Deswegen muss Tom Kim nicht zum regulären Militärdienst.
Es war wohl einer der wichtigsten Putts im Leben von Tom Kim. Mit einer 64er-Finalrunde und insgesamt 18 unter Par gewann der 24-jährige Südkoreaner bei den Asian Games 2026 in Japan Gold im Einzel. Drei Schläge betrug sein Vorsprung. Doch bei diesem Sieg ging es um weit mehr als eine Medaille: Kim erhält damit eine Ausnahme vom regulären südkoreanischen Militärdienst.
Wie wichtig Kim dieses Ziel war, zeigte schon seine Anreise. Nach seinem gewonnenen Einzel beim Presidents Cup in Medinah (Team USA siegte) fuhr er direkt zum Flughafen und verpasste sogar die abschließende Siegerehrung, um so schnell wie möglich nach Japan zu den Asian Games zu fliegen.
Militärdienst in Südkorea: Das sind die Ausnahmen für Sportler
In Südkorea müssen wehrfähige Männer grundsätzlich Militärdienst leisten. Für international erfolgreiche Spitzensportler existiert jedoch eine besondere Regelung: Eine Medaille bei Olympischen Spielen oder Gold bei den Asian Games kann sie vom regulären Militärdienst befreien.
Komplett vom Militär befreit sind sie allerdings nicht. Die Sportler müssen unter anderem eine kurze militärische Grundausbildung absolvieren und anschließend weitere Verpflichtungen erfüllen.
„Es ist ein verrücktes Gefühl. Ich bin einfach froh, dass es vorbei ist. Dieser Tag war der längste Tag, den ich je in meinem Leben erlebt habe.“
Tom Kim
Diese Golfer entgingen ebenfalls dem regulären Militärdienst
Tom Kim ist nicht der erste südkoreanische Golfprofi, dessen Karriere durch einen internationalen Erfolg entscheidend erleichtert wird. Sungjae Im und Si Woo Kim gewannen 2023 mit Südkorea Team-Gold bei den Asian Games und erhielten dadurch ebenfalls die Sonderregelung. Im absolvierte später noch seine militärische Grundausbildung.
Auch K.H. Lee profitierte bereits von Team-Gold bei den Asian Games 2010. Sein damaliger Teamkollege Whee Kim (Kim Meen-whee) gewann sogar Gold im Einzel und mit der Mannschaft. Sung Kang, später Sieger auf der PGA Tour, gehörte 2006 zum erfolgreichen koreanischen Team.
Wie einschneidend der Militärdienst für einen Golfprofi sein kann, zeigt dagegen Sangmoon Bae. Der zweimalige PGA-Tour-Sieger musste 2015 im Alter von 29 Jahren einrücken und diente 21 Monate. Seine Karriere erreichte danach nicht mehr das frühere Niveau. Auch Seung-Yul Noh unterbrach seine Laufbahn für den Militärdienst.
Son Heung-min: Asian-Games-Gold verhinderte die Zwangspause
Das wohl berühmteste Beispiel aus dem südkoreanischen Sport ist Son Heung-min. Der damalige Star von Tottenham Hotspur stand bei den Asian Games 2018 enorm unter Druck. Nur Gold konnte ihm eine lange Unterbrechung seiner internationalen Fußballkarriere durch den regulären Militärdienst ersparen.
Südkorea erreichte das Finale und besiegte Japan nach Verlängerung mit 2:1. Son und seine Teamkollegen hatten es geschafft. Auch Son blieb jedoch nicht völlig vom Militär verschont: 2020 absolvierte er eine mehrwöchige militärische Grundausbildung. Zum koreanischen Gold-Team von 2018 gehörten außerdem die späteren internationalen Stars Kim Min-jae und Hwang Hee-chan.
Warum die K-Pop-Stars von BTS zum Militär mussten
Wie konsequent Südkorea die Wehrpflicht handhabt, zeigt das prominenteste Beispiel außerhalb des Sports: BTS. Trotz des weltweiten Erfolgs der K-Pop-Band erhielten die sieben Mitglieder keine mit den Spitzensportlern vergleichbare Ausnahme. Sie absolvierten ihren Militärdienst und unterbrachen dafür zeitweise ihre gemeinsame Karriere.
Der Unterschied: Die gesetzlichen Ausnahmeregelungen gelten für bestimmte international erfolgreiche Sportler sowie ausgewählte klassische Künstler, nicht automatisch für international erfolgreiche Popstars.
Ein wesentlicher Grund liegt in der besonderen Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel. Der Koreakrieg endete 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag. Nordkorea und Südkorea befinden sich deshalb formal weiterhin im Kriegszustand. Die militärisch stark gesicherte Grenze und der Konflikt mit Nordkorea machen die Wehrpflicht bis heute zu einem gesellschaftlich und politisch sensiblen Thema.
