Zehn Bälle, zehnmal hintereinander über hundert Meter. So hielt Werner Rygol zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand, mit 85 Jahren, auf einem Übungsplatz in Bad Griesbach. Eine Proette hatte ihn und seine Frau Agnes bei ihrem Abendspaziergang angesprochen und sie einfach mal ausprobieren lassen. „Mit meinem Eishockeyschlag ging das prima“, erzählt er. Fünfzehn Jahre später ist Rygol hundert Jahre alt, das älteste aktive Mitglied im Golfclub München Eichenried und einer von drei Golfern in Deutschland, die diesen Geburtstag auf dem Platz erlebt haben.
Es passt zu einem Leben voller erster Versuche, die geblieben sind. Mit sechs Jahren stand Rygol auf Skiern, mit sechzehn war er Hilfsskilehrer. Eishockey und Tennis kamen dazu, bis ihn mit 75 Jahren das Kreuz zwang, den Tennisschläger wegzulegen. Danach ging er jeden Abend fünf Kilometer spazieren, bis der Abstecher nach Bad Griesbach sein Leben noch einmal in eine neue Richtung schickte. Eine Woche später hatte er seine Platzreife, wenig später die Mitgliedschaft in Eichenried.
Golf war nicht der erste Neuanfang in diesem Leben. In den siebziger Jahren baute der Unternehmer aus dem oberpfälzischen Painten, wo seine Rygol-Dämmstoffwerke seit 1957 sitzen, in München ein Tonstudio auf: die Weryton Studios in Unterföhring. Was als Übungsraum für eine befreundete Band begann, wurde binnen weniger Jahre zu einer der bekanntesten Adressen der deutschen Musikbranche. Donna Summer nahm dort ein Album auf, ebenso Falco, David Hasselhoff, Nena, Udo Jürgens und The Clash. 1986 stattete Rygol das Studio mit digitaler Technik aus, zu einer Zeit, in der die meisten Tonstudios noch rein analog arbeiteten. 2004 übergab er die Leitung an seine langjährigen Weggefährten. Produziert wird dort bis heute.
Am 31. Juli feierte der ehemalige Unternehmer und Münchner Musikproduzent seinen 100. Geburtstag mit einem 9-Loch-Turnier.
Dass am Ende ausgerechnet Golf blieb, hat auch eine wissenschaftliche Seite. Eine Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm wertete die Daten von 300.000 Mitgliedern des schwedischen Golfverbands aus und kam zu dem Ergebnis, dass Golfer ein deutlich geringeres Sterberisiko haben könnten als Gleichaltrige ohne diesen Sport. Umgerechnet haben Golfer sogar eine um rund fünf Jahre höhere Lebenserwartung. Erklären lässt sich das nicht allein mit dem Schlag selbst, sondern mit allem, was drumherum passiert. Eine Runde auf achtzehn Löchern bedeutet mehrere Stunden an der frischen Luft und mehrere Kilometer zu Fuß, dazu ständig neue Entscheidungen über Distanz, Wind und Schlägerwahl. Golf gilt zudem als vergleichsweise gelenkschonend, was den Sport für ältere Menschen zugänglich machen könnte, die auf Ausdauersport wie Joggen längst verzichten.
Mittlerweile fährt Rygol lieber im Cart über den Platz in Eichenried, die Beine machen nicht mehr alles mit. Am Schwung selbst hat sich wenig geändert. Mit dem Hybrid schafft er mit hundert Jahren immer noch gute hundert Meter. Derselbe Schlag wie am ersten Tag in Bad Griesbach.
Das Golfmagazin gratuliert und sendet langlebige Grüße nach Eichenried!
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