Kaum ein Thema wird auf Golfanlagen so kontrovers diskutiert wie die Spielgeschwindigkeit. Für die einen gehört eine entspannte Fünf-Stunden-Runde zum perfekten Golftag, für andere sind lange Wartezeiten der größte Frustfaktor überhaupt.
Fest steht: Langsames Spiel kostet nicht nur Geduld, sondern beeinflusst die Attraktivität des gesamten Sports. Wer die Spielgeschwindigkeit verbessert, steigert zugleich Zufriedenheit, Auslastung und Zukunftsfähigkeit einer Golfanlage. Und vorweg: Kein Golfer gibt gern zu, dass er langsam spielt. Trotzdem erleben wir immer wieder Sechs-Stunden-Turniere. Und das kann viele Ursachen haben – darunter auch echte Trödler.
Die Sache mit der »Bad Time«
Klassisch gilt eine Spielgruppe als langsam, wenn sie hinter ihrer Durchgangszeit zurückliegt und den Anschluss zur Vorgruppe verloren hat (»out of place and beyond time«). Bei manchen Veranstaltungen – etwa seit vergangenem Jahr auch bei DGV-Turnieren – kommt zusätzlich die sogenannte Excessive Shot Time (EST) beziehungsweise »Bad Time« hinzu.
Wird ein Spieler bei einem Schlag von einem Referee mit mehr als – seit diesem Jahr – 90 Sekunden gemessen, erhält er für die Runde eine EST
Wird ein Spieler bei einem Schlag von einem Referee mit mehr als – seit diesem Jahr – 90 Sekunden gemessen, erhält er für die Runde eine EST. Diese wird zunächst mit einer Verwarnung geahndet und eskaliert bei weiteren Verstößen über einen bis hin zu zwei Strafschlägen und schließlich zur Disqualifikation (Punkt 9 der DGV-Hardcard).
Einige Fälle bei der IAM
Und dass das durchaus ein Thema ist, zeigten Bad Times verschiedener Spielerinnen bei der IAM der Frauen in diesem Jahr. Allerdings hat in jedem Fall die Verwarnung ausgereicht, um das Spiel signifikant zu beschleunigen, auch weil es tatsächlich langsames Spiel war, wie der von vier Seiten betrachtete 25-sekündige Tap-in zum Par.
Ist ein Spieler tatsächlich langsam, wird aus der generellen Empfehlung, nicht länger als 40 bis 50 Sekunden für einen Schlag zu benötigen, schnell Ernst. Die Spieler werden begleitet und bei weiterem langsamen Spiel »auf die Uhr genommen«. Dann wird jeder Schlag individuell gestoppt.
Wer die Zeit überschreitet, wird zunächst ermahnt und bei weiteren Verstößen mit Strafschlägen bis hin zur Disqualifikation bestraft. Oft liegt langsames Spiel aber gar nicht am Spieler, vielmehr summieren sich viele kleine Verzögerungen:
• Zu lange Ballsuche
• unnötige Probeschwünge
• fehlende Vorbereitung vor dem Schlag
• langsame Wechsel zwischen den Schlägen
• unklare Spielfolge in der Gruppe
• falsche Abschlagwahl
• lange Diskussionen über Distanzen oder Regeln
»Ready Golf« als echte Hilfe
Dabei können schon wenige zusätzliche Sekunden pro Schlag eine gesamte Runde massiv verlängern. Braucht ein Spieler pro Schlag 10 Sekunden mehr, sind das bei durchschnittlich 90 Schlägen pro 18-Löcher-Runde schon 900 Sekunden – 15 Minuten für einen Spieler. Das ist, als würde ein Spieler plötzlich noch ein 19. Loch spielen.
»Ready Golf« bedeutet schlicht: Wer bereit ist, spielt.
Seit 2019 die Golfregeln deutlich modernisiert wurden, ist »Ready Golf« als Alternative zur bisherigen Spielfolge nach der Ehre eine echte Hilfe in Sachen Pace of Play beziehungsweise Spielgeschwindigkeit.
»Ready Golf« bedeutet schlicht: Wer bereit ist, spielt. Statt starrer Reihenfolgen zählt ein sicherer und flüssiger Ablauf. Dieses Prinzip hat den Golfsport vielerorts bereits deutlich beschleunigt. Wenn dann noch ein wenig Vorausplanung dazukommt, man Wartezeiten mit Entfernung messen, Schläger wählen, Grün lesen oder Schlag vorbereiten verbringt, kann man direkt spielen, wenn man an der Reihe ist.
Dazu kommt, dass weniger oft mehr ist. Ein konzentrierter Probeschwung reicht meist völlig aus. Viele Spieler verlieren unnötig Zeit durch Routinen, die keinen echten Leistungsgewinn bringen. Hier sei an das »80/20 Pareto-Prinzip« erinnert. Nicht jeder Schlag benötigt eine zweiminütige Analyse. Intuitive Entscheidungen führen oft sogar zu besseren Ergebnissen. Wenn man dann noch das Bag bereits in Spielrichtung abstellt, spart man auf jedem Loch wertvolle Sekunden. Über 18 Löcher summiert sich das erheblich.
Die Experten von GolfRules
Torben Wissuwa und Thomas Köhler – übernehmen seit Ende 2025 das GM-Regelressort. Fragen können per Mail an experten@golfmagazin.de gestellt werden
Weiterlesen
Alles zum Thema Regeln
Regel 6.2: Das Tee als Ballmarker
Regel 17.1d: Wann gilt ein Ball als „bekannt oder so gut wie sicher“ in der Penalty Area?
