US Open 2019 – der große Favoritencheck!

Brooks Koepka wiederholt US-Open-Triumph

Vor dem Start des dritten Major-Turniers des Jahres beantwortet GOLF MAGAZIN die 5 wichtigsten Fragen rund um die Favoriten bei der US Open. Wer hat die besten Chancen, in Pebble Beach zu triumphieren?

Von Felix Grewe und Johannes Oberlin

1) Ist Brooks Koepka auch diesmal wieder der Topfavorit?

Natürlich muss Brooks Koepka als Topfavorit genannt werden. Er ist Weltranglistenerster und vor allem ist er Sieger der letzten zwei PGA Championships sowie der vergangenen zwei Ausgaben der US Open. Vier Major-Siege innerhalb von zwei Jahren – mit dieser unfassbaren Performance gilt er für viele sogar als ähnlich dominant wie Tiger Woods zu Beginn des neuen Jahrtausends. Die Zahlen sprechen also für ihn, klar. Allerdings: Pebble Beach gilt als Kurs, auf dem ihm wesentlich mehr Spieler werden Paroli bieten können als vor wenigen Wochen in Bethpage Black. Bei seinem einzigen offiziellen Start auf dem legendären Kurs in Kalifornien wurde er 2016 geteilter Achter. Zudem muss Koepka wieder dem Druck des Gejagten standhalten, der nebenbei Geschichte schreiben könnte: Drei U.S. Open-Siege in Folge gelangen bisher nur Willie Anderson – vor mehr als 100 Jahren (1903 – 1905)!

2) Wer gehört zum Kreis der engsten Sieganwärter in Pebble Beach?

Neben Koepka gibt es einige weitere aussichtsreiche Siegkandidaten in Pebble Beach: Dustin Johnson zum Beispiel, der bestens auf dem Kurs von Pebble Beach zurechtkommt und dort 2009 und 2010 beim AT&T Pro-Am triumphierte. Zweimal wurde er zudem Zweiter. Als die U.S. Open zuletzt in Pebble Beach ausgetragen wurde, ebenfalls 2010, führte DJ nach 54 Löchern das Feld an, wurde nur durch eine schwache Finalrunde zurückgeworfen. 2019 ist er hinter Koepka der konstanteste Spieler. In seinen 16 Runden der vier größten Zählspiel-Events 2019 war seine schlechteste Runde eine 70 beim Masters.
Auch Rory McIlroy, der letztes Wochenende mir sieben Schlägen Abstand die RBC Canadian Open gewann, ist ein Favorit. Sein letzter und einziger US Open-Triumph war 2011, auch hier siegte er hoch, mit ganzen acht Schlägen vor dem damals Zweitplatzierten Jason Day.

Tiger Woods bei seinem letzten US Open-Sieg 2008.

3) Wie kommt Tiger Woods auf dem legendären kalifornischen Kurs zurecht?

Wenn man in die Vergangenheit blickt, ist Pebble Beach definitiv ein Platz, der Tiger liegt. 2000 gewann er hier mit 15 (!) Schlägen Abstand vor dem Zweitplatzierten Ernie Els. Definitiv einer seiner beeindruckendsten Majorsiege, der aus den Geschichtsbüchern längst nicht mehr wegzudenken ist. Gleichzeitig war es der Startschuss zu Tigers Grandslam, der nach seinem US Open-Titel 2000 alle drei Folge-Majors gewann. Solch eine mental starke Ausgangslage macht ihn hier in Pebble Beach grundsätzlich zum Favoriten. Aber auch aktuell ist Tiger in Topform. Nicht nur gewann er das Masters 2019, auch seine Statistiken lesen sich beeindruckend. So führt der Masters-Champ aktuell GIR (Grüns in Regulation) sowie das Par 3-Scoring an.

4) Welche Chancen hat Martin Kaymer?

Zu den großen Favoriten gehört er in diesem Jahr sicherlich nicht, dennoch hat Martin Kaymer – dank seiner aufsteigenden Form, die er zuletzt beim Memorial Tournament zeigte (Rang 3) – Chancen auf eine Top-Platzierung. Zudem hat der einzige Deutsche im Feld an die US Open positive Erinnerungen, immerhin war sein letzter großer Sieg 2014 genau bei diesem Major, welches er damals mit sagenhaften acht Schlägen Vorsprung gewann, sein letzter großes Turniersieg. Dies, die aufsteigende Form plus eine Woche Urlaub, die sich der 34-Jährige vor der US Open gönnte, machen Martin Kaymer immer noch nicht zum Favoriten, aber zumindest zum Anwärter auf ein Top 10-Ergebnis!

5) Kann Phil Mickelson endlich seinen „Karriere Grand Slam“ vervollständigen?

Das Verhältnis von Phil Mickelson zur US Open ist problematisch – nicht nur aufgrund des Eklats im vergangenen Jahr, als er einen noch rollenden Ball auf dem Grün zurückschlug. Sechsmal stand der Amerikaner kurz vor dem Triumph, der seinen „Karriere Grand Slam“ komplettieren und ihn auf ein Level mit jenen Ausnahmespielern heben würde, die alle vier Majors gewinnen konnten: Jack Nicklaus, Tiger Woods, Ben Hogen, Gary Player, Gene Sarazen. Doch sechsmal wurde „Lefty“ nur Zweiter: 1999, 2002, 2004, 2006, 2009, 2013. Ob es in diesem Jahr klappt? Der 48-Jährige, der übrigens am Tag der Finalrunde seinen 49. Geburtstag feiert, gehört als Nummer 25 der PGA-Weltrangliste nicht zum engen Favoritenkreis. Bei 13 PGA-Events in der laufenden Saison, scheiterte er fünfmal am Cut, landete nur zweimal in den Top Ten. Allerdings: Seinen größten Erfolg des Jahres feierte er ausgerechnet bei der AT&T in Pebble Beach! Mickelson liebt diesen Kurs, auf dem er bereits fünfmal triumphierte und mit dem er besondere Erinnerungen verbindet. Sein Großvater arbeitete bei Gründung des legendären Clubs 1919 als Caddie auf der Anlage. Noch heute trägt Mickelson eine Silbermünze seines Opas bei sich, wenn er in Pebble Beach abschlägt, markiert damit seine Bälle auf dem Grün. Mickelson sagt: „Nichts würde mir mehr bedeuten, als die U.S. Open hier zu gewinnen.“ Mit einem Sieg würde er Sportgeschichte schreiben.