Es scheint, als hätte die vierjährige Reise von LIV Golf ein endgültiges Ende gefunden. Mehreren Medienberichten zufolge hat das Private-Equity-Unternehmen BC Partners seinen Plan, 300 Millionen US-Dollar in das ehemals saudische Projekt zu investieren, zurückgezogen.
Die Investitionssumme war an die Bedingung gekoppelt, dass eine „kritische Masse“ an Spielern bei der Neuauflage LIV 2.0 unterschreibt.
Etwa 15 Spieler hatten laut Golf Channel zumindest Interesse gezeigt, weiter an der neuen Golfliga beteiligt sein zu wollen. Der prominenteste dieser Spieler war der US-Amerikaner Bryson DeChambeau. Ob es noch weitere Gründe für den Rückzug des Investors gibt, ist unklar.
Neben DeChambeau hatten offiziell Richard Bland (ENG), Cameron Tringale, Brendan Steele und Ben Campbell (alle USA) ihre Zusagen öffentlich geäußert. Laut mehreren Quellen werden die Anwälte von LIV Golf bereits am Donnerstag bei einem Insolvenzrichter die nächsten Schritte einleiten. Der Geschäftsbetrieb soll „heruntergefahren“ werden.
Guy Kinnings: »Ziel […] war, die DP World Tour zu zerstören«
In einem Interview mit The Scotsman das am 3. November erschien, sprach der CEO der DP World Tour Guy Kinnings davon, dass LIV Golf die DP World Tour zerstören wollte. Neben Spielern wurden auch Sponsoren von der europäischen Tour abgeworben.
»Aber wir müssen die Tour auch vor einer Organisation schützen, die – so wurde uns gesagt – über sieben Milliarden Dollar ausgegeben hat und deren Ziel unter anderem war, »die DP World Tour zu zerstören«. Das habe ich von so vielen verschiedenen Leuten gehört, mit denen sie gesprochen haben, die ich seit über 30 Jahren aus dem Golfsport kenne und denen ich bedingungslos vertraue« so Kinnings.
Die Aussagen von Kinnings wurden am Mittwoch vor dem ersten Play-off-Turnier in Abu Dhabi nochmals von McIlroy gestützt. Auf der Pressekonferenz sagte der sechsmalige Major-Sieger: »Sie haben Spieler abgeworben, sie haben Sponsoren abgeworben, sie haben den Profigolfsport in ein Wettrüsten verwandelt. Sie sind in Augusta herumgelaufen und haben erzählt, dass sie die European Tour zerstören wollen.«
Von wem die Aussagen über den Zerstörungswillen stammen sollen, ließen sowohl Kinnings als auch McIlroy weg.
Auch PGA-Tour-Spieler profitierten von LIV
»Einen Teil des Geldes haben sie sicherlich richtig eingesetzt und die International Series auf der Asian Tour ins Leben gerufen – ein paar Jahre lang großartig, aber wo stand die Asian Tour am Ende? Sie haben sie im Regen stehen lassen. Die Asian Tour ist in die etablierten Strukturen zurückgekehrt und hat eine Partnerschaft mit der PGA Tour und der European Tour geschlossen. […] Es war immer klar, dass es so kommen würde, dass es ein paar Jahre gut gehen würde, bis so etwas passiert oder bis sie merken, dass sie keine Rendite erzielen, oder bis sie sich aus dem Golfgeschäft zurückziehen und ihr Geld in etwas anderes stecken, mit dem sie tatsächlich Geld verdienen.«
So McIlroy weiter über das vermeintliche Ende des Golfprojekts. Der Nordire galt lange als einer der schärfsten Kritiker der Saudi-Liga. Doch auch er profitierte von der finanziellen Wucht, die der PIF in den Sport gebracht hat.
»Was die langfristige Zukunftsfähigkeit des Profigolfs der Herren angeht, sind wir meiner Meinung nach jetzt deutlich besser aufgestellt.«
Durch den Druck von LIV passten andere Touren ihre Preisgelder und Bonuszahlungen an. Das sogenannte Player Impact Program (PIP) der PGA Tour wurde 2022 von 50 auf 100 Millionen US-Dollar verdoppelt. 2024 wurde die Hälfte davon wieder umverteilt, unter anderem in den Bonuspool des FedEx Cups, der seitdem bei 100 Millionen US-Dollar liegt. Größter Profiteur war in diesem Jahr Scottie Scheffler. Als Führender der FedEx-Cup-Wertung erhielt er 23 Millionen US-Dollar Bonus.
Zeitleiste seit dem Ausstieg des saudischen Public Investment Fund (PIF)
- 30.04.2026: PIF kündigt an, die Finanzierung von LIV zu beenden
- 05.08.2026: BC Partners und LIV planen gemeinsame Zukunft
- 17.08.2026: Team Championship wird offiziell abgesagt
- 08.09.2026: LIV beantragt Insolvenz
- 12.10.2026: DP World Tour kündigt an, keine LIV-Spieler mehr auf der Tour spielen zu lassen
- 04.11.2026: BC Partners zieht Investitionspläne zurück
Können LIV-Spieler zurück zu DP World Tour oder PGA Tour?
Während die PGA Tour Anfang des Jahres im Zuge des Austritts von Brooks Koepka ein zeitlich befristetes Rückkehrprogramm aufgelegt hatte, das keiner der infrage kommenden LIV-Stars (u. a. Bryson DeChambeau, Cameron Smith und Jon Rahm) nutzte, ging Patrick Reed einen anderen Weg. Nach seinem LIV-Ausstieg spielte er die Saison auf der DP World Tour und darf ab der kommenden Saison wieder als Mitglied auf der PGA Tour antreten.
Brooks Koepka nahm hingegen eine Spende von fünf Millionen US-Dollar in Kauf, um sofort wieder auf der amerikanischen Tour spielen zu können. Außerdem verzichtet der fünfmalige Major-Champion fünf Jahre lang auf eine Beteiligung am Player Equity Program der PGA Tour, über das Top-Spieler Anteile an der Tour erhalten. Auch aus dem Bonuspool des FedEx Cups erhielt Koepka in dieser Saison nichts. Die PGA Tour schätzt seine entgangenen Einnahmen auf 50 bis 85 Millionen US-Dollar. Sportlich lief es mäßig: Er beendete die Saison auf Rang 94 des FedEx Cups und verpasste die Playoffs.
Da die Frist für das Rückkehrprogramm, über das Koepka zurückkam, verstrichen ist, wird nicht damit gerechnet, dass die Tour Rahm und anderen Spielern ähnliche Angebote unterbreitet. Der Reed-Weg scheint daher für andere Rückkehrer plausibler. Der Masters-Champion von 2018 hat sich seine PGA-Tour-Karte praktisch über die DP World Tour gesichert.
Für junge Spieler ohne Spielberechtigung auf der DP World Tour bleibt die Option der Q-School. Beim Golfmarathon im Infinitum Golf Resort an der Costa Dorada ist unter anderem José Luis Ballester dabei. Mehrere LIV-Spieler sind bereits in der zweiten Stufe ausgeschieden und haben damit eine wichtige Chance auf eine Tourkarte für 2027 verpasst.
Ältere Stars wie Martin Kaymer könnten ihre Mitgliedschaft dagegen über frühere Erfolge neu beantragen, etwa über die Kategorie der ewigen Geldrangliste (Career Money List). Die Frist zur Anmeldung der Mitgliedschaft endet am 16. November.
