Spielen mit Köpfchen – Coursemanagement mit Sven Strüver

Coursemanagement ist wichtig, weiß Sven Strüver. Hier am Beispiel der Bahn 16, Par 4. Anstatt mit zwei Schlägen (schwarze Linie) das Grün anzugreifen, werden mit einer Drei-Schlag-Strategie die bis zu 70 Zentimeter tiefen Bunker umspielt und der Graben gemieden. (Foto: Fleesensee)

Während einer Runde sind wir primär damit beschäftigt, den Ball irgendwie geradeaus zu schlagen und vergessen dabei, auch die ein oder andere taktische Spielentscheidung zu treffen. Ex-Tour-Sieger Sven Strüver hat am Beispiel des Schloss-Platzes des Golfresort Fleesensee erklärt, wie cleveres Coursemanagement funktioniert.

Cleveres Coursemanagement auch bei Stableford wichtig

„Nach einer strategischen Fehlentscheidung wird der Strich hingenommen und man geht weiter. Früher war das nicht möglich, da zählte jeder Schlag“, mahnt der dreifache European-Tour-Sieger Sven Strüver, während er auf dem Ausdruck der Spielbahn Nummer 4 des Schloss-Platzes in einem stechendem Rot energisch die Wassermarkierungen nachzeichnet.

Hausbesuch: Sven Strüver (Mitte) besucht die Redaktio und erklärt GM-Chefredakteur Detlef Hennies (rechts) und GM-Redakteurin Isabel von Wilcke (links) am Beispiels des Schloss-Platzes desResort Fleesensee, wie gutes Coursemanagement funktioniert. (Foto: Marvin Heins).

Hausbesuch: Sven Strüver (Mitte) besucht die Redaktio und erklärt GM-Chefredakteur Detlef Hennies (rechts) und GM-Redakteurin Isabel von Wilcke (links) am Beispiels des Schloss-Platzes desResort Fleesensee, wie gutes Coursemanagement funktioniert. (Foto: Marvin Heins).

Coursemangement nicht unterschätzen

„Vom Abschlag links zieht sich das Wasser fast über die gesamte Länge der Spielbahn“, erklärt Strüver und malt mit dem Rotstift am Rand des Fairways der Par-5-Bahn (Foto weiter unten im Artikel) entlang. „Hier läuft der Graben weiter …“, sagt Strüver, wobei das Quietschen des Filzstiftes zu hören ist, während er die Wasserlinien Mitte, rechts und auch weiter hinten links des Fairways einzeichnet. „Im Gegensatz zu früher wird heute meist Stableford gespielt, und da werden gerne mal Risikoschläge wie in dem Film ,Tin Cup‘ probiert“, erklärt Strüver leicht resigniert. Dabei ist es oft nicht sinnvoll, ein unnötiges Risiko einzugehen. Das führt zu einem oder mehreren Strichen auf der Scorekarte und zu viel Frust.

Taktik Bahn 16: Driver ist nicht immer eine Lösung

Die 16. Bahn des Schloss-Platzes (Aufmacherbild und Foto unten) ist von den gelben Abschlägen 285 und von den roten 258 Meter lang.

Coursemanagement ist wichtig, weiß Sven Strüver. Hier am Beispiel der Bahn 16, Par 4. Anstatt mit zwei Schlägen (schwarze Linie) das Grün anzugreifen, werden mit einer Drei-Schlag-Strategie die bis zu 70 Zentimeter tiefen Bunker umspielt und der Graben gemieden. (Foto: Fleesensee)

Coursemanagement ist wichtig, weiß Sven Strüver. Hier am Beispiel der Bahn 16, Par 4. Anstatt mit zwei Schlägen (schwarze Linie) das Grün anzugreifen, werden mit einer Drei-Schlag-Strategie die bis zu 70 Zentimeter tiefen Bunker umspielt und der Graben gemieden. (Foto: Fleesensee)

Das Grün mit zwei Schlägen anzugreifen wäre für viele Spieler mit höherem Handicap schon sportlich, aber die Herausforderung liegt vor allem in dem Wasser vor dem Grün. Wer Schwierigkeiten hat, die knapp 300 Meter mit zwei Schlägen zu bezwingen, hat eigentlich keinen Grund, mit dem Driver auf den Abschlag zu gehen.

„Die Meisten möchten eben nicht mit einem Eisen abschlagen“, berichtet Strüver mit dem Anflug eines Lächelns. Strategisch wäre es smarter, an der oben dargestellten Spielbahn mit einem Eisen abzuschlagen, den Ball mit einem weiteren Eisenschlag vor dem Hindernis, das quer über das Fairway läuft, abzulegen, und so auch die drei Bunker rechts der Spielbahn aus dem Spiel zu nehmen. Schlag Nummer drei wäre ein kürzeres Eisen Richtung Grün, und mit zwei Putts wäre das Bogey sicher. Das wäre die intelligente Lösung, aber sicher nicht die, die sich die meisten Amateure wünschen. Taktiktipp: Hindernisse meiden!

„Je nachdem, wie autoritär ich auftrete, glauben mir meine Schüler“, erzählt Strüver zufrieden. Wobei es teilweise schwierig ist, Überzeugungsarbeit zu leisten. Zum einen überschätzen viele Spieler ihre Schlaglänge deutlich, zum anderen wird ein strategischer Fehler nicht mehr wie früher abgestraft. Heute wird ja primär Stableford gespielt und anstelle einer 10, 12 oder noch höheren Schlagzahl unbekümmert ein Strich auf der Scorekarte notiert. Und an der nächsten Bahn heißt es dann: neues Spiel, neues Glück!

