Usedom: Auf der Sonnenseite

Von Sven Hanfft

Das Land Mecklenburg-Vorpommern schwimmt auf einer touristischen Erfolgswelle. 2009 hat der Nordosten zum dritten Mal in Folge einen Übernachtungsrekord aufgestellt. Das Wachstum lag bei rund 3,5 Prozent, die Zahl der Übernachtungen stieg auf über 28 Millionen. Besonders beliebt ist MeckPomm bei den Nachbarn aus Hamburg und Schleswig-Holstein. Zusammen bringen es Hamburger und Holsteiner auf über zwei Millionen Übernachtungen. Womit sich die Zahl seit 2004 ungefähr verdreifacht hat. Die Zahlen sprechen für sich. Der Nordosten hat sich bei seinen Nachbarn vom Geheimtipp zum beliebten Urlaubziel vor der Haustür entwickelt, sagt Bernd Fischer, Geschäftsführer des Landestourismusverbands.

Diese positive Entwicklung lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. So ist die Erreichbarkeit durch eine mittlerweile komplett fertiggestellte Ostseeautobahn (BAB 20) erheblich verbessert worden. So erreicht man von der Metropole Hamburg die Sonneninsel Usedom mit dem Auto nun bereits in drei Stunden. Der Boom des Nordostens hat sogar dazu geführt, dass Deutschlands zweitgrößte Insel (nach Rügen) seit diesem Jahr zwischen dem 1. Mai und 31. Oktober von Air Berlin und OLT angeflogen wird. Darüber hinaus schätzen die Urlauber das ständig wachsende Angebot sportlicher und kultureller Möglichkeiten. Besonders hoch im Kurs stehen in Mecklenburg-Vorpommern der Reit-, Wasser- und Golfsport. Und, alles andere als unwesentlich: Der Freizeit- und Ferienspaß wird hier oben von einer gewissen Sonnengarantie begleitet.

1.835 Sonnenstunden

Nirgendwo in Deutschland hat es auch im Jahr 2009 so viele Sonnenstunden gegeben wie in Mecklenburg-Vorpommern. Laut der aktuellen Jahresbilanz des Deutschen Wetterdienstes strahlte die Sonne im Nordosten  durchschnittlich 1.835 Stunden (Bundesdurchschnitt: 1.664 Stunden). Gleich drei der fünf sonnenreichsten Orte des vergangenen Jahres liegen nach Auswertung des Wetterdienstes Meteomedie in Meck-Pomm. Spitzenreiter ist der Ort Darß auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst mit 2.158 Sonnenstunden, gefolgt von Dornbusch (2.146) und Dünenheide (2.130) auf Hiddensee. Die insgesamt sonnenreichste Insel unseres Landes ist Usedom mit 1.906 Stunden.     

Da wäre es ja geradezu eine Schande gewesen, wenn Usedom auch weiterhin nur über eine Golfanlage verfügt hätte. Doch 15 Jahre nach der Gründung des Golf-Parks Balmer See durch den Unternehmer Rainer Stephani ist nun im Ortsteil Korswandt nahe des Wolgastsees endlich eine zweite Anlage in Betrieb genommen worden. Wir haben das Usedomer Golfangebot mit nunmehr 64 Löchern drei Tage lang genau in Augenschein genommen und dabei natürlich auch an den Übernachtungszahlen der Golfspieler gearbeitet. 400.000 waren es 2009. Die Schallmauer 500.000 könnte laut Landesgolfverbandschef Rüdiger Born schon in naher Zukunft durchbrochen werden.

Gründungsväter von Baltic Hills Golf Usedom sind der erfahrene Usedom-Hotelier Lutz Begerow und der Kanadier Bruce Johnson (früher WINSTON- golf). Der Mecklenburger Begerow verfügt über glänzende Kontakte auf der Insel, Johnson über ein umfassendes Golfwissen. Bei Schwerin führt Johnson noch eine Firma, die sich auf den Verleih von Mähwerken zur Pflege von Golfplätzen und Grünflächen spezialisiert hat.
Gebaut haben sie mit dem noch relativ unbekannten Golfplatzplaner Andreas Lukasch von der Firma No. 9 Golfdesign in Rostock. Lukasch hat mit der von der Eiszeit geprägten Hügellandschaft ein nahezu perfektes Gelände vorgefunden. Speziell der sandige Untergrund hat Planer und Investoren in der Bauphase viel Kosten und Mühe erspart. Ein Highlight ist das Halbinsel-Doppelgrün 9/18. Kein Highlight ist das gelbe Gästehaus Pirol hinter dem Doppelgrün.    

