Golf Club Magazin Niedersachsen

Golfbiodivers im GC Emstal: Lebensräume zwischen Fairways und Rough

Der Golfclub Emstal engagiert sich verstärkt für Artenvielfalt und Naturschutz: Im Rahmen des Projekts Golfbiodivers werden Flächen gezielt ökologisch aufgewertet und neue Lebensräume geschaffen. Der Artikel zeigt, welche Maßnahmen im Emstal umgesetzt werden, warum Golfplätze wichtige Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen sein können – und wie sich die Natur auf der Anlage in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Der Start für das Projekt GolfBiodivers: Frau Dr. Velbert (Universität Münster) zu Gast im GC Emstal neben Headgreenkeeper Thomas Holt – mit Saatgut, Nistkasten und Bienenhaus.

Von GCM-Korrespondentin Claudie Kleine

Wer früh morgens über den Golfplatz im GC Emstal geht, erlebt ihn von seiner stillsten und zugleich eindrucksvollsten Seite: Tau liegt auf den Gräsern, erste Insekten sind unterwegs, aus den Randbereichen erklingen Vogelstimmen. In diesen Momenten wird sichtbar, was Biodiversität bedeutet – lebendige Vielfalt aus Pflanzen, Tieren und ihren Lebensräumen.

Auch der Golfclub Emstal ist Teil dieses sensiblen Ökosystems. Die Anlage ist nicht nur Sportstätte, sondern zugleich ein wertvoller Lebensraum, der bewusst gestaltet und für kommende Generationen erhalten wird. Bereits seit vielen Jahren setzt der GC Emstal gezielt Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität um. Mit der Teilnahme am Projekt Golfbiodivers wird dieses Engagement nun weiter ausgebaut.

Das bundesweite Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Golf Verband (DGV) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) durchgeführt. Insgesamt werden 64 Golfanlagen in neun Bundesländern wissenschaftlich begleitet, unter anderem durch die Universität Münster. Die Projektlaufzeit erstreckt sich vom 1. April 2023 bis zum 31. März 2029.

Damit jeder weiß, was hier passiert: Beschilderung im GC Emstal für das Projekt GolfBiodivers. Die Blühfläche in der Startphase.

Golfplätze als wertvolle Lebensräume

Golfplätze bieten weit mehr als kurz gemähte Spielflächen. Neben Grüns, Abschlägen und Fairways existieren zahlreiche extensiv genutzte Bereiche wie Roughs, Wiesen, Hecken, Gehölze und Gewässer. Dieses Mosaik unterschiedlicher Strukturen schafft ideale Bedingungen für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten.

Auch im GC Emstal zeigen sich diese Potenziale bereits deutlich: Heideflächen, Randbereiche und naturnahe Übergänge bieten Rückzugsorte für Insekten, Vögel, Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger. Blühende Pflanzen dienen als Nahrungsquelle für Bestäuber, strukturreiche Flächen als Brut- und Schutzräume.

Viele dieser Lebensräume sind jedoch auf eine gezielte, angepasste Pflege angewiesen. Besonders Wiesen verlieren ohne regelmäßige Mahd oder durch Überdüngung schnell ihre Artenvielfalt. Mit Maßnahmen wie dem gezielten Stehenlassen von »Insekteninseln« bei der Mahd lässt sich die Biodiversität im GC Emstal nachhaltig fördern, ohne den Spielbetrieb einzuschränken.

Projektstart im GC Emstal. Noch Erde – bald Vielfalt für Insekten.

Ziel des Projekts Golfbiodivers im Emstal

Ein zentrales Ziel des Projekts im GC Emstal ist die ökologische Aufwertung bislang artenarmer Hardrough-Flächen. Diese sollen langfristig in naturnahe Blühflächen und vielfältige Lebensräume umgewandelt werden.

