Im Internet locken unzählige Online-Shops, mit oft aggressiven Preisen – warum sollte ich als Golferin oder Golfer in eine Filiale von Golf House gehen?
Das ist relativ einfach: Vor allem bei beratungsintensiven Produkten wie Schläger, Trolleys oder Lasergeräten können wir vor Ort den sinnvollen Einsatz für den Kunden erläutern. Diese qualifizierte, auf die Wünsche des Golfers abgestimmte Beratung kann man im Netz nicht bekommen. Dazu kommt der persönliche Austausch mit anderen Golfern und unseren Mitarbeitern – das schafft Nähe und Vertrauen. Außerdem sprechen wir dort auch das Herz an und nicht nur den Preis. Das ist nicht unser Geschäftsmodell.
Vor 50 Jahren startete Golf House zunächst als Versandhändler. Welche Bedeutung hat das Versand-Business für Sie heute?
Das Versand-Business hat heute wieder eine sehr viel größere Bedeutung als früher. Filialen bilden zwar weiterhin das Rückgrat unseres Geschäftsmodells, aber online ist für uns ein ganz wichtiger Kanal – auch, um Marken oder Preisflexibilität auszuprobieren. Gleichzeitig gibt es Themen wie Fitting, die wir online nicht abbilden können.
Golf House ist inzwischen auch in Österreich und Tschechien aktiv. Warum fiel die Wahl damals ausgerechnet auf die Tschechische Republik?
Das war letztlich eine Opportunität, die sich ergeben hat. Für uns war Tschechien zugleich ein Pilotmarkt, weil Internationalisierung für ein Handelsunternehmen nicht ganz einfach ist. Ein kleiner, überschaubarer Markt ist dafür risikoärmer. Das hat sehr gut funktioniert. Andere Länder wie Frankreich, Dänemark oder die Schweiz waren ebenfalls Optionen – aber Märkte ticken sehr unterschiedlich.
Chance oder Herausforderung?
Sie wurden 2004 Geschäftsführer – in turbulenten Zeiten mit mehreren Eigentümerwechseln. War das eher Chance oder Herausforderung?
Sowohl als auch. Bei Eigentümerwechseln ist es eher die Ausnahme, dass die Geschäftsführung mitgeht. Entscheidend war am Ende wohl, dass mein Sanierungskonzept und meine Vision für Golf House überzeugt haben. Natürlich war das eine Herausforderung, weil nie gesichert war, dass man weitermachen darf. Gleichzeitig war es aber auch eine große Chance. Intern war die größere Aufgabe, den Mitarbeitern zu vermitteln, dass wir trotz dieser Phase eine gute Zukunft haben.
Wir merken schon, dass Golf gerade bei neuen Zielgruppen einen positiven Imagegewinn erlebt.
Das Sortiment reicht von klassischen bis zu sehr trendigen Marken. Wie breit ist die Auswahl heute eigentlich?
Wir haben eine sehr breite Markenvielfalt – von Klassikern bis zu Labels wie Adidas Golf Originals oder Malbon. Dazu kommen unsere Eigenmarken Daniel Springs und Valiente, die wir inhouse entwickeln. Damit sprechen wir sehr unterschiedliche Zielgruppen an – von jungen, modeaffinen Golfern bis zu klassischen Spielern. Wir merken schon, dass Golf gerade bei neuen Zielgruppen einen positiven Imagegewinn erlebt.
Wechseln wir zu einem wichtigen, aber von vielen Golfspielern offenbar immer noch unterschätzten Thema: Fitting. Diesen Service bietet Golf House in jeder Filiale an – hilft so eine individuelle Schlägeranpassung jedem Spielertyp und was bezahlt man dafür?
Unsere Fittingleistung berechnen wir mit 75 Euro für 60 Minuten, die beim Kauf angerechnet werden. In unseren Filialen arbeiten wir mit Trackman-Technologie. In dieser Zeit konzentriert sich der Mitarbeiter komplett darauf, das Golfspiel des Kunden zu verbessern. Entscheidend ist dabei, sich gut in die Bedürfnisse des Kunden hineinzudenken. Wo liegt konkret das Problem? Möchte jemand mehr Länge, mehr Konstanz oder mehr Komfort? Oder anders gesagt: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.
Austausch auf Augenhöhe
Früher ging man in den Shop und ließ sich beraten – heute kommt die Kundschaft oft bestens vorinformiert aus dem Netz. Ist der klassische Verkäufer im Golfhandel ein Auslaufmodell?
Ganz und gar nicht. Das Thema heute lautet eher: »Sparring«. Der Kunde kommt informiert in die Filiale und sucht den Austausch auf Augenhöhe. Viele wollen uns bewusst als Experten challengen und fragen: »Wie schätzt du das ein?« oder »Ist das wirklich das richtige Produkt für mich?« Genau darin sehen wir die Zukunft des Verkaufsberaters. Wir stehen nicht nur für die Qualität unseres Sortiments, sondern auch für die Qualität unserer Mitarbeiter und Beratung. Für reine Schnäppchenkäufer ist Golf House vielleicht nicht die erste Wahl – aber das ist auch nicht unser Geschäftsmodell.
Wir glauben, dass Konsum heute deutlich emotionaler ist – gerade bei Produkten wie Schlägern oder Elektro-Trolleys.
Wird aktuell emotionaler gekauft (»haben wollen«) oder rationaler (»brauche ich wirklich«)?
Wir glauben, dass Konsum heute deutlich emotionaler ist – gerade bei Produkten wie Schlägern oder Elektro-Trolleys. Deshalb ist die Filiale für uns ein »Point of Excitement«, wo wir diese Themen inszenieren. Dazu gehört das ganze Leistungspaket: Beratung, Fitting, After-Sales-Service oder unsere Schlägergarantie. Der Kunde kauft am Ende ein Gesamtpaket – und das ist in hohem Maße emotional.
