Ein Feuerwehrfahrzeug rollt an einen Golfplatz im Kreis Viersen, direkt an der niederländischen Grenze. Die Feuerwehr benötigt Wasser, viel Wasser, für einen Waldbrand im Nationaal Park De Meinweg. Acht Kilometer Förderstrecke, mehrere Hochleistungspumpen in Reihe geschaltet, am Ende der Leitung ein unscheinbarer Teich auf einem Fairway. Niemand hätte diesem Gewässer eine solche Rolle zugetraut. Genau das macht die Geschichte vieler Golfplätze in diesem Sommer aus.
Waldbrände – Wenn Golfplätze zu Helfern werden
Während in Südwestfrankreich und in Teilen Spaniens weiterhin Wald brennt, geraten Golfanlagen aus einem Grund in den Blick, den kaum jemand erwartet hätte. Rund um Bordeaux hat sich seit Ende Juli einer der größten Waldbrände in der Geschichte Frankreichs ausgebreitet, mehr als 42.000 Hektar in der Gironde, über 200.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In Spanien kämpften Einsatzkräfte gleichzeitig gegen mehrere Großfeuer bei Madrid und in der Provinz Ávila, auch dort mit Zehntausenden Evakuierten. Golfclubs standen in beiden Ländern plötzlich zwischen zwei Rollen: gefährdet und gebraucht zugleich.
In der Gironde traf es mehrere bekannte Anlagen unmittelbar. Der Golf International d’Arcachon musste seinen Platz wegen der roten Warnstufe komplett schließen, die Verantwortlichen sagten Turniere ab und sperrten den Zugang. Ähnlich erging es praktisch allen Golfplätzen im Département, darunter der Golf de Pessac und der Golf des Argileyres in Cestas, direkt im Vorrückungsgebiet der Flammen. Auch der Golfclub Hossegor schloss sein Gelände täglich zwischen 14 und 22 Uhr, nachdem die Präfektur gemeinsam mit dem französischen Golfverband eine entsprechende Anordnung erlassen hatte. Der Grund war nicht allein die Brandgefahr durch Golfer selbst, sondern die generelle Sperrung aller Freizeitflächen in Waldnähe.
Fairways als natürliche Brandschneise
Trotzdem hat das Feuer bislang keine der bekannten Anlagen in der Region zerstört. Ein Fairway ist kurz gemäht und ständig bewässert. Damit fehlt ihm genau das, was ein Waldbrand zum Weiterlaufen braucht. Ein Bodenfeuer verliert auf so einer Fläche schnell an Kraft, manchmal erlischt es dort völlig. Feuerwehren kennen diesen Effekt und nutzen offene Rasenflächen gezielt als Rückzugsraum oder als Linie, an der sich ein Löschangriff festmachen lässt. Fachleute für Waldbrandbekämpfung unterscheiden klar: Brandschneisen mit kurzer Vegetation wirken, Streifen mit hohem Gras bringen dagegen kaum etwas.
Dazu kommt die Infrastruktur, die auf keiner Anlage fehlt: große Bewässerungsteiche, kräftige Pumpen, kilometerlange Rohrleitungen. Genau diese Technik machte den Teich im Kreis Viersen zur Wasserquelle für die Löschzüge aus Duisburg, Essen und Oberhausen. Was sonst Grüns und Fairways versorgt, kann im Ernstfall genauso gut in einen Schlauch der Feuerwehr fließen.
In Deutschland ist der Waldbrand auf dem eigenen Platz bislang selten das größere Problem, die eigentliche Gefahrenquelle liegt oft in der Caddyhalle. Der Deutsche Golf Verband gibt gemeinsam mit der Allianz ein Merkblatt zum Brandschutz auf Golfanlagen heraus, Anlass war eine spürbare Zunahme von Bränden in Maschinen- und Caddyhallen im Zusammenhang mit Elektromobilität. Im Mittelpunkt stehen Lithium-Ionen-Akkus von E-Trolleys und Golfcarts, die bei Defekten in Brand geraten und sich dann kaum löschen lassen. Einige Clubs ziehen daraus klare Konsequenzen. Der Golfclub Kirchheim-Wendlingen etwa untersagte nach einem Zwischenfall das Laden und Lagern der Akkus in den gewohnten Elektroboxen und baute stattdessen einen eigenen Akkuladeraum mit Brandmeldeanlage und automatischer Löschtechnik.
Wasserreserven für die Feuerwehr
Doch auch hierzulande gibt es mittlerweile Phasen mit hoher Waldbrandgefahr. Dabei reagieren bspw. der Frankfurter Golf Club und der Golf Club Spessart mit striktem Rauchverbot auf der gesamten Anlage und richten sich nach dem Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes.
Golfanlagen liegen in Deutschland oft mitten im Wald, das war schon immer so. Neu ist, wie ernst Betreiber, Versicherer und Verbände das Thema inzwischen nehmen, von der Akkulagerung bis zur Bewässerungsstrategie bei Trockenheit.
Mehr als nur eine Sportanlage
Der Teich im Kreis Viersen bewässert längst wieder nur noch Fairway und Grün, die Löschfahrzeuge sind abgerückt. Doch die acht Kilometer Schlauch, die einmal von dort zum Feuer führten, bleiben ein Bild dafür, wozu ein Golfplatz im Ernstfall taugt: nicht nur als Ort zum Spielen, sondern als stille Reserve, auf die im entscheidenden Moment jemand zurückgreifen kann.