Einmalig ist der Auftakt

Besitzer Begerow ist sich dessen durchaus bewusst. Um seinem Golfplatz einen würdigen Rahmen zu verleihen, wird er sein Gästehaus aufhübschen. Der Bebauungsplan für ein optisch ansprechendes On Course-Hotel steht, die Finanzierung allerdings noch nicht ganz. Einmalig in Deutschland ist der Auftakt. Spielend gelangt man an den ersten Abschlag. Zwischen Puttinggrün und Tee 1 liegt ein Par 3 von 115 Meter Länge ein nettes Feature und gutes Warm-up-Hole, dass den Mulligan überflüssig werden lässt. Noch besser wäre es allerdings gewesen, wenn man aus den Bahnen 0 und 1 (Par 4, 304 m) ein sanft den Hügel ansteigendes Par 5 gemacht hätte. Vielleicht eine Option für die Zukunft, wenn das erste Geld für kosmetische Korrekturen verdient ist.

Leicht zu beheben sind kleinere strategische wie optische Mängel. Die Fairways der Bahnen 13 und 15 müssten in einer etwas stärkeren Links-Rechts-Kurve verlaufen, einigen Bahnen könnten geschwungenere, optisch auffälligere Mähkonturen vertragen. Alles in allem ist der Platz in Korswandt schon heute ein guter Meisterschaftsplatz mit hohem Spaßfaktor und noch sehr viel Entwicklungspotential.

Nahezu ausgereizt ist das Platzpotenzial dagegen im Golf-Park Balmer See. Das im Mai 1998 von Rainer Stephani eröffnete Resort verfügt nach zweimaligem Ausbau (2003 und 2007) mittlerweile über zwei 18-Löcher-Plätze (Blau, Gelb), einen gerateten 9-Löcher-Platz sowie eine großzügige Driving Range mit zahlreichen Übungseinrichtungen. Das Hotel mit dorfähnlichem Charakter besteht aus fünf Reetdachresidenzen mit 85 Zimmern sowie fünf Ferienhäusern mit insgesamt 71 Einheiten. Spektakulär ist die erhöhte Lage mit toller Aussicht auf das Achterwasser. Das Hotel verfügt über alle Annehmlichkeiten eines First-Class-Hauses, dazu gehören ein knapp 1.000 Quadratmeter großer Wellnessbereich und ein Asia-Pavillon, in dem vornehmlich Thai-Massagen zur Anwendung kommen.  

Ein wenig an Klasse haben mit der jüngsten Erweiterung leider die Meisterschaftslöcher eingebüßt. Doch dahinter steckte in gewisser Weise eine zwanghafte Methode. Um der stetig steigenden Nachfrage mit jetzt dann eben 36 Löchern gerecht zu werden, musste Stephani sich auf seinem 120-Hektar-Areal in Bezug auf Spielbahnlänge, Vielfalt und Variantenreichtum ein Stück weit in Verzicht üben und das nach der kaufmännischen Grundregel know your customer (kenne deine Kundschaft).  Dem sportlichen Singlehandicapper werden die 36 Löcher sicherlich nicht so gut gefallen wie der Usedomer Hauptklientel, die ziemlich exakt dem deutschen Durchschnittsgolfer mit einem Handicap zwischen 25 und 30 entspricht.
Sicherlich hätte man den Um- und Ausbau filigraner hinbekommen können. Doch auch in diesem Punkt blieb Stephani sich treu, das Geld nicht für teure Stararchitekten auszugeben. Wer billiger baut, kann bessere Preise machen. Und die sind am Balmer See beinahe paradiesisch. So kostet das Sieben-Tage-Golfticket für Hotelgäste gerade mal 90 Euro. Heißt: 12,86 Euro die Runde. Kein Wunder, dass Rainer Stephani 2009 an die 40.000 Greenfeerunden verkauft hat Tendenz steigend.

Und bei den zunehmenden Tourismuszahlen macht es dann auch Sinn, auf der Sonneninsel eine zweite Golfanlage in Betrieb zu nehmen. Zumal es eine ist, die das bestehende Angebot optimal ergänzt. Mit Baltic Hills und Balmer See ist Usedom künftig golferisch gut aufgestellt.

Usedom in Zahlen

Im äußersten Nordosten Deutschlands gelegen, mit 445 Quadratkilometern (qkm) die nach Rügen zweitgrößte Insel Deutschlands (354 qkm deutsch, 91 qkm polnisch).

