Die neuen Golfregeln: Sinnvoll oder total unsinnig?

Neue Regeln – gerade bei uns absolut überfällig

Jugend forscht! Na klar. Vielmehr aber prägt sie, denn bei jedem hinterlässt die Art, wie er aufgewachsen ist, deutliche Spuren. Wobei ich nicht nur vom biologischen Alter spreche, sondern hier und jetzt vom sportart-spezifischen. Soll heißen: Als ich meine ersten ernsthaften Golfschläge gemacht habe, war ich Ende 20. Es war Sommer, ich machte Urlaub auf der dänischen Ostsee-Insel Bornholm und war fasziniert von dem fröhlichen Gekicher und Gejuchze, das vom benachbarten Golfplatz herüberschwoll. Da wollte ich mitjuchzen …

Machen wir es kurz: Mats, der Pro und ungefähr mein Alter, drückte mir ein Eisen 7 in die Hand, erklärte mir ’ne Stunde die Grundzüge und Bewegungen des Spiels. Und dann, als ich mich schon auf ein Leben auf der Driving Range vorbereitete, kam der Satz, der mich wahrscheinlich für den Sport gerettet hat: „So, jetzt gehst du auf den Platz und spielst ne Runde. Ist eh gerade nicht viel los, und wenn doch einer kommt, lässt du ihn einfach durch.“

„Mach doch einfach, aber nimm Rücksicht“ – diese Vorgabe hat mich geprägt. Ich spiele Golf, weil es Spaß macht; weil ich mit guten Bekannten und unbekannten Guten unterwegs bin; weil ich ehrgeizig, vor allem aber möglichst fair zu denen bin, die mir vor, während und nach der Runde begegnen.

Für all das brauche ich kein Monumentalwerk, dessen 34 Regeln und nahezu unzählige Entscheidungen zum Vollstudium reichen würde. Deshalb war es für mich überfällig, an den zum Teil echt kruden Regeln zu schrauben. Allein die Frage, ob der Ball beim Markieren einen Nanometer zur Seite gezittert wurde, bewegte Generationen unnötig und viel zu intensiv. Heute legt man ihn einfach zurück; natürlich ohne Strafe.

Wer spielt denn schon, um sich bestrafen zu lassen? Ich jedenfalls nicht. Wobei kein Zweifel aufkommen soll: Regeln sind dazu da, um sich an sie zu halten – und genau das tue ich. Sie gelten für alle und sind die Basis eines friedlichen, fairen und verständnisvollen Miteinanders auf dem Golfplatz (und nicht nur da). Es ist aber kein Naturgesetz, 34 Regeln zu haben. Die 24, die jetzt gelten, machen da schon viel mehr Sinn und werden das gerade in Deutschland viel zu langsame Spiel deutlich antreiben. Dabei bilden sie fast alle Situationen ab, in die man zwischen Abschlag und Grün kommen kann. Und bei allen anderen verhält man sich… einfach so, wie es der gute Menschenverstand oder auch der „Spirit of the Game“ gebietet. Und nimmt Rücksicht! Denn so, da bin ich mir absolut sicher, war und ist das Spiel gedacht.