Reise

Neuseeland – Bis ans Ende der Welt

Tiefblaue Seen, in der Sonne funkelnde Gletscher und majestätische Fjordlandschaften, die es so nur hier gibt. Neuseeland fasziniert mit der weltweit größten Dichte unterschiedlicher Landschaftswunder und den spektakulärsten Golfplätzen der südlichen Hemisphäre. Ein Liebesbekenntnis an das vielleicht schönste Land auf diesem Globus

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Queenstown, Neuseeland
Ein letztes Mal das Leben erwischen, es festhalten und nie wieder hergeben! Noch ein Mal in den Rückspiegel schauen und die Vergangenheit mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht zurücklassen.Am Ende aller Tage möchte ich hier sein. In Kaikoura, der Stadt der Wale, auf der neuseeländischen Südinsel, dem natur-gewaltigsten und farbenprächtigsten Eiland am anderen Ende der Welt. Das wird mir schlagartig klar, so überwältigt bin ich von der Landschaft. Den Wohnwagen in der Deckung wilder Stranddünen parken.

Auf die tobende, hustenbonbonblaue See blicken. Mich in den endlosen, wolkenberührenden Bergketten am Horizont verlieren. Entfesselt vom Alltag und brennend vor Neugier den Lebensabend genießen.

Noch sind meine Tage nicht gezählt, wir aber schon am Schafe zählen. Vier Wochen reise ich – im noch jungen Alter von 33 Jahren – mit  meiner bezaubernden Frau durch Neuseeland. 40 Millionen Schafe und vier Millionen Einwohner begleiten uns. Keine Alltags-Schnappschüsse, kein Trott. 28 Tage zur Sonne, zur Freiheit.

Die Reise geht los

Erst umrunden wir mit dem Wohnwagen die Südinsel, dann fahren wir mit dem PKW gen Norden. Nord- und Südinsel ergeben in der Flächen-Addition ungefähr drei Viertel von Deutschland. Die meisten Menschen leben auf der kleineren Nordinsel. Straßen wurden sparsam und naturschonend angelegt. Brücken sind einspurig und die einzige richtige Autobahn entdecken wir auf dem Nordeiland in Auckland, Neuseelands größter Stadt.

Im Umkehrschluss bedeutet das: unheimlich viel Platz für Berge, Gletscher, Flüsse, Seen, Regenwälder, Küsten und… Golfplätze. Von denen gibt es hier über 400 und Golfer an die 300.000. Volkssport also? Nicht ganz, auch wenn etwa acht Prozent der Bevölkerung hier Hölzer und Eisen schwingen (bei uns sind es 0,8 Prozent!). Zu mächtig sind Cricket und die „All Blacks“, die Rugby-Spieler. „Rugby ist bei uns Religion“, bestätigt John Buddenhagen, Head-Professional bei einem der spektakulärsten Golfplätze der Welt: dem weltbekannten Cape Kidnappers nahe Napier an der Ostküste der Nordinsel (unsere Schwesterzeitschrift Golf Digest wählte ihn im Ranking „Best Courses outside the US“ auf Platz 10!).

Erster Abschlag – Cape Kid

Cape Kid ist mit seinen Fairways, die wie schlanke, gespreizte Finger ins Meer zu ragen scheinen und so für eine einmalige Szenerie sorgen (Foto oben), der wohl beeindruckendste 18-Löcher-Kurs der südlichen Hemisphäre. Mit seinem schicken Ambiente und der edlen Luxus-Lodge steht er aber so gar nicht für den traditionellen und ursprünglichen Golfsport im Land. „Golf in Neuseeland ist anderes. Günstig, locker, für jeden zugänglich. Hochkaräter wie Kidnappers sind die internationalen Aushängeschilder. Es gibt aber viel mehr von den einfacher gestalteten Plätzen in Neuseeland“, verrät Local Brian Spicer vom Millbrook Resort in Queenstown, der Stadt der Bungee-Jumper und majestätischen Skigebiete auf der Südinsel Neuseelands.

