Wer beim Golf schnell Schläge sparen möchte, sollte auf dem Grün anfangen. 5-Star-Professional Stefan Quirmbach bringt es auf den Punkt: Rund 40 Prozent aller Schläge auf einer Runde sind Putts. Trotzdem wird genau dieser Teil des Spiels von vielen Amateuren zu selten und zu eintönig trainiert.
Quirmbach zeigt, warum Putten nicht langweilig sein muss – und wie kurze Putts, lange Putts und Break-Putts gezielt trainiert werden können.
Auf einen Blick
- Warum Putten der schnellste Weg zu besseren Scores ist
- Worin sich kurze und lange Putts technisch unterscheiden
- Warum kurze Putts vor allem Schlagflächenkontrolle brauchen
- Warum lange Putts über Gefühl und Distanzkontrolle entschieden werden
- Wie Break-Putts besser gelesen und trainiert werden
- Welche Übungen Stefan Quirmbach für das Training empfiehlt
Warum Putten laut Stefan Quirmbach so entscheidend ist
Viele Spieler investieren viel Zeit in Abschläge, Eisen oder Fairwayhölzer. Auf der Scorekarte entscheidet jedoch oft das Grün. Wer weniger Drei-Putts macht und kurze Putts sicherer locht, spart schnell Schläge – ohne den gesamten Golfschwung umbauen zu müssen.
„Durchschnittlich 40 Prozent der Schläge, die ein Spieler während einer Runde macht, sind Putts.“
Stefan Quirmbach
Quirmbach widerspricht auch der häufigen Ausrede, Putt-Training sei langweilig. Richtig aufgebaut ist es abwechslungsreich, messbar und extrem wirksam. Entscheidend ist, nicht einfach wahllos Bälle zu schlagen, sondern die wichtigsten Putt-Situationen getrennt zu trainieren.
Die drei Putt-Aufgaben, die jeder Golfer trainieren sollte
Beim Putten geht es nicht um eine einzige Technik für alle Situationen. Quirmbach unterscheidet drei Aufgaben, die jeweils eigene Schwerpunkte haben.
| Putt-Art | Typische Distanz | Wichtigster Fokus |
|---|---|---|
| Kurze Putts | unter 2 Meter | Schlagfläche square zum Ziel |
| Lange Putts | 2 bis 15 Meter | Distanzkontrolle und Sweetspot |
| Break-Putts | abhängig vom Grün | Grünlesen und Startlinie |
Gerade diese Trennung macht das Training effektiver. Kurze Putts verlangen Präzision. Lange Putts verlangen Gefühl. Break-Putts verlangen Mut, Vorstellungskraft und sauberes Grünlesen.
Kurze Putts vs. lange Putts: Der wichtigste Unterschied
Kurze und lange Putts sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. In der Ansprechposition zeigen sich jedoch klare Unterschiede. Beim kurzen Putt greift Quirmbach die Hände einige Zentimeter weiter unten am Griff und stellt den Putterkopf leicht auf die Spitze. Beim langen Putt liegt die komplette Sohle des Putterkopfes auf dem Boden, die Hände greifen weiter oben am Griff.


Kurze Putts: Warum die Schlagfläche alles entscheidet
Bei kurzen Putts kommt es vor allem darauf an, die Schlagfläche im Treffmoment exakt zum Ziel auszurichten. Schon kleine Verdrehungen reichen aus, damit der Ball am Loch vorbeiläuft.
Quirmbach empfiehlt deshalb, die Beweglichkeit der Handgelenke bewusst einzuschränken. Die Hände greifen weiter unten am Griff, die Handflächen stehen parallel zueinander. Der Putter verläuft stärker durch die Hand und weniger durch die Finger.
Die wichtigste Idee für kurze Putts
Kurze Putts werden nicht mit mehr Bewegung besser, sondern mit weniger unnötiger Bewegung.
Häufig entsteht das Verkanten der Schlagfläche durch ein Abbrechen der Vorwärtsbewegung oder durch zu frühen Einsatz der rechten Hand. Deshalb sollte der Stroke ruhig, rhythmisch und stabil durch den Ball geführt werden.
Lange Putts: Warum Distanzkontrolle wichtiger ist als perfektes Zielen
Viele Spieler glauben, schlechte Scores entstehen vor allem durch verschobene kurze Putts. Quirmbach sieht das differenzierter. Häufig entstehen zusätzliche Schläge bereits davor: durch lange Putts, die zu weit vom Loch entfernt liegen bleiben.
