»An einem Tag, an dem kaum ein Windhauch ging und das Meer still bis zum Horizont lag, wurde der Fado geboren – auf der Reling eines Segelschiffs, im Herzen eines Seemanns.« Diese Musik, untrennbar verbunden mit Amália Rodrigues und den klagenden Klängen der portugiesischen Gitarre, gilt bis heute als emotionale Essenz Portugals. Sehnsucht, Verlust und leise Hoffnung prägen die Texte und spiegeln ein Lebensgefühl wider, das weit über die Musik hinausgeht.
Wie die melancholischen Melodien des Fado zieht sich auch die Landschaft rund um Óbidos in sanften Wellen dahin. Rau, ursprünglich und von stiller Dramatik geprägt. Diese Mischung aus Weite, Wind und innerer Ruhe zieht nicht nur Musiker in ihren Bann, sondern fasziniert auch die Golfurlauber an der Silberküste.
Golfdestination Óbidos
Wir befinden uns im Land der Seefahrer: Portugal. Nur eine Stunde nördlich von Lissabon, der Hauptstadt und Heimat des Fado, entstanden zwischen 1997 und 2017 vier Golfplätze in einem Umkreis von nur 15 Autominuten. Die natürlichen Gegebenheiten der Küstenregion Centro – mit rauen Wintern, trockener Sommerhitze und Orten wie Nazaré, wo zwischen November und Februar gigantische Rekordwellen mit bis zu 30 Metern Höhe brechen – wirken wie eine iberische Rückbesinnung auf die schottischen Ursprünge des Golfsports. Kein künstlich inszeniertes Projekt, sondern eine Landschaft, die das Spiel diktiert.
Was hier entstanden ist, trägt die Handschrift großer Namen wie Seve Ballesteros, Cynthia Dye und Donald Steel. Zwischen Dünen, Pinien und Lagunen entfaltet sich eine Vielfalt, die vom klassischen Links über Turnierplätze bis hin zu hybriden Parkland-Layouts reicht. Die vier Kurse, nah beieinander und mit jeweils eigenem Charakter, treten eher in den Dialog als in den Wettbewerb.
Die Silberküste erzählt keine laute Erfolgsgeschichte, sondern entwickelt sich leise. Vielleicht liegt gerade darin ihre Stärke. Wer hier spielt, sucht weniger das Spektakel als die Substanz und findet sie in einem Spiel, das sich dem Wind beugt, dem Gelände folgt und dem Golfer mehr Fragen stellt als Antworten gibt.
Mittelaltermarkt und Schokoladenfestival
Nicht weit von den rauen Linien der Küste und den stillen Fairways liegt Óbidos, eine Stadt, die wirkt, als hätte sie sich der Zeit entzogen. Umgeben von ihrer vollständig erhaltenen Stadtmauer erhebt sich die mittelalterliche Burg über ein Geflecht aus engen Gassen, weißen Häusern und blühenden Innenhöfen. Es war Dionysius I. von Portugal, der diese Mauern einst zum Schutz errichten ließ.
Heute bewahren sie weniger vor Eindringlingen als vielmehr eine besondere Form der Ruhe. Selbst das ehemalige Königsschloss, in dem heute das »Pousada do Castelo de Óbidos« untergebracht ist, trägt diese Atmosphäre weiter. Und manchmal ist es nur der leise Ruf eines Steinkauzes, der durch den Hof hallt und diese Stille hörbar macht.
Und doch bleibt Óbidos nicht allein in dieser Zurückgezogenheit. Mit den Jahreszeiten verändert sich die Stadt, fast unmerklich. Im Frühjahr steht sie ganz im Zeichen des Schokoladenfestivals, wenn sich zwischen den alten Mauern alles um Kakao, Handwerk und kreative Formen dreht und süße Aromen durch die Gassen ziehen. Wenige Monate später scheint die Zeit noch weiter zurückzuspringen: Beim alljährlichen Mittelaltermarkt füllen Gewänder, Musik und das Spiel vergangener Rollen die Plätze und Höfe.
Royal Óbidos Golf Resort
Nicht ohne Grund entwickelte sich der von Seve Ballesteros entworfene Platz Royal Óbidos zu einer festen Größe im Turnierkalender der HotelPlanner Tour: Von 2020 bis 2025 war die Anlage Austragungsort der Open de Portugal. Das Design der spanischen Golflegende zählt regelmäßig zu den Top 100 der besten Golfplätze Kontinentaleuropas und überzeugt durch seine abwechslungsreiche, hügelige Struktur.
Acht Bahnen mit Wasserhindernissen und teils stark ondulierte Grüns verlangen ein durchdachtes Spiel und sorgen für eine anspruchsvolle, aber faire Runde. Sturm und Regen stellten die Verantwortlichen zu Jahresbeginn vor Herausforderungen, die jedoch Schritt für Schritt gemeistert wurden. Der Platz präsentierte sich in einem insgesamt sehr guten Zustand. Eingebettet in ein Resort unweit der Lagune von Óbidos und mit Blicken auf den Atlantik, ist Royal Óbidos in jedem Fall einen Besuch wert. Unterm Strich wird deutlich: Das Gesamtpaket an der Silberküste erhöht den Druck auf die etablierte Konkurrenz im Süden Portugals spürbar.
Praia D’El Rey Golf Course
Direkt neben dem Marriott und an der Atlantikküste gelegen, ist der Praia D’El Rey Golf Course einer der eindrucksvollsten Plätze der portugiesischen Silberküste. Der von Cabell B. Robinson entworfene Kurs war der erste der Region und legte den Grundstein für ihre heutige Bedeutung als Golfreiseziel. Während sich die Front-Nine durch Pinienwälder schlängeln und von klassischem Parkland-Charakter geprägt sind, erinnert die zweite Hälfte an traditionelles Links-Golf an der Küste.