Mehr als 1,2 Mio. Übernachtungsgäste pro Jahr.

Die gewerbliche Betten-kapazität liegt bei ca. 29.000; Privatvermieter und Campingplätze erhöhen die Zahl auf 60.000.

42 Kilometer durchgehender, allerfeinster, weißer und bis zu 70 Meter breiter Sandstrand.

Durchschnittlich 1.906 Sonnenstunden im Jahr, im langjährigen Schnitt so viele wie auf keiner anderen deutschen Insel.

Mit 8,5 Kilometern die längste Strandpromenade Europas in den 3 Kaiser-bädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Eine hinreißende, lückenlose Bäderarchitektur, die es nirgends sonst gibt.

5 Seebrücken ragen in die Ostsee, darunter Deutschlands längste in Heringsdorf und die älteste in Ahlbeck.

Ein 150 Kilometer langes Radwegenetz. Für Wanderer sind sogar Strecken von rund 400 Kilometern Gesamtlänge ausgewiesen.

20 Häfen/Anleger mit über 650 Liegeplätzen.

ein Flughafen in Garz; wird seit dem 1. Mai von Air Berlin (aus Dortmund, Düsseldorf, Nürnberg, Stuttgart) und OLT (aus Bremen, Köln/Bonn, Frankfurt, München, Zürich) angeflogen.

Usedom Tourismus GmbH: 038378/47 71 10; www.usedom.de

Golf-Park Balmer See – Gelber Kurs
Adresse: Drewinscher Weg 1, 17429 Benz/OT Balm
Telefon: 038379/281 99
Mail: golfhus@golfhotel-usedom.de
Eröffnung: 1998
Architekten: Manfred Skeide/Rainer Stephani
Platz: 18 Löcher, Par 71; 5.111 m (gelb), 4.438 m (rot)
Greenfee: 52 /22 Hotelgäste; VcGler 65
Elektrocart: 25 pro Person
Fazit: Mit dem Um- bzw. Ausbau im Jahr 2007 ist der Kurs kastriert worden. Sechs Par 4-Löcher sind kürzer als 300 Meter.
GOLFmagazin-Wertung: 3 von 6 Bälle

Golf-Park Balmer See – Blauer Kurs
Adresse: siehe Gelber Kurs
Telefon: 038379/281 99
Mail: golfhus@golfhotel-usedom.de
Eröffnung: 2003, Erweiterung 2007
Architekten: Manfred Skeide/Rainer Stephani
Platz: 18 Löcher, Par 71; 5.492 m (gelb), 4.796 m (rot)
Greenfee: siehe Gelber Kurs
Elektrocart: siehe Gelber Kurs
Fazit: Länger und einen Tick schwerer als Gelb. Speziell die Back Nine mit drei Par 5-Löchern haben es in sich.
Auffällig: Headgreenkeeper Andreas Sept hat seine Grüns gut durch den strengen Winter gebracht.
GOLFmagazin-Wertung: 3 von 6 Bälle

Baltic Hills Golf Usedom
Adresse: Hauptstraße 10, 17419 Korswandt
Telefon: 038378/323 18
Mail: info@baltic-hills.de
Eröffnung: 2009
Architekt: Andreas Lukasch
Platz: 18 Löcher, Par 71; 5.771 m (gelb), 4.889 m (rot)
Greenfee: 50 /60 (Wochenende/Feiertage)
Elektrocart: 20 pro Person
Fazit: Guter, sportlicher Platz speziell von den hinteren Abschlägen. In dem Youngster steckt noch reichlich Potenzial, um in die nächst höhere Liga aufzusteigen.
GOLFmagazin-Wertung: 4 von 6 Bälle

Vorpommern-Golfwoche
Vom 20. bis 25. September steigt die zweite internatio-nale Vorpommern-Golfwoche. Gespielt wird auf fünf verschiedenen Golfanlagen (4 Qualifikationsturniere und ein Einladungsturnier). Startberechtigt sind Amateure ab Handicap -54. Die Turniere sind vorgabenwirksam, gezählt wird nach Stableford über 18 Löcher. Das Startgeld beträgt 35 Euro für ein Turnier, 20 Euro für jedes weitere. Greenfee pro Turnier 35 Euro. Spielorte im September: 20.9. GP Balmer See, 21.9. Amber Baltic GC (Polen), 22.9. Baltic Hills, 24.9. GP Strelasund und 25.9. Einladungsturnier GC Rügen Schloss Karnitz. Weitere Infos und Ameldeformular unter www.vorpommern-golfwoche.de oder 038378/79 93 21.