Je weiter der Ball nach dem ersten Putt vom Loch entfernt liegt, desto stärker sinkt die Wahrscheinlichkeit, den nächsten Putt zu lochen. Deshalb sollte das Training nicht nur auf kurze Putts ausgerichtet sein, sondern auch auf das sichere Annähern aus mittleren und langen Distanzen.
Das Ziel bei langen Putts ist nicht zwingend das Einlochen, sondern ein sicherer zweiter Putt.
Worauf es bei langen Putts ankommt
- Ball möglichst mittig mit dem Sweetspot treffen
- Puttersohle vollständig auf den Boden setzen
- Ausholbewegung aus den Schultern steuern
- Unterkörper ruhig halten
- Finish stabil halten, bis der Ball zur Ruhe kommt
Die Bewegung erinnert an ein Pendel. Während Schultern und Arme arbeiten, bleibt der Unterkörper ruhig. Nach dem Treffmoment darf der Kopf Richtung Ziel folgen, die Wirbelsäule bleibt jedoch im ursprünglichen Winkel.
Quirmbach-Übung für kurze Putts: Die linke Hand als Schlagfläche
Verfehlt ein Putt aus weniger als zwei Metern das Ziel, liegt die Ursache häufig in einer verdrehten Schlagfläche. Oft ist der falsche oder zu frühe Einsatz der rechten Hand dafür verantwortlich.
Quirmbachs Trainingsidee: Die linke Hand bekommt mehr Bedeutung. Der linke Handrücken wird gedanklich zur Schlagfläche. Er soll im Treffmoment zum Loch zeigen und auch im Durchschwung zum Ziel weisen, ohne sich zu verdrehen.
So funktioniert die Übung
- Aus kurzer Distanz zum Loch aufbauen
- linken Handrücken als Schlagfläche vorstellen
- ruhig durch den Ball pendeln
- Handrücken im Durchschwung zum Ziel zeigen lassen
- Trefferbild und Startlinie beobachten
Quirmbach-Übung für lange Putts: Gefühl über Augen und dominante Hand
Bei langen Putts steht die Distanzkontrolle im Mittelpunkt. Der Ball sollte möglichst in einem Umkreis von einem Meter um das Loch liegen bleiben. Dafür braucht es Gefühl – und dieses Gefühl entsteht nicht nur über die Hände, sondern auch über die Augen.
Bei Rechtshändern kommt das Distanzgefühl laut Quirmbach häufig aus der dominanten linken Hand. Während der Übung wird Richtung Loch geblickt, um die Wahrnehmung der Entfernung stärker einzubeziehen.
Break-Putts: Warum viele Golfer zu wenig Break einplanen
Nach kurzen und langen Putts kommt der nächste wichtige Bereich: Break-Putts. Häufig wird das Gefälle auf dem Grün unterschätzt. Spieler lesen den Break zu niedrig und richten den Putter deshalb nicht mutig genug aus.
Für gute Break-Putts braucht es zwei Fähigkeiten: korrektes Grünlesen und klare Schlagvisualisierung. Wer die Kurve nicht konsequent akzeptiert, startet den Ball häufig auf einer Linie, die von Anfang an keine realistische Chance hat.
Die Tor-Übung für besseres Grünlesen
Quirmbach empfiehlt im Training Tore aus Tees. Das erste Tor markiert die Startrichtung des Putts. Das zweite Tor liegt an der Falllinie direkt am Loch. So wird sichtbar, welchen Weg der Ball tatsächlich nehmen muss.
- Erstes Tee-Tor auf der Startlinie platzieren
- Zweites Tee-Tor an der Falllinie am Loch setzen
- Ball durch beide Tore rollen lassen
- Startlinie und Break anpassen
- mit verschiedenen Breaks experimentieren
Fazit: Putten wird besser, wenn Training konkreter wird
Putten ist nicht langweilig, wenn klar ist, was trainiert werden soll. Kurze Putts brauchen Schlagflächenkontrolle. Lange Putts brauchen Distanzgefühl. Break-Putts brauchen Grünlesen, Mut und eine klare Startlinie.
Wer diese drei Aufgaben getrennt übt, trainiert nicht einfach mehr, sondern besser. Genau darin liegt der schnellste Weg zu weniger Drei-Putts und besseren Scores.
