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Besser spielen mit Jack Nicklaus: Sieg ist Sieg!

… und dabei ist der Vorsprung unerheblich. Golf-Legende Jack Nicklaus erklärt Ihnen, wie er die US Open 1962 im Stechen gewinnen konnte…

In den ganz wichtigen Runden habe ich immer versucht, einen soliden Start hinzulegen, keinen heroischen. Nach ein paar gespielten Löchern legt sich die Nervosität und dann kann man einfach drauf los spielen. Meistens steigen Druck und Anspannung erst ab der 14. oder 15. Bahn wieder spürbar. Einige Spieler wollen die Konkurrenz unbedingt deklassieren und treten dementsprechend früh aufs Gas. Tiger Woods war als Tour-Neuling so drauf und heute sieht man diese Herangehensweise gelegentlich bei Rory McIlroy.

Mein Fall war das nie. Wenn man übertrieben selbstbewusst in die Runde startet, ist man

anfällig für Fehler. Sie versuchen, den Sack in einem Match zuzumachen? Dann sind Sie gut beraten,

sich an meiner Vorstellung bei den US Open 1962 in Oakmont zu orientieren, wo ich im Stechen gegen Arnold Palmer gewann. Die Entscheidung fiel auf der 18. Bahn (hier abgebildet, Par 4). Ich war damals erst 22 und hatte noch kein Profi-Turnier gewonnen. Noch heute bin ich stolz darauf, dass ich damals einen klaren Kopf behalten habe.

Nervöser Abschlag

Das Stechen bei den US Open wird über volle 18 Löcher gespielt. Nach 17 Bahnen hatte ich zwei Schläge Vorsprung gegen Palmer. Auf der 18 platziert Arnold seinen Drive in der Mitte des Fairways; ich pulle meinen Abschlag und lande links im Rough. Palmer schlägt zuerst und trifft sein Eisen 3 fett, der Ball kommt bis kurz vor das Grün. Ich entscheide mich dafür, ein Wedge auf das Fairway zu schlagen.

Unbedingt zu vermeiden

Der Bunker links auf dem Fairway war ausschlaggebend für meine Entscheidung, das Grün nicht „in Regulation“ anzugreifen. Würde ich beim Versuch, den Bunker im Flug zu überspielen, scheitern, würde mich der schwerste aller Golfschläge erwarten: ein Bunkerschlag aus 50 Metern zum Grün. Das kann ganz schnell schiefgehen und ich liefe Gefahr, einen Chip plus zwei Putts zu benötigen und damit ein Doppelbogey zu kassieren. Palmer könnte mit einem geretteten Par noch gleichziehen. Ein sicher auf das Fairway vorgelegtes Wedge garantiert mir einen spielbaren dritten Schlag. Und den brauche ich in dieser Situation.

Gute Planung zahlt sich aus

Nachdem ich mit meinem dritten Schlag das Grün getroffen habe, bleibt Palmer nichts anderes übrig, als den Chip-in zu versuchen. Es gelingt ihm nicht, er unterschreibt schließlich eine 6. Heute weiß ich, dass meine Strategie auch dann richtig gewesen wäre, wenn Palmer das Grün mit dem zweiten Schlag getroffen hätte. Auch dann hätte ich es darauf ankommen lassen sollen, dass ihm nicht das Birdie gelingt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich wirklich so gehandelt hätte. Immerhin war ich erst 22. Normalerweise dauert es viele Jahre, zu erkennen, wann man sein Ego besser ausschaltet. Auch ich war nicht immun gegen diese Falle.

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