Der Platz Cape Kidnappers ist atemberaubend. Fotos: Archiv

Und damit hat er Recht. Fast jeder Ort in Neuseeland hat einen Golfplatz. Die meisten nehmen eine Spielgebühr zwischen 15 und 50 Neuseeland Dollar (NZD), das sind umgerechnet zwischen 10 und 30 Euro. Im Vergleich: Um auf dem Cape Kidnappers Golf Course spielen zu dürfen, muss man, sofern man nicht auf dem teuren Anwesen nächtigt, satte 385 NZD locker machen (gut 240 Euro). So viel kostet bei weniger pompösen Clubs, wie dem ebenfalls sehr attraktiven Arrowtown GC bei Queenstown, die Spielgebühr fürs gesamte Jahr! Die meisten Golfer, die in Arrowtown oder anderen Clubs dieser Art aufteen, kommen aus der ganz normalen Arbeiterklasse, sagt Spicer. „Sie tragen Shorts, T-Shirts, zocken und nehmen ihr Spiel nicht zu ernst.“

Wir hingegen nehmen unseren Auftrag, authentisch über die Golfszene in Neuseeland zu berichten, sehr ernst und machen neben den vielen schicken Clubs auch Halt auf einer der öffentlichen Golfanlagen. Die Stimmung ist sportlich. Wortfetzen werden durch den Wind getragen. Das Clubhaus gleicht einem überregionalen Kiosk. Fehlen nur noch Fish’n’Chips auf die Hand. Den Kampfpreis von 15 NZD Greenfee wirft man vertrauensvoll in eine Box. Los geht’s!

Öffentliches Golf spielen

Auf unserer Tour sehen wir eine Menge dieser „Billig-Plätze“. Sie sind meistens parkähnlich angelegt, oft kürzer, da platzsparender gebaut, mit kleineren Grüns, aber ordentlich gepflegt. Die Neuseeländer trifft man überwiegend hier und nicht auf den schicken Anlagen, wo vornehmlich Australier, Amerikaner und Europäer abschlagen. „75 Prozent der Neuseeländer wollen nicht mehr als 50 NZD für eine Runde ausgeben“, ärgert sich der englische Pro Tom Long, der den einzigen Jack Nicklaus-Platz in Neuseeland, Kinloch GC in Lake Taupo auf der Nordinsel, leitet. „Sie verstehen nicht, warum sie mehr bezahlen sollen als für den Billig-Kurs von nebenan.“

Insgesamt 63 Millionen NZD soll das 2007 fertig gestellte Nicklaus-Projekt gekostet haben. Ein Wahnsinn, der sich wahrscheinlich nie refinanzieren wird, vermutet Longhitter Long. Jahrelang versank der Edel-Club in einem immer größer werdenden Schuldensumpf. Bis John Sax, ein bekannter Immobilienunternehmer in Neuseeland, das Anwesen am Lake Taupo kaufte und von den „Miesen“ befreite. Sax will das Konzept Kinloch komplett umkrempeln. Ein neues Clubhaus soll her. Darüber hinaus sind „160 bis 200 Häuser um den Platz und eine edle Lodge mit 25 bis 50 Zimmern in Planung“, wird mir ein paar Tage später John Logan erzählen. Logan ist Manager der Treetops Lodge, einer weiteren Luxus-Unterkunft etwas nördlicher bei der Stadt Rotorua, die ebenfalls Sax gehört.

Kinloch ist eine Klasse für sich

Die 18 meist einsamen Bahnen des Kinloch GC – nur zwei Löcher teilen sich die Nachbarschaft – gehören zu den individuellsten und härtesten, die ich je zu Gesicht bekommen habe. Kinloch, ein Kurs inmitten bewaldeter Hügel angelegt, erinnert an einen Links-Platz. Es gibt zwar kein Meer, dafür ondulierte, offene Fairways, viel Wind und extreme Bewegungen auf den Grüns. Besonders tückisch sind die sparsam dimensionierten Landezonen.

Die Bahnen des Kinloch GC. Foto: Archiv

Mehr Platz für Driver und Hölzer soll man beim eingangs erwähnten Cape Kidnappers in Napier haben. Leider kommen wir nicht in den Genuss, den Platz zu spielen. Ein schlimmes Unwetter zerstört das vermeintliche Golf-Highlight unserer Reise am anderen Ende der Golf-Welt.

Die Kiwi-Challenge

Cape Kidnappers in der Region Hawk’s Bay, einer für guten Rotwein (Merlot, Cabernet Sauvignon u.v.m) bekannten halbkreisförmigen Bucht, sowie Kauri Cliffs an der Nordostküste der Nordinsel sind mit ihren angrenzenden Klippen in Neuseeland, und darüber hinaus, landschaftliche Unikate. Davon bekam irgendwann auch die US PGA-Tour Wind. 2008 und 2009 wurde auf den beiden Kursen die Kiwi Challenge ausgetragen. Teilnehmen durften die damals vier weltbesten Spieler unter 30.

