Kobold beendet seine Amtszeit 2027
Lange wurde darüber spekuliert, jetzt ist es offiziell: Beim Deutschen Golf Verband steht ein Machtwechsel bevor. Präsident Claus M. Kobold wird beim Verbandstag am 24. April 2027 nicht erneut kandidieren. Nach zwölf Jahren an der Spitze des DGV macht der Funktionär den Weg frei. Auch sein langjähriger Stellvertreter Achim Battermann zieht sich zurück.
Über einen Abschied Kobolds wurde in der deutschen Golfszene schon seit geraumer Zeit spekuliert. Nun herrscht Klarheit. Mit dem Rückzug des Führungsduos geht eine Ära zu Ende, die 2015 begann. In diese Zeit fallen steigende Mitgliederzahlen, die Weiterentwicklung der Nachwuchsförderung sowie Initiativen in Sachen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Sportlicher Höhepunkt war die olympische Silbermedaille von Esther Henseleit 2024 in Paris.
Das sind die Nachfolger
Während diese Themen den Verband beschäftigen, werden an der Spitze bereits die Weichen für die Zukunft gestellt. Bernhard May, 59, Präsident des Golf Club Würzburg, Mitglied des DGV-Präsidiums und Präsident der Leading Golf Clubs of Germany, will Claus M. Kobold beerben.
Für den Posten des Stellvertretenden Präsidenten kandidiert Michael Marbler, 62, Präsident des Baden-Württembergischen Golfverbandes. Beide Kandidaten haben bereits die Unterstützung des mächtigen DGV-Länderrats im Rücken. Eine Formsache ist die Wahl damit allerdings noch nicht. Weitere Kandidaturen sind möglich, die endgültige Entscheidung fällt beim DGV-Verbandstag im April 2027.
Doch der angekündigte Führungswechsel fällt in eine Phase, in der sich der DGV mit mehreren kritischen Themen auseinandersetzen muss.
Fall Siemens: Untersuchungsergebnisse demnächst
Der Fall Carl Siemens beschäftigt den Deutschen Golf Verband weiterhin. Die umstrittene Reamateurisierung des ehemaligen Professionals, sein Einsatz für den Golf Club St. Leon-Rot in der Deutschen Golf Liga (DGL) und die anschließende gerichtliche Auseinandersetzung haben Fragen zum Umgang mit den eigenen Regularien aufgeworfen.
Mit der Aufarbeitung befasst sich Rechtsanwältin Katharina Dierlamm, die beim DGV als Good-Governance-Beauftragte und Vorsitzende des Kontroll- und Schlichtungsausschusses fungiert. Die Juristin untersucht seit einigen Wochen den Fall und befragt im Prinzip alle. Welche Konsequenzen die Angelegenheit für den Verband noch haben wird, bleibt abzuwarten. Die Ergebnisse, so heißt es, sollen zeitnah präsentiert werden.
Das sagt der DGV: „Der Verband hat sich nach dem Final Four der Deutschen Golf Liga 2026 unmittelbar dazu entschieden, das verbandsinterne Verfahren, das zuletzt zu der Entscheidung des Landgerichts Wiesbaden geführt hat, die Herrenmannschaft des Golf Club St. Leon-Rot im Wege der einstweiligen Verfügung vom Teilnahmerecht am Final Four 2026 auszuschließen, unabhängig und objektiv überprüfen zu lassen. Deshalb hat das Präsidium bereits im August dieses Jahres die Good-Governance-Beauftragte des Verbandes, Rechtsanwältin Katharina Dierlamm, damit beauftragt, den Sachverhalt aufzuklären. Zum Ergebnis ihrer Überprüfung wird zu gegebener Zeit in Abstimmung mit der Good-Governance-Beauftragten informiert.“
HotelPlanner Tour: Kritik an der Vergabe von Tauschspots
Doch damit nicht genug. Ein weiterer Brandherd liegt ausgerechnet im sportlichen Bereich. Im Mittelpunkt stehen DGV-Sportvorstand Marcus Neumann, Chef-Bundestrainer Christoph Herrmann und Bundestrainer Ulrich Eckhardt.
Für Unmut sorgt – wie der Podcast Tee Time in der aktuellen Ausgabe berichtet – ein Schreiben aus dem Spielerkreis rund um die Vergabe der sogenannten Tauschspots auf der HotelPlanner Tour. Die Pros bemängeln u.a. mangelnde Transparenz bei dem Prozess. Zusätzliche Brisanz erhält die Diskussion durch Fragen nach der Nähe von Bundestrainer Ulrich Eckhardt zu der Management-Agentur Forma. Dass diese Konstellation kritisch gesehen wird, darauf wurde der DGV bereits von anderen Spielerberatern 2025 hingewiesen.
Bei der Open de Portugal (17. – 20. September) kam es zu ernsthaften Diskussionen zwischen Spielern und Bundestrainer Eckhardt. Letzterer war bei dem Turnier allerdings, so der Kenntnisstand von GM, nicht für die Tauschspots verantwortlich, sondern sein Kollege Herrmann. Schlussendlich folgte das Schreiben, gepaart mit heftigen emotionalen Auseinandersetzungen diverser Beteiligter. Der Verband reagierte: Eckhardt, der vorwiegend die Kader-Athleten im Profibereich betreut, wurde nach GM-Informationen vorerst von seinen Aufgaben entbunden. Die Reise nach Abu Dhabi übernahm Christoph Herrmann, China wurde komplett gecancelt, und zum Grand Final im November dürfte ebenfalls ein Eckhardt-Ersatz fliegen.
Das sagt der DGV zu den Themen Tauschspots – Interessenkonflikte – Personalie Eckhardt:
„Es ist richtig, dass sich mehrere Spieler (Golfprofessionals) mit einem Schreiben an den Verband gewandt haben, in dem sie die Vergabe von Invites auf der Hotel Planner Tour thematisieren und einen Vorschlag für ein geändertes künftiges Vergabesystem machen.
Da das Schreiben dem Verband über die Good-Governance-Beauftragte zukam, wurden darin angesprochene Sachverhalte ebenfalls zum Gegenstand einer Prüfung durch sie gemacht. Bereits zuvor hat der Verband eine Überprüfung auf den Weg gebracht und Beratungen aufgenommen. Soweit in dem Schreiben Vorschläge u. a. für eine künftige Vergabe so genannter „Invites“ gemacht werden, wird der Verband das Gesprächsangebot der Spieler gern annehmen.
Eine Freistellung im arbeitsrechtlichen Sinne gibt es nicht. Der Verband befindet sich zu dem angesprochenen Sachverhalt gerade in einer Prüfung. Nach Abschluss werden wir über Ergebnisse informieren. Mit Ulrich Eckhardt ist das Vorgehen dementsprechend abgestimmt.“
DGV in schwieriger Phase
Nun richtet sich der Blick gespannt auf die Untersuchungsergebnisse von Dierlamm. Dass diese auch personelle Konsequenzen nach sich ziehen könnten, erscheint durchaus denkbar. Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Sportvorstand und seinen beiden Bundestrainern gilt als erheblich belastet. Ohnehin scheint die gesamte DGV-Führung seit der Siemens-Affäre unter Druck zu stehen. Zugleich drängt sich der Eindruck auf, dass die Arbeit in der Verbandszentrale an Dynamik verloren hat. Insgesamt befindet sich der Verband in einer ausgesprochen schwierigen Phase – sowohl für die derzeit Verantwortlichen als auch für jene, die ab April die Führung übernehmen möchten.
