Golfanlage Green Eagle: Der ultimative Test

Von Sven Hanfft

Für den Ryder Cup 2018 (siehe auch Seiten 18-22) hats nicht ganz gereicht. Fakt ist aber, dass  das 170-Hektar-Areal vor den Toren der Metropole Hamburg trotz der noch nicht ausgereiften nationalen Lobby schon heute zu den führenden Golfanlagen in Deutschland zählt. Dafür stehen der schier grenzenlose Enthusiasmus der handelnden Personen und das überragende golferische Potenzial der gesamten Anlage.
Die 1997 gegründete Golfanlage Green Eagle deckt gut zehn Jahre nach Inbetriebnahme das ganze Spektrum des Golfsports ab. Von vielen anfangs belächelt, haben die Betreiber Michael Blesch und Ralf Lühmann zusammen mit Clubmanagerin Hanna Junker ihre Vision vom Golfclub für jedermann  konsequent umgesetzt.

Green Eagle ist mit einem Konzept von monatlichen Mitgliedsbeiträgen, geringer Aufnahmegebühr, kostenloser Kinderbetreuung, Spielplatz an der Range, höchstem Qualitätsanspruch in modernem Ambiente zu einem Vorbild für neue und bestehende Golfclubs geworden. Heute können der einstige Golflehrer Blesch und sein Kumpel Lühmann den 1.300 Mitgliedern und Gästen zwei 18-Löcher-Meisterschaftsplätze, einen öffentlichen Pay&Play-Kurzplatz (6 Löcher) und Norddeutschlands größtes Trainingsareal (200 Abschläge, drei Putting-, zwei Chipping- und  ein Pitchinggrün) anbieten.
Einer der längsten Golfplätze der Welt

Aushängeschild ist seit gut eineinhalb Jahren der Nord-Course. Mit 7.208 Metern einer der längsten Golfplätze  der Welt. Und mit einem CR-/Slopewert von 78,5/150 von den hinteren Tees der schwerste Platz in Deutschland. Länge und das Element Wasser sind die größten Herausforderungen des Nord-Course. Die im Spiel befindliche Wasserfläche umfasst in Summe 15 Hektar. Wer also für 2010 noch auf der Suche nach der ultimativen golferischen Herausforderung ist, der sollte ins niedersächische Winsen fahren und sich mit dem Nord-Course der Golfanlage Green Eagle messen. Der wird dann sicherlich auch feststellen, dass dieses Monster nicht ganz frei von Schwächen ist. So mangelt es  dem Platz an Harmonie, Front und Back Nine sind nicht wirklich eine homogene Einheit. Was sich in einer Differenz von knapp 1.000 Metern und einem Par 35 zu Par 38 ausdrückt. Sechs Par 5- Löcher sind grundsätzlich in Ordnung, nur sollten sie im gleichen Verhältnis auf Front und Back Nine aufgeteilt sein.

Also,  nicht schon zur Halbzeit in all zu große Euphorie ausbrechen – das dicke Ende kommt noch. Auf den Back Nine gibt es kein Loch zum Erholen. Allenfalls die 17 (Par 3, 137/116 m) könnte für kurzfristige Entspannung sorgen. Steht die Fahne allerdings ganz links (siehe großes Foto links) ist der Stress schon wieder vorprogrammiert. Die 17 und 18 (Par 5, 551/473 m) sind in Sachen Strategie, sportlichem Anspruch und optischem Reiz das aktuell vielleicht stärkste Schlussduo im deutschen Golf.

Neben der Länge und den opulenten Wasserhindernissen sind die Grünondulierungen ein echtes Kriterium. Bei einigen Grüns (4, 6, 7) hat es der überaus talentierte Selfmadearchitekt Blesch aber leider übertrieben. Nicht nur, dass einige Putts nahezu unspielbar bzw. unlochbar sind, vielmehr ist es bedauerlich, dass er sich durch die extremen Neigungen in der Anzahl der Fahnenpositionen limitiert hat. Auf manchen Grüns wäre weniger mehr gewesen.
Ackerland Kontur verliehen

Beeindruckend ist, wie Blesch dem einst platten Ackerland Kontur verliehen hat. Dazu tragen vor allem die hellgrünen Agrostisfairways bei. Die können sehr tief geschnitte n werden (in der Saison 8 mm), heben sich somit durch eine scharfe Mähkante vom dunkleren Semirough deutlich ab. Optisch auffallend sind auch die mit weißem, gebrochenem Granit gefüllten Bunker. Die Füllung, die ein Garant für gute Lagen ist – Spiegeleier sind die Ausnahme – ist aber leider nicht besonders materialschonend. Bälle, die carry ins Hindernis fliegen, weisen Oberflächenschäden auf. Feine Schrammen auf dem Sandwedge sind ebenfalls nicht zu übersehen. Summa summarum: der ultimative Test für Mensch und Material.

Da gehts auf dem parklandähnlichen Süd-Course schon etwas gemächlicher zu. Wenngleich auch hier ausgedehnte Wasserflächen und Roughbereiche kaum Fehler verzeihen. Ein echter Test fürs Nervenkostüm ist die 18. Ein mittellanges Par 3 (166/134 m) mit einem Halbinselgrün direkt vor der Clubhausterrasse. Wenn es noch um wichtige Punkte geht, können einem am Tee schon mal die Unterarme weich werden.

Das moderne, im Loungestil  eingerichtete Clubhaus bietet inside maximal 80 Personen Platz. Für größere Veranstaltungen wird ein Zelt angebaut. Wirklich knapp bemessen sind die Umkleiden und Sanitärbereiche, da kann man nach einem Kanonenstartturnier schon mal Schlange stehen. Der Clou ist „The Beach“. Unterhalb der Terrasse am Teich des 18. Grüns haben die kreativen Betreiber einen Strand angelegt, der dem sonst platten Land ein Hauch von Karibik verleiht. Und mal ehrlich: Wer den ultimativen Nord-Course-Test bestanden hat, hat sich auch einen Liegestuhl verdient…

Golfanlage Green Eagle
Adresse: Radbrucher Strasse 200, 21423 Winsen
E-mail: info@greeneagle.de
Telefon/Fax: 04171/78 22 41; 04171/78 22 42
Gründungsjahr: 1997
Platz: 36 Löcher; Süd-Course, Par 72, 6.033 m (Gelb)/5.183 m (Rot), CR/Slope 72,8/130 (G), 73,8/128 (R);
Nord-Course, Par 73, 6.627 (G)/5.701 (R), CR/Slope 75,9/137 (G), 77,1/138 (R)
Architekt: Michael Blesch
Greenfee: 50/65 Euro (Süd-Course); 65/95 Euro (Nord-Course; Hcp-Limit 28 Herren/36 Damen); Jgd. und Studenten 50 %. Deutsche mit ausländischer Mitgliedschaft zahlen 10 Euro zusätzlich; Softspikes Pflicht.
Trolley/Cart: 5 Euro/25 Euro
Gastronomie: ganzjährig
Hotelempfehlung: Zum Weißen Roß, Marktstraße 10, 21423 Winsen-Luhe; Tel.: 04171/658 50; www.weisses-ross-meyers.de
Anfahrt: Autobahn A250 Abfahrt Winsen-Ost. Links abbiegen auf die Osttangente. Ende Osttangente links auf die Radbrucher Straße, Clubeinfahrt nach ca. 1 km auf der rechten Seite.

GOLFmagazin-Bewertung (Platznote doppelt gewichtet)
Platz: 5 (Bälle)  Clubhaus: 5  Service: 5  Gastronomie: 4

Gesamt: 4,5