Das waren 2008 Hunter Mahan, Brandt Snedeker Adam Scott, Anthony Kim. 2009: Hunther Mahan, Anthony Kim, Sean O’Hair, Camillo Villegas. Erst gewann Mahan, dann siegte Kim. Ein Geldsegen war das 36-Löcher-Event so oder so für die Jungs. Eine Million US-Dollar bekam der Gewinner. Für den Letztplatzierten gab es immerhin noch 200.000. Gezahlt wurden die zwei Millionen von US-Hedge-Fund-Manager Julian Robertson, der zu Besuch ist, als wir in seinem Luxus-Anwesen logieren. Dem Amerikaner gehören die Golfanlagen Cape Kidnappers, Kauri Cliff und die entsprechenden Luxus-Lodges.

Mit der Matakauri-Lodge in Queenstown, die ebenfalls im Besitz des 80-jährigen Managers ist, zählen sie zu den besten, exklusivsten und teuersten Unterkünften, die man in Neuseeland buchen kann.

Das Haupthaus der Matakauri-Lodge. Foto: Archiv

Urlaub für den Man in Black

Letztere ist so exklusiv, dass uns Tommy Lee Jones nebst Ehefrau über den Weg laufen. Tommy Lee wer? Jones ist eine Hollywood-Größe und unter anderem Partner von Will Smith im Film „Men in Black“, dessen dritter Teil gerade bei uns in den Kinos lief. „Tommy und ich sind hier, um von den Dreharbeiten abzuschalten“, erklärt uns seine Frau Dawn am nächsten Morgen, nachdem wir das Paar am Abend zuvor in der hauseigenen Bibliothek, wo wir uns eine DVD leihen wollten, beim Abendessen überrascht hatten.

Wandern und Fliegenfischen seien sie gestern gewesen, gewährt uns Dawn Einblicke in ein Luxus-Leben, während sie bei Kaffee und Brötchen gestochen scharfe Panorama-Fotos der Antarktis auf ihrem weißen iPad von rechts nach links wischt. Ihren Mann, live sieht der 66-Jährige deutlich eingefallener und mitgenommener aus als im Kino, bekommen wir nicht mehr zu Gesicht. Tommy brauche seinen Schlaf, sagt uns die junge Gemahlin. Golf spielen wollen sie die Tage auch noch.

Golf in Queenstown

Wenigstens bei dem Punkt können wir mithalten. Auf dem Golfprogramm stehen die Anlagen Millbrook Golf Resort und Jack’s Point, beide etwa 30 Autominuten von der Lodge bei Queenstown entfernt. Millbrook ist ein klassischer Resort-Platz mit 27 Löchern und heimeligen, hochwertigen Unterkünften. Der Platz sticht eher durch seine traumhafte Berglandschaft als durch außergewöhnliche Bahnen hervor. Auch Jack’s Point, ein gerade mal drei Jahre junger Golfclub, offenbart seinen Gästen neuseeländische Naturkulisse in vollem Umfang: Gebirgsketten um die abwechslungsreichen, aber kniffligen Bahnen, ein tiefblauer See, goldleuchtende Rough-Felder. Um es kurz zu machen: Mehr geht nicht, was das doppelseitige Foto am Anfang der Reportage eindrucksvoll belegt.

Queenstown ist die Welt-Hauptstadt der adrenalinsüchtigen Bungee-Springer und Extrem-Sportler. Die Stadt in der Region Otago auf der Südinsel liegt am Rande der neuseeländischen Alpen am Lake Wakatipu. Bekannt ist sie auch als Aufbruchsort zu Neuseelands Wunder aller Wunder. Ob aus der Luft oder mit vier motorisierten Rädern: Von Queenstown starten die Touren nach Milford Sound, dem schönsten und gigantischsten Fjordland der Welt. Die Legende besagt, dass hier ein axtschwingender Halbgott mehr als ein Dutzend Fjorde ins Gestein schlug. Er wollte die Region nutzbarer machen, jedoch ohne Erfolg; bis heute ist sie die am dünnsten besiedelte des Landes. Der Besuch hier ist faszinierender als jeder Golfplatz im Land. So beeindruckend die sind, so bilden sie doch nur einen kleinen Teil des Landes ab, in dem man fast alle Naturschönheiten der Welt entdecken kann.

In Gegenwart dieser gewaltigen Kulisse fühlt man sich winzig, weil einfach alles, Berge, Gletscher, türkisfarbene Seen, Strände, Regenwälder, so viel bedeutender und größer sind als man selbst. Die Natur zeigt einem die Grenzen auf, und das fast an jeder Haltebucht, an der man seinen Wohnwagen abstellt, um wieder verzaubert und fassungslos ins Land zu starren.

Am Ende aller Tage werde ich zurückkehren. Vielleicht auch schon früher…