Stefan Quirmbach – Mehr Länge trotz höheren Alters

Stefan Quirmbach auf der Range des Golfresort Hardenberg. Deutlich zu sehen: Im Rückschwung wird die linke Ferse angehoben. (Foto: Christina Scheunemann)

Bis ins hohe Alter weite Drives schlagen, davon träumt jeder. Am liebsten möchte man verdrängen, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem man nicht mehr an Grundlänge aufbaut, sondern eher abbaut und allmählich kürzer wird. Der 5-Star Professional Stefan Quirmbach erzählt, was zu tun ist, damit auch für Best-Ager, also Spielern ab dem 50. Lebensjahr, eben keine Schlaglänge verloren geht.

– von Stefan Quirmbach

Auf mehr Länge beim Drive hofft jeder Golfer. Ich selbst bin Jahrgang 1960, somit selber ein Best-Ager und wünsche mir ebenso unendliche Drivelänge. Wer den Schlägerkopf im Treffmoment schneller an den Ball schwingt, gewinnt an Schlagweite. Wenn sich die zwei Faktoren – das Treffen mit der Schlagflächenmitte und der richtige Eintreffwinkel – nicht verschlechtern, wird der Ballflug länger.

Allerdings halten viele Spieler an falschen Ideen fest. Eine davon lautet, dass der zum Ziel vordere Fuß (bei Rechtshändern ist das der linke) beim Ausholen nicht vom Boden abgehoben werden sollte. Dann würde nämlich keine Spannung im Körper aufgebaut werden und sich die Drehung im Durchschwung verlangsamen.

Quirmbach warnt vor falschen Ideen

Dabei halten selbst viele Profispieler den Fuß nicht auf dem Boden fest, sondern entlasten ihn und heben ihn beim Drive sogar deutlich ab. Die Schwünge von Bubba Watson (Foto unten), Jack Nicklaus oder Phil Mickelson sind nur wenige von zahlreichen Beispielen.

Bubba Watsons Rückschwung. (Foto: Golf Digest)

Bubba Watsons Rückschwung. (Foto: Golf Digest)

Quirmbachs Empfehlung für Best-Ager

Wenn man älter wird oder Best-Ager ist, ist es schwieriger, mittels einer schnelleren Hüftrotation und Muskelkraft den Ball weiter zu schlagen. Aber es gibt andere Wege, an Länge zu gewinnen – und zwar, indem man den Schwungweg verlängert. So wie ich hier auf dem Foto unten:

Stefan Quirmbach auf der Range des Golfresort Hardenberg. Deutlich zu sehen: Im Rückschwung wird die linke Ferse angehoben. (Foto: Christina Scheunemann)

Stefan Quirmbach auf der Range des Golfresort Hardenberg. Deutlich zu sehen: Im Rückschwung wird die linke Ferse angehoben. (Foto: Christina Scheunemann)

Ich kann meine Schultern weiter drehen, indem ich die linke Ferse vom Boden abhebe. Früher, in den 1990er Jahren, wurde fast ausschließlich so geschwungen. Probieren Sie es aus, es funktioniert!

Best-Ager sollten locker schwingen

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Schläger wirkungsvoll zu beschleunigen. Entweder bei gleicher Länge der Ausholbewegung schneller schwingen, also mehr Muskelkraft einsetzen, oder bei gleichem Tempo den Schwungweg verlängern. Was nichts anderes bedeutet, als  den Bewegungsumfang zu vergrößern. Letzteres ist für fast jeden Golfer einfach zu erreichen, indem man beim Ausholen die linke, zum Ziel vordere Ferse, vom Boden anhebt (siehe Foto oben). Das erleichtert erheblich die Drehung des Körpers.

Um den Radius noch weiter zu vergrößern, kann man zusätzlich den linken Arm beugen. Dabei sollte allerdings darauf geachtet werden, mit dem Gleichgewicht trotzdem relativ zentral zu bleiben und nicht wie ein Schiff zu schwanken. Ich verwende dazu gern das Bild, in einem Weinfass zu stehen und sich zu drehen, ohne die Wand des Fasses zu berühren. Tipps zu mehr Beweglichkeit gibt’s hier im Trainingsvideo:

Best-Ager-Übungen für mehr Beweglichkeit

Spieler sind häufig dem Glauben verfallen, die Wirbelsäule müsse beim Schwung gewaltsam verwrungen werden. Das ist nicht der Fall. Die Drehung sollte immer in den physiologischen Freiheitsgraden der Wirbelsäulenabschnitte ausgeführt werden. Die Hauptdrehung kommt aus der Hüfte, dem Gelenk, das bestens für eine Drehbewegung geeignet ist. An zweiter Stelle kommt die Rotation der Brustwirbelsäule, die im Alter jedoch abnimmt. Daher sollten Sie die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule mittels dieser beiden Übungen regelmäßig trainieren. Sie werden bemerken, dass Ihr Bewegungsumfang etwas zunehmen wird. Mehr im Trainingsvideo.

Oft wird eine Schulterdrehung um 90 Grad verlangt. Ich sage lieber: Drehen Sie den Rücken Richtung Ziel. Übrigens: Die Drehung vieler Tourspieler ist sogar deutlich weiter als „nur“ 90 Grad – bei einigen ist beim Drive eine Drehung von bis zu 120 Grad zu er-kennen (Bernd Ritthammer, John Daly, Lexi Thompson). Spieler, die nicht so flexibel und schon gar nicht so fit wie Profispieler sind, sollten sich beim Ausholen nicht mit den Hüften blockieren. Also hören Sie damit auf, den linken Fuß am Boden zu lassen, sonst ist eine ausreichende Drehung unmöglich.

Aus den Schultern kommt eine hohe Beschleunigung, daher sollten Sie Ihre Arme oft kreisen, sowohl in beide Richtungen als auch gegeneinander. Von „langen“ Armen im Durchschwung träumt jeder. Klemmen Sie sich ein Kissen – oder den Spezialball (Fotos unten) – zwischen die Arme und halten ihn während des gesamten Schwungs zwischen den Armen, die dabei rotieren.

Trainingstipps für mehr Ballanche und Kraft gibt es in diesem Video: