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Werbe-Gau bei Good Good Golf und Callaway

Ein vermeintlich witziger Werbespot für einen Callaway-Driver entwickelt sich für Good Good Golf zum Desaster. Große Händler nehmen Produkte aus dem Sortiment, eine TV-Serie wird gestrichen, die Partnerschaft mit Callaway endet – und nun verlassen auch CEO Matt Kendrick und Präsident Joe Flannery das Unternehmen. Doch auch Callaway trägt Verantwortung für den Eklat.

Werbe-GAU mit Folgen: Der umstrittene Driver-Spot von Good Good Golf und Callaway löste heftige Kritik aus. Der Clip wurde gelöscht, die Partnerschaft beendet – und die Affäre zog weitreichende personelle und wirtschaftliche Konsequenzen nach sich. (Foto: KI-generiert)

Was als humorvolle Werbung für einen gemeinsam vermarkteten Driver gedacht war, hat sich zu einem der größten PR-Debakel der jüngeren Golfbranche entwickelt. Am 21. August veröffentlichte Good Good Golf einen rund einminütigen Spot für den gemeinsam mit Callaway entwickelten Quantum Driver. Darin greift die Good-Good-Golferin und Content-Creatorin Alexis Miestowski nach dem Schläger. Mitgründer Garrett Clark läuft auf sie zu, stößt sie zu Boden und warnt sie anschließend davor, seinen neuen Driver anzufassen.

Der Clip sollte nach Angaben der Beteiligten eine Anspielung auf den Horrorfilm »Obsession« sein. Im Netz kam die vermeintliche Parodie jedoch völlig anders an. Good Good und Callaway wurde vorgeworfen, Gewalt gegen Frauen als humoristisches Werbemittel einzusetzen. Der Spot wurde schnell gelöscht – die Empörung blieb.

Was ist Good Good Golf?

Die Dimension der Affäre erklärt sich auch durch die Bedeutung, die Good Good inzwischen in der Golfbranche besitzt. Was 2020 als YouTube-Projekt einer Gruppe junger Golf-Enthusiasten begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einer Medien-, Lifestyle- und Handelsmarke mit Millionenpublikum.

Das Geschäftsmodell verbindet reichweitenstarke Videos und Social-Media-Content mit Bekleidung, Equipment, Events und Kooperationen. 2025 sammelte Good Good in einer Finanzierungsrunde 45 Millionen Dollar ein. Zu den Investoren gehörte unter anderem Omaha Productions, das Medienunternehmen von NFL-Legende Peyton Manning. Seit 2023 arbeitete Good Good zudem eng mit Callaway zusammen – neben gemeinsamen Inhalten entstanden auch co-gebrandete Golfprodukte.

Die Ambitionen gingen inzwischen weit über YouTube hinaus. Good Good war im Fernsehen präsent, investierte in den Los Angeles Golf Club der TGL und sollte im November erstmals als Titelsponsor eines PGA-Tour-Turniers in Austin auftreten.

Dann kam der Werbespot.

Händler ziehen Good-Good-Produkte aus dem Verkauf

Die Konsequenzen folgten schnell. Golf Galaxy und dessen Mutterkonzern Dick’s Sporting Goods entfernten Good-Good-Produkte aus ihren Verkaufsflächen und Online-Shops. Auch Filialen der PGA Tour Superstore nahmen Artikel der Marke aus dem Verkauf. Berichten zufolge verschwand Good Good zudem bei Target aus den Regalen.

Besonders bitter für die auf Expansion ausgerichtete Marke: Der Golf Channel stoppte »Big Break x Good Good«, eine bereits produzierte Neuauflage der bekannten Reality-Serie. Und auch das Engagement auf der PGA Tour ist Geschichte. Good Good zog sich als Titelsponsor des für November geplanten Turniers in Austin zurück. Aus der Good Good Championship wurde die Austin Championship.

