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HuLoPo: 16 Stunden, 482 Schläge

Beim 50. Jubiläum des kultigen Hundert-Loch-Pokals (HuLoPo) wagte das GOLF MAGAZIN den Selbstversuch und spielte 100 Löcher an einem Tag! Ein wahrer Golf-Marathon, der selbst am Ende noch Spaß gemacht hat – trotz Blasen und Muskelkater

Nahezu hellwach liege ich um 21 Uhr im Bett und versuche mir müde Gedanken zu machen. Der Wecker klingelt in nur knappen fünf Stunden. Denn für den Hundert-Loch-Pokal (HuLoPo) im Hamburger Golfclub Falkenstein muss man früh aufstehen: Kanonenstart ist um 4:20 Uhr. Doch das mit dem Müdewerden klappt irgendwie nicht, ganz im Gegenteil. Ich bekomme ein wenig Muffensausen: Hatte ich mich Wochen zuvor hoch motiviert für das besondere Turnier angemeldet, kommen mir kurz vorher doch einige Zweifel. Schaffe ich das überhaupt? Reichen drei Paar Schuhe? Habe ich die richtigen Sachen dabei? Doch bevor ich mich weiter verrückt machen kann, schlafe ich tatsächlich ein.

HuLoPo

Mitten in der Nacht auf dem Parkplatz des Hamburger Golfclub Falkenstein. Die ersten Golfer sind da und entladen ihre Autos.

Um 2:20 Uhr weckt mich mein Lieblingslied. Entgegen aller Erwartungen, bin ich hellwach! Ich packe meine letzten Sachen zusammen und entscheide mich nach einem Blick aus dem Fenster, mir auch direkt die Regenhose anzuziehen. Der HuLoPo findet traditionell immer an einem der längsten Tage des Jahres statt. Im Sommer also. Aber an diesem Morgen sind es gerade einmal acht Grad und es regnet in Strömen. Kurz nach drei Uhr komme ich auf der Anlage des GC Falkenstein an. Außer mir ist bisher nur Starter Henning Soostman da. Er begrüßt mich mit einem festen Händedruck und sagt: „Guten Morgen! Die erste Dame wäre also schon da!“  In den nächsten Minuten trudeln die anderen „Golfverrückten“ ein. Manche haben optimistisch kurze Hosen an, andere nur ein Tragebag auf dem Rücken. Alle sind trotz der Tageszeit gut gelaunt, nehmen andere Teilnehmer herzlich in den Arm. Viele der 31 Teilnehmer kennen sich schon lange, spielen dieses Turnier seit Jahren mit. Unter ihnen auch Norbert Thrams – er spielt in diesem Jahr bereits zum 30. Mal mit. Eigentlich zum 31. Mal. „Aber 2008 musste wegen zu starken Regens abgebrochen werden. Das zählt ja nicht“, lacht der 58-Jährige.  Das ist das einzige Mal, dass das Turnier abgebrochen werden musste.

Auf der Bank vor dem Proshop sitzt nun Henning Soostman und ruft die einzelnen Teilnehmer auf, damit sie die ersten drei Scorekarten abholen können. Als er zuerst Kerstin Wywiol-Schlange und dann meinen Namen aufruft, gibt es Applaus von den übrigen Teilnehmern: Wir sind die einzigen beiden Frauen und dürfen von Tee 1 starten.

Als wir kurze Zeit später abschlagen, ist es noch fast nachtdunkel. Ich sehe die Hand vor Augen, wohin mein Ball fliegt allerdings nicht. Nachdem ich direkt einen provisorischen Ball spiele, lerne ich die wichtigste aller HuLoPo-Regeln: Wenn ein Ball weg ist, wird nicht lange gesucht, sondern dort ein neuer Ball fallen gelassen, wo der andere verloren ging. Klar, denn es muss ja schnell gehen heute! Und Kerstin, meine Flightpartnerin, legt einen ganz schönen Zahn zu! Sie bekommt heute ihre Ehren-Plakette. Denn dies ist die zehnte Teilnahme der 53-Jährigen. Das letzte Mal ist allerdings knapp zwölf Jahre her: die Geburten ihrer zwei Kinder und gesundheitliche Probleme hatten zu der Pause geführt. An diesem Morgen wirkt sie hoch motiviert, fit und voller Vorfreude auf die Plakette. Nachdem ich meinen ersten, verloren geglaubten Ball doch wiederfinde, habe ich Probleme Kerstin zu folgen. Sie läuft in einem rasanten Tempo von Ball zu Ball und schlägt ihre Bälle ohne Probeschwünge. Ich frage sie, ob sie das immer so macht. „Das habe ich hier gelernt. Sonst schaffe ich die 100 Löcher nicht!“ Denn darum geht es: Kräfte einteilen. Anders als man es in Hamburg erwarten würde, ist der Golfplatz Falkenstein nämlich kein flacher Parcours. Es gibt einige Steigungen und Hänge zu bewältigen. Einen solchen Aufgang gibt es auch auf der 18 – schon beim ersten „Aufstieg“ weiß ich, dass ich diesen in der letzten Runde verfluchen werde.  Die ersten 18 Bahnen schaffen wir schnell: trotz Dunkelheit und Dauerregen. Ab und zu tropft ein wenig Regenwasser von meiner Kappe. Sonst aber hält meine Regenkleidung, was sie verspricht und auch meine Schuhe haben noch kein Wasser aufgesaugt. Nach anfänglichen Problemen komme ich nun besser ins Spiel und gleiche mich an Kerstins zügigen Gang an. Nach den ersten 18 Bahnen geht es direkt wieder zu Bahn 1: was überraschend gut klappt, wenn man bedenkt, dass ich um diese Zeit normalerweise aufstehe. Es regnet noch, aber irgendwie hat man sich daran gewöhnt. Kerstin erzählt mir, dass der HuLoPo früher im Wechsel auf verschiedenen Plätzen rund um Hamburg stattgefunden hat und früher nach der ersten Pause nach 36 Löchern auch die Flights getauscht wurden. Das ist heute anders: Wir spielen unsere 5,5 Runden heute alle zusammen.