Platztest: Golf Club Baden-Baden

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Platztest: Golf Club Baden-Baden, Baden-Baden (Baden-Württemberg)

Wie ein alter Wein

Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf hat sich seit Beginn des deutschen Golf-Booms in den 1990ern die Zahl der Plätze in der Republik mehr als verdoppelt. Peu à peu wurden moderne, lange, durchgestylte Championship-Kurse in die oftmals flache Landschaft gestellt. Und die Platzarchitekten hießen nicht mehr von Limburger, Harradine oder Siegmann, sondern auf einmal Trent Jones Jr., Nicklaus oder Palmer. Auf der Fahrt zu den neuen Traumwiesen entsann man sich immer weniger der Ursprünge der Szene und düste an manch historischer Stätte vorbei. So vielleicht auch am Golf Club Baden-Baden, nahe der gleichnamigen Autobahnabfahrt.

Der Golfclub gehört zu den stolzen acht Gründungsmitgliedern des DGV, die sich am 26.7.1907 in Hamburg zur ersten Sitzung trafen. Einige davon, wie der Hamburger GC (heute auf der Anlage Falkenstein), der Club zur Vahr und der G&LC Berlin-Wannsee, trugen noch mehrere German Masters und Open aus. Andere spielten aber keine allzu große Rolle mehr, was daran lag, dass sie lange 9-Löcher-Anlagen blieben oder für die die heutigen Verhältnisse sehr kurz sind. Aber ist ein bisschen Geschichte nicht auch ein Grund, mal wieder rechts rauszufahren?

Zwei Abschläge, 4.260 Meter für die Herren, 3.834 Meter für die Damen, Par 64, allein zehn Par 3-Bahnen. »Das ist doch kein richtiger Golfplatz«, hört man auf vielen Clubhausterrassen gerne. Doch, ist er schon – und zwar sogar ein verdammt guter, verabschiedet man sich einmal von der Idee, dass es immer ein Monster mit 6.500 Metern plus X sein muss. Der GC Baden-Baden lebt weder von Länge, CR- und Slope-Wert, noch von gigantischen, unnatürlichen Bunkerlandschaften oder riesigen drei- bis vierstufigen Grüns.

Historie, Eleganz, Würde

Schon die Ankunft am Fuße des Fremersberg, wo der heutige Platz 1927/28 errichtet wurde, versprüht Historie, Eleganz, Würde und – was heutzutage oft abhanden gekommen scheint – Etikette von der ersten bis zur letzten Minute. Wir sind schließlich nicht irgendwo, sondern unter uns im Tal liegt Baden-Baden. Das reizende kleine Clubhaus überblickt die ersten beiden Bahnen und bereits Loch 2, zur Verwunderung des Erstbesuchers ein reinrassiges Par 5 mit 485 Metern, stürzt sich Richtung Kurhaus und Casino, bevor die weiteren Fairways im dichten (Schwarz-)Wald verschwinden.

Das Ensemble der Spielbahnen 4 bis 8 stellt zweifellos den Höhepunkt der Runde dar. Zunächst ein enges, kurzes Par 4 mit stark onduliertem Grün, dann die 5 – Überraschung, schon wieder ein Par 5, diesmal sogar mit 513 Metern –, ein höllisch schweres Doppel-Dogleg, wo jeder Schlag sitzen muss. Die beiden folgenden Par 3 zeigen lehrbuchmäßig, wie zunächst ein klassisches Downhill- und im Anschluss daran ein Uphill-Loch aussehen kann. Und dann Bahn 8 mit dem Teich am Knick.
Auch auf der Rückrunde begleiten den Gast manch kleine, subtile und skurrile Elemente der Golfplatzarchitektur, wie sie eigentlich eher auf den Britischen Inseln zu finden sind. So zum Beispiel ein vom Tee angreifbares 90-Grad-Dogleg, an dem ein langjähriges Mitglied Ihnen sicherlich gerne exakt den Baumwipfel zeigen wird, über den es zu schlagen gilt. Denn das Grün der 11 versteckt sich im tiefgrünen Wald.

Ja, das historische Geläuf verlangt nach sportlicher Präzision und Verständnis für die Historie unseres Sports. Es ist wie ein alter Wein. Und von dem muss auch nicht immer gleich eine ganze Flasche getrunken werden – da sind manchmal durchaus nur ein bis zwei Gläschen besser.

Hoteltipp: Rund zehn Autominuten entfernt liegt am Rande der Altstadt von Baden-Baden der Schweizer Hof. Ein 3-Sterne-Superior-Haus mit ruhigen Zimmern, hohen Decken, großen Fenstern und einem weitläufigen Garten. Eine Nacht im DZ samt reichhaltigem Frühstück und Highspeed-WLAN gibt es hier ab 115 Euro (schweizerhof.de).

GJ-Score 70

Anspruch 12
Zustand 8
Design 21
Kulisse 15
Service 12
Bonus 2

GJ-Index 1,51 / 2,01 

Infos

76530 Baden-Baden, Fremersbergstraße 127
Tel. 07221/2 35 79, golf-club-baden-baden.de 
18 Löcher, 4.260/3.834 Meter (H/D)
Par 64, CR 64,1/65,6, Slope 123/119
Greenfee: 60 Euro, Sa/So 80 Euro (ab 17 Uhr: 45 bzw. 55 Euro)