Callaway beendet die Zusammenarbeit – trägt aber Mitverantwortung

Am 27. August zog schließlich Callaway die Reißleine und beendete die seit 2023 bestehende Partnerschaft mit Good Good. Gleichzeitig kündigte der Hersteller an, eine Million Dollar an Organisationen zu spenden, die sich gegen Gewalt gegen Frauen einsetzen und Betroffene unterstützen.

Ganz so einfach kann Callaway die Verantwortung allerdings nicht beim ehemaligen Partner abladen.

Zwar wurde der Spot von Good Good produziert. Callaway-CEO Chip Brewer räumte jedoch ausdrücklich ein, dass sein Unternehmen das Video vor der Veröffentlichung freigegeben hatte. Diese Freigabe hätte niemals erfolgen dürfen, erklärte Brewer. Callaway leitete interne und externe Untersuchungen ein und verschärfte nach eigenen Angaben die Freigabeprozesse.

Auch personell hatte der Vorfall Konsequenzen: Callaways Director of Content and Production Alex Upegui, der Medienberichten zufolge zu den ranghöchsten Callaway-Mitarbeitern gehörte, die den Spot freigegeben hatten, verließ das Unternehmen.

Good-Good-CEO Matt Kendrick reagierte auf das Ende der Partnerschaft ungewöhnlich deutlich. Callaway habe Good Good aufgefordert, die Werbung zu produzieren, sie anschließend genehmigt und danach versucht, Good Good die Verantwortung zuzuschieben, schrieb er öffentlich. Gleichzeitig bestritt Kendrick die eigene Verantwortung nicht: Good Good habe einen schrecklichen Werbespot produziert.

Good Good tauscht die Führung aus

Inzwischen hat die Affäre auch die Unternehmensspitze erreicht. CEO und Mitgründer Matt Kendrick sowie Präsident Joe Flannery haben Good Good verlassen. Mitgründer und früher Investor Nahid Giga übernimmt vorerst als Interim-CEO.

Bereits zuvor waren mindestens zwei Mitarbeiter von Good Good entlassen worden, darunter der für Marke und Marketing zuständige Vice President Jeffrey Lefkovits. Kendrick hatte eingeräumt, den fertigen Spot selbst vor dessen Veröffentlichung nicht gesehen zu haben.

Bemerkenswert: Garrett Clark, der Mitgründer und reichweitenstarke Kopf der Marke, der in dem Spot die zentrale Rolle spielte, bleibt Teil von Good Good. In einem rund neunminütigen Entschuldigungsvideo bezeichnete er den Clip später selbst als den »schlimmsten Werbespot überhaupt« und distanzierte sich ausdrücklich von häuslicher Gewalt und Missbrauch.

Ein Spot mit enormen Folgen

Damit hat ein rund einminütiger Werbeclip innerhalb von knapp zwei Wochen beträchtlichen Schaden angerichtet: Die jahrelange Zusammenarbeit zwischen Good Good und Callaway ist beendet, wichtige Handelspartner haben reagiert, eine TV-Produktion wurde gestoppt, ein PGA-Tour-Sponsoring aufgegeben und mehrere Führungskräfte und Mitarbeiter verloren ihre Positionen.

Die Verantwortung allein bei Good Good zu suchen, greift dennoch zu kurz. Das Unternehmen entwickelte und produzierte einen Spot, dessen Problematik offenbar mehrere interne Kontrollinstanzen überstand. Callaway wiederum sah das fertige Video – und gab es frei. Erst nachdem die öffentliche Empörung eingesetzt hatte, distanzierte sich der Hersteller zunehmend von seinem Partner.

Der Werbe-GAU ist deshalb nicht nur eine Geschichte über einen misslungenen Witz. Er ist auch ein Lehrstück darüber, was passieren kann, wenn bei zwei professionell geführten und wirtschaftlich bedeutenden Marken offenbar niemand rechtzeitig die einfachste Frage stellt: Sollten wir das wirklich veröffentlichen?