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GC Schönbuch: Der Überflieger

Eine Runde im GC Schönbuch ist ein besonderes Erlebnis: am Rande eines einzigartigen Naturparks, in einem Club, zu dessen Selbstverständnis eine umweltbewusste, nachhaltige und ökologische Ausrichtung gehört.

Die Hofanlagen des jahrhundertealten Schaichhofs beherbergen heute auch das Clubrestaurant.

Die Hofanlagen des jahrhundertealten Schaichhofs beherbergen heute auch das Clubrestaurant.

Hinter jedem Club verbirgt sich eine Geschichte hinter der Geschichte. Diese wird erzählt von Kleinigkeiten und Einzelheiten, die man oft übersieht:  im Fall des Golfclub Schönbuch (GCS) vom freundlichen Empfang, dem gut sortierten Proshop, dem aufmerk-samen Service des Kellners. Selbst wenn man sich später kaum an diese Details erinnern kann, verleihen sie einem Club seinen einzigartigen Charakter, seine unverwechselbare Note. Auf der 27-Löcher-Anlage, rund 20 Kilometer südlich vor den Toren der baden-württembergischen Hauptstadt Stuttgart gelegen, spricht zudem eine innere Stimme: Bei diesem Club ist von den Verantwortlichen vieles richtig gemacht worden.

Der Schönbuch im Spätherbst. Wer dann von Tübingen in Richtung Böblingen mitten durch dieses Waldgebiet fährt, kommt aus dem Schauen und Staunen kaum noch heraus. Mächtige Eichen, bunt gefärbte Buchen, dazwischen Bäche, Weiher und Streuobstwiesen – nicht umsonst wurde der Schönbuch 2014 zum „Waldgebiet des Jahres“ ausgezeichnet. Und am Ende dieses über Jahrzehnte gewachsenen Naturparks, gerade wenn man ihn verlässt, breitet sich die Anlage des Clubs auf 110 Hektar auf dem Gelände der Württembergischen Hofkammer aus.

1989 vom Golfanlagenplaner und Landschafts-Architekten Reinhold Weishaupt gebaut – damals in der Hochphase der deutschen Golfentwicklung, als pro Jahr noch zirka 20 Golfanlagen in Betrieb genommen wurden –, avancierte der Club schnell zu einer beliebten Adresse in dieser wirtschaftlich starken Region, die Weltfirmen wie Daimler, HP oder IBM beheimatet. Über 1.000 Mitglieder zählt Schönbuch mittlerweile, verschiedene Auszeichnungen wie die Mitgliedschaft in der Wertegemeinschaft „Leading Golf Courses of Germany“ oder in der Kategorie Jugendförderung durch den Deutschen Golf Verband  (DGV) belegen die rasante Entwicklung und unterstreichen den hohen Standard der Anlage.

Eine Seltenheit: Die Driving Range ist neben dem 18. Grün und von der Clubhausterrasse einsehbar.

Eine Seltenheit: Die Driving Range ist neben dem 18. Grün und von der Clubhausterrasse einsehbar.

Gerade im Bereich Umweltmanagement setzen die Schwaben Maßstäbe. Zeugnis ist die höchste, vom DGV verliehene Auszeichnung, die goldene Urkunde „Golf & Natur“, für ein ganzheitliches Konzept. Außerdem wurde im vergangenen Jahr ein weiterer Baustein einer natur-verbundenen und ökologisch orientierten Ausrichtung gelegt: der erste öffentliche Obstbaum-Lehrpfad auf einem deutschen Golfplatz.

Darüber hinaus gibt es ein „Insektenhotel“ mit Schautafel sowie in Kürze eine Info-Pinnwand über die Bienen auf der Golfanlage. Insgesamt findet man über 360 Obstbäume auf dem Gelände sowie zahlreiche Biotope mit heimischen Tier- und Pflanzenarten. „Präsidium und Management sind bestrebt, dauerhaft und nachhaltig Verbesserungen durchzuführen“, unterstreicht GCS-Präsident Jürgen Schmidt die hohen Ansprüche.

Dazu passt, dass der GC Schönbuch seit Oktober 2013 zum Talentstützpunkt ernannt worden ist. Professionelle clubinterne Jugendarbeit, qualifizierte Trainer und eine exzellente Infrastruktur sind Voraussetzungen für dieses Prädikat. Der Talentstützpunkt Schönbuch wird von PGA-Professional Jan Eder geleitet. Aktuell trainieren in zwei Gruppen rund 20 Kinder bis zwölf Jahre in den Talentkadern I und II. „Besonders erfreulich ist, dass zahlreiche Kinder Mitglieder des Clubs sind“, so Schmidt nicht ohne Stolz.

Weitere wichtige Motive prägen den Club: Service und Qualität. „Wir verfolgen Tag für Tag das Ziel, ein emotionales Gesamterlebnis zu bieten. Dabei stehen sowohl Mitglieder und Gäste im Mittelpunkt unseres Handelns“, erklärt Clubgeschäftsführer Marc-Frederik Elsäßer. Gerader in diesem Bereich würden Anstrengungen unternommen, weil der Golfmarkt starker Konkurrenz im Freizeitsportbereich sowie veränderten Marktgegebenheiten ausgesetzt sei.

