Was ist LIV Golf?
LIV Golf ist eine vom saudischen Staatsfonds PIF finanzierte Golfliga, die 2022 ins Leben gerufen wurde. Seitdem stellt sie die größte Konkurrenz zur PGA Tour dar und lockt mit extrem hohen Preisgeldern von 30 Millionen US-Dollar pro Turnier (seit 2026; zuvor 25 Millionen US-Dollar). Für ihre Gründung rekrutierte die Liga einige der namhaftesten Profis im Herrengolf, darunter Dustin Johnson, Brooks Koepka, Sergio García, Bryson DeChambeau, Phil Mickelson, Martin Kaymer, Bernd Wiesberger, Cam Smith, Joaquín Niemann und viele weitere.
In welchem Format wird bei LIV gespielt?
Von 2022 bis 2025 wurden bei LIV über drei Turniertage 54 Löcher gespielt, woher auch der Name LIV stammt, der die römischen Ziffern von 54 darstellt. Ab der Saison 2026 wird jedoch auch bei LIV auf 72 Löcher erweitert, wie man es von der PGA Tour und der DP World Tour und auch den professionellen Damentouren kennt.
Hintergrund für diese Anpassung ist scheinbar die Hoffnung der Liga, das Spieler zukünftig Weltranglistenpunkte in der OWGR erhalten. Diese Entscheidung steht allerdings weiterhin aus (stand 28.01.2026). Über die Weltrangliste können professionelle Golfer Startplätze für Major-Turniere sichern.
Wie auch auf den anderen Golftouren, wird im Zählspiel gespielt. Das heißt der Spieler mit den wenigsten Schlägen nach 72 gespielten Bahnen gewinnt. Bei Gleichstand von mehreren Spielern wird ein Play-off gespielt. Meistens wird dabei die 18. Spielbahn wiederholt, solange es einen Sieger gibt. Grund dafür ist, dass sich die Zuschauerinnen und Zuschauer zu diesem Zeitpunkt um das 18. Grün versammeln.
Nachdem das Spielformat 2026 auf 72 Löcher umgestellt wurde, unterscheiden sich LIV-Golf-Turniere weiterhin in zwei wesentlichen Punkten von anderen Touren: der Teamwertung sowie dem sogenannten Shotgun-Start. Dabei beginnen alle 57 Spieler gleichzeitig an unterschiedlichen Bahnen ihre Runde.
Was hat es mit den Teams auf sich?
Zusätzlich zur Einzelwertung gibt es bei LIV Golf eine Teamwertung. Jedes der 13 Teams besteht aus vier Spielern. Über alle vier Runden werden die Scores der Teammitglieder addiert, und das Team mit dem niedrigsten Gesamtscore gewinnt. Seit 2026 gibt es dabei ein zusätzliches Preisgeld von 10 Millionen US-Dollar pro Turnier zu gewinnen (zuvor waren es 5 Millionen US-Dollar).
Wie funktioniert die LIV Team Championship?
Für die Saison 2026 gab es einige Veränderungen und es wird in einer Kombination aus Matchplay und Zählspiel gespielt. Matchplay bedeutet, dass zwei Teams direkt gegeneinander antreten und jedes Loch einzeln gewonnen oder verloren wird – gespielt wird so lange, bis ein Team nicht mehr eingeholt werden kann. Zählspiel (Stroke Play) hingegen heißt, dass alle Löcher in die Gesamtwertung eingehen und der Spieler oder das Team mit dem niedrigsten Endergebnis gewinnt.
Die LIV Golf Team Championship kombiniert beide Formate. In Viertel- und Halbfinale wird Matchplay gespielt: pro Begegnung zwei Einzel (1 gegen 1) sowie ein klassischer Vierer (Alternate-Shot; 2 gegen 2).
Am Sonntag geht es zurück ins Zählspiel. Dann spielt jedes Team gemeinsam, und alle vier Scores werden zu einem Teamergebnis addiert.
Wieviele Spieler gibt es bei LIV?
Das Feld bei LIV besteht in der Saison 2026 aus 57 Spielern, wovon 52 in einem Team unter Vertrag stehen und fünf Spieler eine Wild Card besitzen.
Wie qualifiziert man sich für LIV?
Um bei LIV Golf zu landen, gibt es mehrere Wege:
- Spieler können sich über die International Series der Asian Tour eine Tourkarte erspielen, wobei auf diesem Weg nur zwei Plätze vergeben werden.
- Alternativ verpflichtet LIV Golf Spieler direkt, in der Regel erfahrene und erfolgreiche Profis oder vielversprechende Nachwuchstalente wie zuletzt Michael La Sasso, der die NCAA Division I Individual Men’s Golf Championship 2025 gewann, und José Luis Ballester. La Sasso verzichtete sogar auf einen Startplatz beim Masters 2026, um fortan bei LIV antreten zu können.