Besonders die Bahnen 13 bis 15 bleiben in Erinnerung: Spektakuläre Ausblicke auf den Atlantik und die Berlenga-Inseln treffen auf die pittoresken Ruinen einer alten Küstenwache, die nicht selten für Ablenkung sorgen. Generell überzeugt der Platz durch seine visuelle Präsenz. Nahezu jedes Loch besitzt einen eigenen Charakter, von kurzen, taktisch anspruchsvollen Par 3s bis hin zu weitläufigen Küstenbahnen. Ein kleiner, aber nicht unwichtiger Hinweis zum Schluss: Auf dem Hotelparkplatz ist Vorsicht geboten, denn die Nähe zur 12. Spielbahn führt gelegentlich zu unerwartetem »Luftverkehr«.
West Cliffs
West Cliffs hat es in sich. Der Links-Kurs liegt in den Dünen nahe der Lagune von Óbidos. Entworfen von Cynthia Dye, reiht sich der Platz in die traditionsreiche Designlinie der Dye-Familie ein und stellt die herausfordernde Handschrift unter Beweis. Das hügelige Layout verlangt sowohl Länge als auch strategisches Denken, insbesondere von den Abschlägen. Die Wahl der passenden Tee-Box ist hier entscheidend: Wer sein Ego im Griff hat, wird deutlich mehr Spielfreude erleben und weniger Bälle verlieren. Hinzu kommen die stark ondulierten Grüns, die präzises Spiel und gutes Lesen unabdingbar machen.
Wie vielerorts an der Silberküste gehört auch hier der Blick auf den Atlantik zu den prägenden Elementen. Vor allem die Back-Nine fügen sich in das bewegte Terrain ein und öffnen immer wieder weite Sichtachsen bis zum Horizont. Besonders herausragend sind aus unserer Sicht zwei Löcher: Bahn 16, ein Par 3, dessen Grün vom Championship-Abschlag nahezu blind über eine Anhöhe und durch eine Baumschneise angespielt wird, sowie die 18 – ein bergab verlaufendes Par 4 mit Wasserhindernis am Grün, das zum Abschluss noch einmal volle Konzentration erfordert, bevor es auf die Terrasse des Clubhauses geht.
Bom Sucesso Golf
Vom Schicksal gezeichnet, aber spürbar im Aufwind: Der Parkland Course Bom Sucesso liegt direkt an der Lagune von Óbidos, mit immer wiederkehrenden Ausblicken in Richtung Atlantik. Die Anlage hat zwar sichtbar unter den Folgen der Finanzkrise gelitten, doch gleichzeitig ist der Aufbruch deutlich erkennbar. Neue Investoren verfolgen das Ziel, die gesamte Destination inklusive Hotel bis 2028 wiederzubeleben. Das Design von Donald Steel fügt sich harmonisch in die natürliche Umgebung ein und bietet eine abwechslungsreiche Runde, die bei kluger Abschlagwahl Spielern aller Spielstärken zugänglich ist.
Charakteristisch sind die oft großzügig dimensionierten Grüns, auf denen ein guter erster Putt entscheidend ist, um unnötige Schlagverluste zu vermeiden. Besonders in Erinnerung bleiben die Schlusslöcher 17 und 18 – beides Doglegs nach links, die sich in Richtung des Hotels ziehen und als Signature-Holes der Anlage gelten. Hier zeigt sich das Potenzial des Platzes in seiner ganzen Stärke. Auch abseits der Fairways deutet vieles auf eine positive Entwicklung hin: Das Clubhaus mit seiner einladenden Lounge und Bar lädt zum Verweilen ein, und die Qualität der Küche lässt bereits erahnen, welches Niveau die gesamte Anlage in Zukunft erreichen kann.
Top 5 an der Costa de Prata
Strand und Meer: Kilometerlange Strände rund um die Lagune von Óbidos laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Besonders in den Abendstunden, wenn die Sonne langsam im Atlantik versinkt, entfaltet die Landschaft ihre ganze Ruhe.
Lissabon: Ponte 25 de Abril, die wohl bekannteste Brücke Europas, historische Straßenbahnen in leuchtendem Gelb, Seefahrer- und Fußballkultur. Die portugiesische Hauptstadt hat vieles zu bieten und ist dank ihres meist verlässlichen Wetters ein Muss für Golfurlauber in Portugal. Wen es nach Óbidos verschlägt, sollte unbedingt einige Tage mehr für Lissabon einplanen und sich durch die Stadt der sieben Hügel treiben lassen.
Óbidos: Als kleiner Abstecher außerhalb der Resort-Zone dient die Kleinstadt als optimales Ziel. Portugiesische Historie, Kulinarik und Kultur sind hier großgeschrieben. Wer etwas von Land und Leuten mit nach Hause nehmen möchte, ist hier richtig.
Porto: Wer noch mehr Zeit hat, kann die Reise in den Norden erweitern. Nur etwa zwei Stunden nördlich von Óbidos liegt Porto, mit seiner historischen Altstadt, die dank ihrer barocken Architektur zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Wer ein Faible für Portwein und charmante Gassen hat, wird sich hier zu Hause fühlen.
Berlengas: Das kleine Archipel direkt vor der Küste der Golfresorts ist ein beliebtes Ausflugsziel für begeisterte Taucher und kulturhistorisch Interessierte. Die Festung »Forte de São João Baptista« ist die Hauptattraktion der nur 50 Einwohner zählenden Insel. Erreichbar sind die Berlengas-Inseln mit der Fähre ab der Kleinstadt Peniche.
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