Saudi International: Stellt euch der Verantwortung!

Saudi International – Previews

Die Diskussion rund um die Vermischung von Sport und Politik ist nichts Neues. Sei es die Vergabe der Fußball WM nach Katar, der für das vergangene Jahr angesetzte Showkampf zwischen der beiden Tennisgrößen Rafael Nadal und dem nun frisch gekrönten Australien Open Sieger Novak Djokovic in Saudi-Arabien oder das an diesem Wochenende erstmals stattfindende Saudi International im Royal Greens Golf and Country Club. Bei solchen Events werden stets Stimmen laut, die eine klare Positionierung der Sportstars und der Verantwortlichen fordern. Es geht um Menschenrechte, Frauenbilder, Pressefreiheit, Diskriminierung, demokratiefeindliche Einstellungen und, im Falle von Saudi-Arabien, besonders um den in der Saudi-Arabischen Botschaft in der Türkei ermordeten Journalisten Jamal Kashoggi.

Wer muss die Verantwortung tragen?

In den meisten Fällen passiert allerdings genau das nicht. Die Verantwortlichen ziehen sich mit dünnen Äußerungen aus der Affäre oder schweigen gänzlich zu den Events und hoffen darauf, dass der erste Shitstorm wieder abebben wird. Die alltägliche Praxis zeigt: Sie hoffen zurecht. Nach dem ersten großen medialen Interesse flacht die kritische Berichterstattung genauso schnell wieder ab wie sie begonnen hat, und ein Imageschaden für die entsprechenden Sportler bleibt in den allermeisten Fällen aus.

In wie weit aber sind hier nicht nur wir Medien, sondern auch die Sportler in die Verantwortung zu nehmen? Es ist ein Grundbestandteil des Profigeschäfts, dass Events dort stattfinden, wo Sponsoren und damit auch hohe Antritts- und Preisgelder locken. Kein großes Sportevent dieser Welt wäre ohne eben jene Sponsoren realisierbar,  und in Zeiten, in denen es zum Beispiel für die European Tour immer schwerer wird, solvente Geldgeber zu finden, scheint es folgerichtig, dass sie potentielle Interessenten nicht abweist. Davor kann man sich nicht verschließen. Das in diesem Zusammenhang oft gebrachte Argument, es handle sich hier zudem um rein sportliche Interessen und habe mit der Politik und der politischen Einstellung eines Landes nichts zu tun, ist allerdings eindeutig zu kurz gegriffen.

Der Saudi-Arabische Kronprinz Mohammed bin Salman geriet nach dem Mord an Jamal Kashoggi unter Druck. (Photo credit should read FETHI BELAID/AFP/Getty Images)

Gerade in diesen Fällen und durch die enorme Reichweite, die Sportevents dieser Größenordnung haben, ist es wichtig, ein Statement zu setzen. Allein durch die Berichterstattung verspricht sich ein Regime wie Saudi-Arabien positive Effekte. Es ist eine scheinbar unbelastete PR für ein Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt und auch von der Pressefreiheit bekanntlich nicht viel hält. Sicherlich gibt es einige Spieler auf der European Tour, die auf das Preisgeld des Saudi International, das mit insgesamt 3,5 Millionen Dollar zu den besser dotierten Events im Kalender zählt, angewiesen sind. Diese Argumentation können sich allerdings High-Profile-Spieler wie Dustin Johnson, Brooks Koepka, Bryson DeChambeau, Justin Rose oder Patrick Reed nicht leisten. Sie alle haben eine Verantwortung sich selbst gegenüber, aber auch dem Sport, den sie repräsentieren. Ihnen fehlen die Millionen, die sie hier garantiert erhalten, nicht wirklich. Ohne die großen Namen und Spieler aber wäre die Wirkung diese Events deutlich geringer. Sie alle haber die Möglichkeit, positive Schlagzeilen mit einer deutlichen Haltung zu machen.

„Der Westen wird instrumentalisert“

Ein besonders gutes Beispiel ist hier Paul Casey, der sich auf Twitter deutlich geäußert und damit fast ausschließlich positives Feedback von Fans anderen Spielern erhalten hat.


Auch Brandel Chamblee äußerte sich im Golf Channel mehr als deutlich und kritisch und erntete dafür viel positiven Zuspruch. „Wir dürfen uns nicht instrumentalisieren lassen, denn genau das versucht das Regime, mit dem Westen zu machen“, sagte Chamblee und traf damit genau auf den Punkt. Sich hinter dem Sport zu verstecken, die Augen zu verschließen und sich somit freiwillig oder unfreiwillig vor den PR-Zug eines Landes spannen zu lassen, ist mit den Grundwerten des Golfsports nicht vereinbar. Es geht um Integrität und Ehrlichkeit, die die Stars der Szene auf dem Platz vorleben, jenseits davon aber weitgehend vermissen lassen. Ändern wird sich weder durch die Anwesenheit noch durch die Abwesenheit einiger Spieler etwas an den Zuständen des Landes. Es wäre aber ein wichtiges Zeichen über den Golfsport hinaus gewesen, dass sich gerade die Topspieler klar positionieren. Schließlich sind sie am Ende des Tages Freiberufler, die ihre ganz eigenen und individuellen Entscheidungen treffen können und müssen.