Mode wird progressiver und innovativer
In den Shops hat sich modisch viel getan – Hoodies, Mocks & Co gehören zum neuen Standard. Oder hält der Kunde noch am Poloshirt-Einerlei fest?
Da gibt es einen ganz deutlichen Trend. Wir verkaufen zum Beispiel Wide-Leg-Pants extrem gut. Die Mode wird progressiver und innovativer – und das finden wir cool. Gleichzeitig gibt es natürlich noch Regularien in vielen Clubs. Das Top, mit dem Nelly Korda die Chevron Championship gewonnen hat, dürfte man auf manchen Anlagen nicht tragen. Aber man merkt schon, dass Bewegung im Markt ist und Golfmode heute deutlich offener gedacht wird. Gerade neue Zielgruppen suchen genau diese neuen Formen und Farben.
Stichwort Lifestyle – wie stark ist der Wunsch, sich über Kleidung auf und abseits des Platzes zu inszenieren?
Ich glaube, das kommt jetzt erst richtig ins Rollen. Influencer und Marken wie Malbon erreichen plötzlich ganz andere Zielgruppen und machen Golf auch außerhalb des Sports sichtbar. In Deutschland geht man noch ein bisschen zögerlich um, sich als Golfer zu outen, aber das ändert sich gerade. Golf löst sich langsam aus diesem klassischen Bild der Wirtschaftselite – und das empfinden wir als sehr hilfreich.
Vor allem jüngere Menschen erwarten heute mehr Flexibilität – und genau die müssen Clubs und Anlagen künftig stärker anbieten.
Sprechen wir über den Markt: Golf boomte in der Pandemie – jetzt normalisiert sich vieles. War das ein nachhaltiger Schub oder nur ein kurzfristiger Boom?
Die demografische Entwicklung wird uns herausfordern, weil Golf als Sport tendenziell überaltert ist. Gleichzeitig glaube ich aber, dass es nach wie vor viele Golfinteressierte gibt. Die entscheidende Frage ist eher: Haben wir die richtigen Angebote für sie? Vor allem jüngere Menschen erwarten heute mehr Flexibilität – und genau die müssen Clubs und Anlagen künftig stärker anbieten.
Warum nicht öfter 9-Loch-Angebote?
Wie könnte diese Anpassungsfähigkeit in der Praxis aussehen?
Wir müssten uns eigentlich eher aufstellen wie Fitnessclubs. Nehmen wir den Padel-Boom: Du buchst einen Platz, bringst Freunde mit und spielst einfach. Genau diese Flexibilität fehlt Golf teilweise noch. Warum nicht öfter 9-Loch-Angebote? Warum kann man nicht einfach mal ein befreundetes Pärchen mit auf den Platz nehmen, damit die Golf kennenlernen? Aber da müssen wir offener werden.
Golf House betreibt inzwischen 32 Filialen in drei Ländern. Gibt es noch weiße Flecken – oder eher neue Modelle?
Wenn ich sagen würde »Mission accomplished«, wäre das Stillstand – und Stillstand ist nie gut. In Deutschland haben wir die wichtigsten Standorte im Großen und Ganzen besetzt. Spannend finden wir alternative Modelle und Kooperationen mit Clubs und Golfschulen, etwa mit der Wendlohe in Hamburg, dem Club zur Vahr in Bremen oder dem Kölner Golfclub. Gleichzeitig schauen wir uns weiterhin Möglichkeiten im Ausland an. Wichtig ist dabei immer, dass es zu unserem Qualitätsanspruch passt. Unser Kerngeschäft bleiben aber die großen eigenen Filialen und der Online-Shop.
Wenn jemand viel Geld für ein Produkt ausgibt, soll er am Ende auch wirklich zufrieden sein.
Das Besondere an Golf House ist das Thema Garantien, richtig?
Ja, das ist einer unserer USPs. Wir bieten u.a. eine sechswöchige Schlägergarantie an. Sollte sich ein Kunde mit einem Schläger trotz Beratung und Fitting nicht wohlfühlen, tauschen wir das Produkt aus und gehen nochmal an das Thema ran. Ein ähnliches Modell gibt es auch bei Schuhen mit unserer Passformgarantie. Und wenn ein Elektro-Trolley repariert werden muss, stellen wir für diese Zeit ein Leihgerät zur Verfügung und lassen ihn mit dem Problem nicht allein. Uns liegt die Zufriedenheit des Kunden sehr am Herzen. Wenn jemand viel Geld für ein Produkt ausgibt, soll er am Ende auch wirklich zufrieden sein.
50 Jahre Golf House – worauf sollen sich die Kunden in Zukunft freuen?
Wir wollen Golf House weiterentwickeln, neue Zielgruppen für Golf begeistern und unseren Kunden auch künftig ein starkes Gesamtpaket aus Produkt, Beratung, Service und Einkaufserlebnis bieten. Jetzt freuen wir uns aber erstmal darauf, das Jubiläum gemeinsam mit unseren Kunden zu feiern.
50 Jahre Golf House
- 1976 gründete Peter Ondruska Golf House zunächst als Versandhandel.
- 1981 eröffnete in Hamburg das erste stationäre Geschäft.
- 2026 betreibt Golf House 32 Filialen in Deutschland, Österreich und Tschechien.
- Zum Angebot gehören individuelles Fitting, Werkstattleistungen und verschiedene Servicegarantien.
- Mit den Eigenmarken Daniel Springs und Valiente entwickelt Golf House seit mehr als 30 Jahren eigene Modekollektionen.
Mehr zu den Jubiläumsaktionen auf: golfhouse.de