- Eine dritte Option, sich für LIV Golf zu qualifizieren, sind die sogenannten „Promotions“. Über vier Runden mit zwei Cuts – nach Runde 1 und 2 – spielen die verbliebenen Spieler über 36 Löcher um drei Wild-Card-Startberechtigungen für die kommende Saison. Für das Jahr 2026 sicherten sich dabei der US-Amerikaner Anthony Kim, der Kanadier Richard T. Lee und der Schwede Björn Hellgren ihre LIV-Golf-Karten.
Lock Zone, Open Zone und Drop Zone
Die besten 34 Spieler am Ende der LIV-Saison behalten ihre volle Spielberechtigung für die darauffolgende Saison. Sie befinden sich in der sogenannten Lock Zone.
Die Plätze 35 bis 46, also etwa 20 Prozent des LIV-Feldes, befinden sich in der Open Zone. Spieler in dieser Zone dürfen weiter bei LIV Golf spielen, ihre Teams sind jedoch nicht verpflichted ihnen eine Vertragsverlängerung anzubieten.
Die letzten elf Spieler befinden sich in der Drop Zone und sind vom Abstieg aus der Liga bedroht. Sie haben die Möglichkeit, sich ihren Platz über das Promotions-Event oder die International Series der Asian Tour wieder zurückzuerobern.
Welche Teams gibt es bei LIV?
- 4Aces GC – Dustin Johnson C (USA), Thomas Detry (BEL), Thomas Pieters (BEL)
- Cleeks GC – Martin Kaymer C, Adrian Meronk (POL), Richard Bland (ENG), Victor Perez (FRA)
- Crushers GC – Bryson DeChambeau C (USA), Paul Casey (ENG), Charles Howell III (USA), Anirban Lahiri (IND)
- Fireballs GC – Sergio Garcia C (ESP), Josele Ballester (ESP), Luis Masaveu (ESP), David Puig (ESP)
- HyFlyers GC – Phil Mickelson C (USA), Michael La Sasso (USA), Brendan Steele (USA), Cameron Tringale (USA)
- Korean Golf Club – Byeong Hun An C (KOR), Minkyu Kim (KOR), Danny Lee (NZL), Younghan Song (KOR)
- Legion XIII – Jon Rahm C (ESP), Tyrrell Hatton (ENG), Tom McKibbin (NIR), Caleb Surratt (USA)
- Majesticks GC – Ian Poulter C (ENG), Lee Westwood (ENG), Laurie Canter (ENG), Sam Horsfield (ENG)
- RangeGoats GC – Bubba Watson C (USA), Ben Campbell (NZL), Peter Uihlein (USA), Metthew Wolff (USA)
- Ripper GC – Cam Smith C (AUS), Lucas Herbert (AUS), Marc Leishmann (AUS), Elvis Smylie (AUS)
- Smash GC – Talor Gooch C (USA), Jason Kokrak (USA), Graeme McDowell (NIR), Harold Varner III (USA)
- Southern Guards GC – Louis Oosthuizen C (RSA), Dean Burmester (RSA), Branden Grace (RSA), Charl Schwartzel (RSA)
- Torque GC – Joaquin Niemann C (CHL), Abraham Ancer (MEX), Sebastian Munoz (COL), Carlos Ortiz (MEX)
- Wild Card – Yosuke Asaji (JAP), Björn Hellgren (SWE), Anthony Kim (USA), Richard T. Lee (CAN), Scott Vincent (ZWE)
Wer überträgt LIV Golf?
Sky Deutschland hat sich für 2026 die TV-Rechte an LIV Golf und der Asian Tour gesichert. Alle Turniere von LIV und ausgewählte Top-Events der Asian Tour werden live übertragen. Insgesamt umfasst das Rechtepaket mindestens 30 Turniere und rund 600 Stunden pro Jahr.
Wann sind die LIV-Turniere 2026?
LIV Golf Riyadh
4. bis 7. Februar 2026
Riyadh Golf Club, Saudi Arabien
LIV Golf Adelaide
12. bis 15. Februar 2026
The Grange Golf Club, Australien
LIV Golf Hong Kong
5. bis 8. März 2026
Hong Kong Golf Club at Fanling, Hong Kong
LIV Golf Singapore
12. bis 15. März 2026
Sentosa Golf Club, Singapur
LIV Golf South Africa
19. bis 22. März 2026
The Club at Steyn City, Südafrika
LIV Golf Mexico City
16. bis 19. April 2026
Club de Golf Chapultepec, Mexiko
LIV Golf Virginia
7. bis 10. Mai 2026
Trump National DC, USA
LIV Golf Andalucia
4. bis 7. Juni 2026
Real Club Valderrama, Spanien
LIV Golf Louisiana
25. bis 28. Juni 2026
Bayou Oaks at City Park, USA
LIV Golf United Kingdom
23. bis 26. Juli 2026
JCB Golf & Country Club, England
LIV Golf New York
6. bis 9. August 2026
Trump National Bedminster, USA
LIV Golf Indianapolis
20. bis 23. August 2026
The Club at Chatham Hills, USA
LIV Golf Michigan (Team Championship)
27. bis 30. August 2026
The Cardinal at Saint John’s, USA
Rekorde
Wer hat die meisten Siege bei LIV?
