Wenn es um Valderrama geht kommt Martin Kaymer ins Schwärmen. Der deutsche Major-Sieger fühlt sich in Andalusien fast wie zu Hause. Seit zwei Jahren hat er mit seiner Frau Irène ein Haus in der Gegend und verbringt viel zeit an der Costa del Sol. Der Real Club Valderrama dient dabei als Trainingsstützpunkt.
In dieser Woche gastiert die LIV Golf League auf dem traditionsreichen Platz. Vor dem Turnier hat der 41-Jährige im Interview mit Florian Bauer und Noah Pudelko von Sky Sports über seine besondere Beziehung zu Valderrama, seine gesundheitliche Entwicklung, die schwierigen vergangenen Jahre und die Zukunft von LIV Golf gesprochen.
Martin Kaymer über Valderrama
„Valderrama ist einer meiner absoluten Lieblingsplätze. Das erste Mal habe ich den Platz 2007 gespielt, direkt nach dem Finale der European Tour. Ich weiß noch, dass ich damals am Montagmorgen hierhergekommen bin und unglaublich nervös war. Ich hatte all die Bilder vom Ryder Cup im Kopf. Mir hat die Atmosphäre sofort gefallen – diese Energie, das Familiäre, die besondere Stimmung. Es ist einfach ein positiver Ort.
Mein Vater war damals so begeistert von den Korkeichen, dass er Teile der Bäume mit nach Hause genommen hat, um selbst ein Exemplar im Garten anzupflanzen. Das hat allerdings nicht funktioniert.
Seit zwei Jahren bin ich Mitglied, habe ein Haus in der Gegend und verbringe viel Zeit hier. Wenn ich vor Ort bin, trainiere ich praktisch jeden Tag. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, als Valderrama in den LIV-Kalender aufgenommen wurde. Ich habe hier eigentlich immer gut gespielt.“
Gesundheitlich bin ich inzwischen dort angekommen, wo ich hinwollte.
… über seine aktuelle Form
„Gesundheitlich bin ich inzwischen dort angekommen, wo ich hinwollte. Die vergangenen vier Jahre waren extrem frustrierend. Die PGA Championship hat mir sehr gutgetan. Dort konnte ich schmerzfrei spielen und habe gute Ergebnisse erzielt. Trotzdem ist der Knoten noch nicht geplatzt.
Das macht es schwierig. Natürlich möchte man Ergebnisse sehen. Der Turnierkalender ist begrenzt, man hat nicht unendlich viele Chancen. Deshalb muss man lernen, mit dieser Ungeduld umzugehen. Alles befindet sich noch im Aufbau, und manchmal nervt es einfach, dass es so lange dauert. Auch deshalb, weil ich inzwischen 41 Jahre alt bin und nicht noch 20 Jahre Zeit habe.
In den vergangenen Jahren habe ich viele schlechte Schläge gemacht, weil ich vor Turnieren kaum trainieren konnte. Oft ging es nur irgendwie mit Schmerzmitteln. Das hinterlässt Spuren – auch mental. Aber es macht wieder richtig Spaß, gutes Golf zu spielen. Vom Driver bis zum Putter ist alles in Ordnung, und vor allem bin ich schmerzfrei.“
Natürlich gibt es Momente, in denen man sich fragt, ob der Körper das alles noch mitmacht.
… über Zweifel und die Sinnfrage
„Darüber habe ich viele Gespräche mit meiner Frau geführt. Sie ist selbst Sportlerin, nimmt das Thema sehr ernst und kann sich gut in meine Situation hineinversetzen. Natürlich gibt es Momente, in denen man sich fragt, ob der Körper das alles noch mitmacht.
Dann versucht man, sich wieder aus diesem Loch herauszuziehen, weil das Feuer weiterhin da ist. Und irgendwann wirft der Golfgott einem wieder ein paar Krümel hin. Man spielt eine Runde von sechs oder sieben unter Par und denkt sich: Vielleicht kann ich es ja doch noch.“
… über seine Erwartungshaltung
„Ich habe zwei Majors gewonnen und war die Nummer eins der Welt. Da kann man nicht jede Woche 30. oder 40. werden und das einfach akzeptieren. Das fällt schwer.“
… über die PGA Championship 2026
„Bei der PGA Championship habe ich gespürt, dass die Leidenschaft noch da ist, bei einem großen Turnier ganz vorne mitzuspielen. Am Sonntag war meine Erwartungshaltung plötzlich, dass ich wieder genau dort bin, wo ich hingehöre. Aber dafür war es natürlich viel zu früh.
Das sind die mentalen Fehler, die man macht. Man muss mit sich selbst deutlich mehr Geduld haben.“
… über die Situation von LIV Golf
„Es gibt viele Meetings und viele Diskussionen. Ich habe großes Vertrauen in Scott O’Neil und das Management. Trotzdem ist die Situation nicht einfach.
Mit dem Ausscheiden von Yassir Al-Rumayyan aus dem Vorstand haben wir eine wichtige Figur verloren. Er hat LIV Golf immer als sein Baby betrachtet. Da stellt man sich natürlich die Frage, wohin die Reise jetzt geht.
Welche Summen dafür notwendig sind, weiß ich nicht. Aber einfach wird das sicher nicht.
Es wird darum gehen, in den kommenden sechs bis acht Wochen die finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, um den Spielbetrieb für 2027 und darüber hinaus zu sichern. Welche Summen dafür notwendig sind, weiß ich nicht. Aber einfach wird das sicher nicht.“
… über ein mögliches Ende von LIV Golf
„Das wäre schade. Viele würden wahrscheinlich lachen und sagen: ,War doch klar.‘ Das ist auch völlig in Ordnung.
Aber ich habe sehr viel Energie und Leidenschaft in dieses Projekt investiert. Ich bin weiterhin überzeugt, dass LIV Golf ein Weg sein kann, den Golfsport voranzubringen. Ob wir diesen Weg langfristig weitergehen können, steht allerdings momentan in den Sternen.“
… über einen Plan B
„Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zur DP World Tour. Durch meine Erfolge habe ich dort noch sechs oder sieben Jahre eine Kategorie. Leider musste ich 2024 wegen der Strafen meine Mitgliedschaft aufgeben.
So wie ich es verstanden habe, könnte ich jederzeit zurückkehren und mich wieder anmelden. Ich sehe mich ehrlich gesagt nicht in den USA. Die DP World Tour ist meine Heimat. Dort liegt mein Herz.“