Die sandigen, nährstoffarmen Böden im Emstal bieten dafür ideale Voraussetzungen. Sie sind ein natürlicher Standort für spezialisierte Pflanzenarten, die auf gedüngten Wiesen kaum noch vorkommen und vielerorts selten geworden sind.

Im Herbst 2025 wurden erste Maßnahmen umgesetzt: Dominierende Rot-Schwingel-Bestände wurden gezielt entfernt, um den Boden für die Entwicklung artenreicher Sandmagerrasen sowie für Blühstreifen und Säume vorzubereiten. Diese Flächen hatten zuvor nur einen geringen ökologischen Wert.

Im Anschluss besuchte Dr. Velbert von der Universität Münster den GC Emstal und übergab Head-Greenkeeper Thomas Holt unter anderem regional angepasstes Saatgut, Nistkästen sowie Materialien für die weitere Umsetzung.

Die anschließende Einsaat erfolgte mit standortgerechten, regionalen Mischungen aus heimischen Wildkräutern und Gräsern. Diese sind optimal an Boden und Klima angepasst und bieten insbesondere Insekten wie Wildbienen, Schmetterlingen und Käfern ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

Monitoring für Transparenz. Hier im GC Emstal entstehen neue Lebensräume.

Geduld als Schlüssel zur Biodiversität

Natur entwickelt sich nicht auf Knopfdruck. Die neu angelegten Flächen im GC Emstal benötigen Zeit, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Gerade in den ersten Jahren erscheinen sie oft noch unscheinbar.

Mit jeder Saison jedoch nimmt die Vielfalt sichtbar zu: mehr Blüten, mehr Insekten, mehr Leben. Gleichzeitig reduziert sich der Pflegeaufwand zugunsten natürlicher Prozesse.

Ein bewusst extensives Pflegemanagement mit angepassten Mähintervallen und dem Verzicht auf intensive Nutzung ermöglicht es den Pflanzen, sich langfristig zu etablieren. So entsteht Schritt für Schritt ein stabiler, artenreicher Lebensraum.

Immer mehr Golfplätze haben am Fairwayrand Blühwiesen und produzieren auch ihren eigenen Golfplatz-Honig. Hier ein Beispiel aus dem Norden: eine Blühwiese des GC an der Göhrde in Niedersachsen. (Foto: GCM-Archiv)

Golf und Naturschutz im Einklang

Das Projekt Golfbiodivers im Emstal zeigt, dass moderner Golfsport und aktiver Naturschutz kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Richtig geplant und umgesetzt, können Golfanlagen einen wichtigen Beitrag zur regionalen Biodiversität und zum Biotopverbund leisten.

Die Maßnahmen sind als langfristige Investition zu verstehen – in die Natur, in die Qualität der Anlage und in eine nachhaltige Zukunft.

Mitglieder und Gäste des GC Emstal sind eingeladen, diese Entwicklung bewusst wahrzunehmen – beim Spiel, beim Spaziergang oder beim kurzen Innehalten am Rand des Fairways. Jede blühende Fläche macht sichtbar: Der Golfplatz ist mehr als ein Ort des Sports.

Ein besonderes Naturerlebnis bietet auch 2026 wieder die Vogelstimmen- und Naturwanderung in Kooperation mit dem NABU Lingen e.V. Die Veranstaltung findet am 25. April 2026 ab 8 Uhr statt. Anmeldungen sind bis zum 23. April möglich. Im Anschluss ist ein gemeinsames Frühstück im Clubhaus geplant.

Der GC Emstal übernimmt Verantwortung für die Flächen, die gepflegt werden – mit dem Ziel, dass sich hier nicht nur Golferinnen und Golfer wohlfühlen, sondern auch Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel und viele weitere Arten dauerhaft einen Lebensraum finden.

Mit diesem Anspruch blickt der Golfclub Emstal auf die Saison 2026.

Den Original-Artikel in voller länge gibt’s im Golf Club Magazin #1/2026 (Region Niedersachsen-Bremen).