem gefühlvollen Schwung und der Wahl des richtigen Schlägers – nämlich eines längeren; so wird der Backspin vermindert. Unerfahrene Spieler schlagen bei stürmischen Spielverhältnissen oftmals zu stark zu, was Backspin erzeugt. Der wiederum führt zu mehr Flughöhe, die man bei Gegenwind eben so gar nicht gebrauchen kann.

Tigers Stinger bei der U.S. Open 2012 (Foto: Jeff Gross/Getty Images)

Der „Stinger“ ist insbesondere auf Linksplätzen, wo gerne ein raues Lüftchen weht, sehr hilfreich, denn er ermöglicht die Kontrolle der Flugkurve und ist umso weniger windanfällig, je flacher er fliegt. Somit ist er nicht nur abseits des Fairways einsetzbar. Tiger Woods hat bei seinem Open-Sieg 2006 in Hoylake bei Liverpool so gut wie nie den Driver vom Abschlag gewählt, sondern brachte die Bälle fast nur mit dem „Stinger“ ins Spiel. Entweder mit einem Holz 3 oder mit einem Eisen. Offensichtlich genau die richtige Wahl!

Rettung aus dem Bunker

Landet der Ball nach einem Schlag mit einer hohen Flugkurve im Bunker, besteht die Gefahr, dass er sich einbohrt. In solch einer Situation hilft die besondere Konstruktion des Sandwedges mit dem Bounce nicht (das ist der Winkel zwischen der vorderen und hinteren Schlägersohle. Er verhindert das Eindringen der Sohle in den Sand, sodass der Schläger förmlich auf dem Sand rutscht und unter dem Ball hindurchgleitet). Die genaue Erklärung zum eingebohrten Ball im Bunker hier noch mal im Lernvideo: 

Im Gegenteil: Versucht man den Schlag mit dem Bounce zu spielen, bleibt der Ball im Bunker. Ist der Ball eingebohrt, muss die vordere Kante des Sandwedges eingesetzt werden. Diese sollte steil von oben kurz vor dem Ball in den Sand geschlagen werden und ihn so nach oben katapultieren. „Diese Technik erfordert etwas mehr Kraft und stabile Handgelenke“, weiß Stefan Quirmbach.