Ein Kurzplatz, der seinesgleichen sucht

Ein Pfund, mit dem der GCS allerdings schon immer wuchern kann, sind seine 27 Löcher. Eine, wie Elsäßer mit schwä-bischem Understatement bemerkt, „strukturell gut aufgestellte Golfanlage“. Da gibt es zum einen den öffentlichen 9-Löcher-Platz, der jedem Golfer auch ohne Clubzugehörigkeit offen steht. Par 33, ein Par 5-Loch, je vier Par 3- und Par 4-Löcher, 2.229 Meter von Gelb, 1.969 Meter von Rot – so lauten die Daten des 1998 durch die international bekannte Architekturschmiede Harradine Golf gebauten Platzes, die sich erstmal wenig spektakulär anhören.

Aber: Es gibt öffentliche Platze, es gibt gute öffentliche Plätze, und es gibt diese neun Löcher im GC Schönbuch. Wer auf Abschlag 1 (Par 5, 447/398 m) steht, erkennt sofort, dass es sich hier nicht nur um einen Pitch- und Putt-Kurs handelt, sondern um eine vollwertige Anlage. So enthält Bahn 1 bereits alle „Zutaten“ für ein komplettes Golferlebnis. In der Drivezone lauern zwei strategisch klug angelegte Sandbunker, rechts vor dem Grün ein kleiner Teich. Das Layout erfordert Course-Management – und zwar nicht nur vom Anfänger, sondern auch vom erfahrenen Single-Handicapper. Zweites Beispiel: Loch 4, ein Par 4 mit 242 bzw. 213 Metern – Driver gezückt und Grün attackieren? Vorsicht! Die Spielbahn weist ein Dogleg nach links in 180 Metern Entfernung auf. Wer abkürzt, muss präzise sein, um seinen Ball wiederzufinden.

Tolle Jugendarbeit: Der GCS ist Talentstützpunkt im Landesverband.

Tolle Jugendarbeit: Der GCS ist Talentstützpunkt im Landesverband.

Prunk- und Kernstück des GCS aber sind die 18 Löcher, die bereits 1998 und 2006 durch Redesigns veredelt wurden. Wer als Gast eine Runde plant, kann sich auf der Homepage – im wahrsten Sinn des Wortes – per Fly-Over einen Überblick verschaffen. Mittels einer Drohne entstanden Videos, die den Verlauf aller 18 Bahnen sowie alle wichtigen Parameter zeigen. Dazu gehören die Bahnlänge von den verschiedenen Abschlägen, die Entfernung zu Hindernissen oder zum Grün sowie die Tiefe und Breite des Grüns. Damit ist jeder Spieler bereits im Vorfeld in der Lage, sich ein Bild von den Löchern zu verschaffen bzw. eine Platzstrategie zu entwickeln – ein vorbildlicher Service!

Wie eingangs erwähnt: Es ist eine Anlage der kurzen Wege. Von der Driving Range sind es wenige Schritte zum 1. Tee. Wem kurz vor einer Runde noch einfällt, Bälle oder sonstiges Equipment vergessen zu haben, kommt am großzügigen Proshop vorbei. Und sollte sich der Start verzögern, dann befindet sich direkt neben dem  1. Abschlag ein Puttinggrün, auf dem der Putter auf „Betriebstemperatur“ gebracht werden kann.

Wer erwartet, mitten im Schönbuch, umgeben von Wald, Bäumen und Büschen, zu starten, sieht mit Loch 1 (Par 4; 345/299 m) eine nur auf der rechten  Seite durch dichte Büsche (und Aus) begrenzte Auftaktbahn mit breitem Fairway. In der Folge ziehen sich die ersten fünf Löcher durch eher offenes Gelände. Es geht sanft bergauf und -ab, Obstbäume säumen die Spielbahnen, der Blick schweift über leuchtend gelbe Rapsfelder. Die Charakteristik des Platzes ändert sich ab Loch 6 (Par 4; 345/304 m); da türmt sich erstmals im Hintergrund der Mischwald des Schönbuchs auf.

Keine Frage, jetzt beginnt der landschaftlich reizvollste Teil der Anlage. Höhepunkte: die Löcher 12 (Par 4; 372/311 m) und 13 (Par 4; 274/223 m), zwei herrliche, inmitten des Schönbuchs gelegene Bahnen.

Wer zu den „Leading“ Golfclubs in Deutschland gehört, der achtet auf alle Details – wie die liebevolle Gestaltung der Abschläge.

Wer zu den „Leading“ Golfclubs in Deutschland gehört, der achtet auf alle Details – wie die liebevolle Gestaltung der Abschläge.

Danach wird es wieder etwas lichter, wobei man auf den Schlussbahnen tunlichst die Fairways treffen sollte. Denn die werden von dichten, undurchdringlichen Buschreihen und Wiesen begrenzt. Eine sportliche Herausforderung stellt kurz vor Schluss die 17 dar, ein langes Par 4 (393/326 m), das sich die Vorgabe 2 redlich verdient. In der Drivezone lauert links ein See, rechts vom Fairway verschlingt der Wald jeden Ball.

Nur etwas gemütlicher wird’s auf der 18 (Par 4; 335/292 m) – wobei man einen Slice vermeiden sollte, denn rechts ist Aus! Übrigens: Gleich rechts neben dem Herrenabschlag der 18 steht eine rote Telefonzelle, deren Leitung mit der Gastronomie verbunden ist – man kann also von hier aus schon bestellen. Nach dem letzten Putt steht das Getränk dann bereits auf dem frisch eingedeckten Tisch.

Nicht nur dann sagt die innere Stimme: Hier wurde vieles richtig gemacht!