- Joaquin Niemann (7)
- Brooks Koepka (5)
- Talor Gooch (4)
Welches Team hat die meisten Siege?
- Crushers GC; Legion XIII (8)
- Fireballs GC (7)
- Torque GC (5)
Meinung des Redakteurs
LIV Golf hat den professionellen Herren-Golfsport nachhaltig verändert. Die PGA Tour reagierte auf die horrenden Summen, die der PIF bereitstellte, mit ähnlich hohen, zusätzlich zur Verfügung gestellten Budgets für ihre Top-Spieler. Die Sorge war zunächst groß, dass sich das Produkt LIV dauerhaft und stärker etablieren könnte.
Derzeit hinkt LIV in puncto Beliebtheit jedoch weiterhin hinterher. Der Tenor gegenüber der neuen Liga ist in amerikanischen wie auch deutschsprachigen Medien sowie in den sozialen Netzwerken überwiegend kritisch. Dabei wird vor allem die Traditionsarmut und Herkunft des Geldes angeprangert, und Spieler, die für hohe Summen gewechselt sind, werden scharf angegangen. In diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage, ob Kritiker, die die Geldquelle von LIV so vehement problematisieren, sich jemals in vergleichbarer Tiefe mit der Herkunft der Gelder auf den etablierten Touren auseinandergesetzt haben.
Diese Kritik ist Ausdruck einer konservativen – und teilweise nachvollziehbaren – Reaktion auf den Versuch des PIF, den Golfsport auszuweiten, zugänglicher zu machen und ihn zugleich wirtschaftlich zu nutzen.
Nicht zu bestreiten ist, dass der Golfsport seit der Gründung von LIV gespalten ist und der von vielen hoch geschätzte Wunsch, die besten Spieler gegeneinander antreten zu sehen, mittlerweile nur noch bei den Major-Turnieren erfüllt wird.
Eine Koexistenz der Touren ist dennoch durchaus möglich. Es stehen genügend herausragende Spieler zur Verfügung, um eine weitere Tour auf hohem Niveau zu tragen. Zudem wird dem PIF so schnell nicht das Geld ausgehen.
Was sagen Profis der PGA Tour über LIV?
Auch die Profis sind sich in ihren Meinungen über die neugegründete Liga uneinig. Während der eine oder andere Spieler hoffnungsvoll auf ein Angebot wartet, lehnen andere systematisch ab. Zuletzt entfachte das Comeback des fünfmaligen Major-Champions Brooks Koepka eine neue Debatte. Die eigens für Koepka eingeführte Rückkehr-Klausel stieß bei einigen Profis, darunter Hideki Matsuyama und Wyndham Clark, auf Unverständnis:
Matsuyama: „Ich habe nichts gegen den Spieler selbst. Ich finde sogar, dass Brooks ziemlich beeindruckend ist, weil er den Mut hatte, diese Entscheidung [seinen LIV-Vertrag zu kündigen] zu treffen. Aber ich frage mich, warum die PGA Tour den Spielern das nicht vorher erklärt hat. Zumindest war mir nicht bewusst, dass eine solche Regel existiert.“
Clark: „Also, ich weiß nicht, ich bin da sehr hin- und hergerissen, denn am Ende des Tages will ich, dass es der PGA Tour so gut wie möglich geht. Und ich denke, wenn Spieler zurückkommen, besonders Top-Spieler wie Brooks, wird das der Tour nur nützen – was letzten Endes auch mir zugutekommt.“
Rory McIlroy war einer der frühen Kritiker und schilderte zuletzt in einem Podcast seinen aktuellen Eindruck: „Ich habe mir ein paar Turniere angesehen, aber mir gibt es nichts. Vielleicht bin ich zu sehr Traditionalist, um es zu begreifen.“ Den Nordiren beschleicht das Gefühl, dass die Idee LIV nicht wirklich gezündet hat, obwohl sie gute Elemente zu bieten hat. Es ist eine Einschätzung, mit der der amtierende Masters-Gewinner nicht alleine dasteht. Was fehlt, ist nicht Geld, Umsetzung oder Talent, sondern das Gefühl, dass etwas auf dem Spiel steht.
„LIV Golf hat 5 oder 6 Milliarden ausgegeben, und sie werden die gleiche Summe ausgeben müssen, um ihr Level zu halten“, so McIlroy weiter. Dabei spielte er auf die vielen auslaufenden Verträge an. Unter anderem der Vertrag von Bryson DeChambeau, aktuell der reichweitenstärkste Golfer weltweit, läuft Ende 2026 aus. Man hört, der Amerikaner fordert 500 Millionen Dollar für einen Verbleib.
Aktuelle News
LIV Golf verdoppelt Quali-Chancen.
Koepka verlässt LIV.
LIV-Pros auf der DP World Tour.