Scorekarte Schloss-Platz des Golfresort Fleesensee. (Foto: Fleesensee)

Scorekarte Schloss-Platz des Golfresort Fleesensee. (Foto: Fleesensee)

„Um in die Runde reinzukommen, sind die ersten zwei Spielbahnen ein fairer Einsteig“, urteilt Sven Strüver über die Anordnung der Löcher auf dem Schloss-Platz. „An Loch 1 geht es bergab, und da fliegt der Ball sowieso erst mal weiter, man sieht alles, die Bahn ist nicht zu lang …“, sagt Strüver.

Bahn 3 Schloss-Platz: Irrglaube Par 3  sei einfach

„Aber dann wird es an Bahn 3 brummig“, mahnt er mit ernster Stimme vor dem 154 Meter langen Par 3. Strüver muss es wissen, er kennt den Platz wie seine Westentasche, da er im Golfresort Fleesensee Unterricht gibt und mit seinen Schülern regelmäßig auf den Plätzen unterwegs ist.

Hier ist Taktik angesagt: Die Bahn 3 des Schloss-Platzes in Fleesensee ist von gelb 154 Meter lang, Par 3. Rechts und vor dem Grün kommt Wasser ins Spiel, ums Grün lauern Bunker. (Foto: Fleesensee)

Hier ist Taktik angesagt: Die Bahn 3 des Schloss-Platzes in Fleesensee ist von gelb 154 Meter lang, Par 3. Rechts und vor dem Grün kommt Wasser ins Spiel, ums Grün lauern Bunker. (Foto: Fleesensee)

„Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Par-3-Bahnen einfache Löcher sind“, berichtet Strüver mit scharfem Ton. Mit leicht gedämpfter Stimme fügt er ruhig hinzu: „Das hat noch keiner verstanden, dass sie die schwierigsten Löcher sind“, wobei er jede Silbe der letzten drei Wörter betont.

Par-3-Bahnen werden meist als einfach abgetan. Dieser Fehleinschätzung rückt Sven Strüver mit einer einfachen Frage zu Leibe: „Wieviele Birdies fallen an einem Par 3, wieviele an einem Par 5?“ Die Antwort spricht für sich. „Klar, wenn man den Ball nur 70 Meter nach vorne kullern lassen kann, ist die Bahn einfach“, sagt der Ex-Tour-Spieler besänftigend. Das aber ist eben hier nicht der Fall. Anstatt von gelb mit einem langen Holz oder einem Driver abzuschlagen, wäre es sinnvoller, sich die 154 oder 127 Meter von rot aufzuteilen: mit einem Eisen vor dem Graben ablegen, um beim Schlag aufs Grün auch die Bunker zu meiden.

Bahn 4: Die schwierigste Bahn clever bezwingen

Diese Par-5-Bahn zeigt ihre Zähne bereits vom Abschlag aus. Wer gerne mal seinen Drive nach links verzieht, könnte hier weiche Knie bekommen. Links lauert Wasser, das sich fast die gesamte Bahn
entlangzieht.

Coursemanagement ist besonders wichtig an schweren Bahnen: Loch 4 (Hcp.1.) des Schloss-Platzes ist ein 468-Meter-langes-Par-5. Das Fairway ist von Wasser gesäumt (rote Linien außen). Sven Strüver empfihelt eine 4-Schlag-Strategie von den roten und gelben Abschlägen (auf dem Foto links) bis zum grün (rechts). (Foto: Fleesensee)

Coursemanagement ist besonders wichtig an schweren Bahnen: Loch 4 (Hcp.1.) des Schloss-Platzes ist ein 468-Meter-langes-Par-5. Das Fairway ist von Wasser gesäumt (rote Linien außen). Sven Strüver empfihelt eine 4-Schlag-Strategie von den roten und gelben Abschlägen (auf dem Foto links) bis zum grün (rechts). (Foto: Fleesensee)

Sven Strüver setzt noch mal den Rotstift an, zieht ihn bedächtig am Fairwayrand entlang und sagt langsam die Worte: „Das ist alles Wasser.“ Warum also mit dem Driver das Risiko wählen, wenn man entspannt ein Hybrid oder ein Eisen nach rechts schlagen kann? „Wer clever spielt, teilt sich die Bahn in mindestens vier Schläge auf“, meint Strüver, während er die möglichen Spiellinien einzeichnet. „Mit dem zweiten Schlag geht’s 100 Meter weiter vor den Graben, dann schlägt man wieder 100 bis 120 Meter, um dann für den vierten Schlag noch circa 100 Meter bis zum Grün zu haben.“ Wer keine solide Länge hat oder kürzer geworden ist, sollte sich die Bahn in fünf Schläge aufteilen, denn „hier herrscht oft Gegenwind“, mahnt Strüver. Klar ist: „Einen Driver oder sonst irgendetwas benötigt man hier nicht“, wobei Strüver auf die Gefahren hinweist. Also besser Vorsicht walten lassen und mit mehr als vier Schlägen sicher auf dem Grün landen und mit zwei Putts vielleicht ein Bogey notieren – das wäre ein ausgezeichnetes Ergebnis für diese schwerste Bahn des Schloss-Platzes.

Bahn 18: Den Score sicher ins Clubhaus bringen

„Die meisten Spieler möchten länger werden. Doch wie oft benötigt man seinen Driver während einer Runde? Vielleicht 14 Mal?“, fragt Sven Strüver schmunzelnd. „Für Spieler mit einen Handicap um 27 sind die meist verwendeten Schläger weder Driver noch Sandwedge noch Putter. Es ist oftmals das Holz 5“, sagt Strüver. „Das kommt auf manchen Bahnen sogar zwei Mal zum Einsatz, genauso wie an einem längeren Par 3“, erklärt der Trainer. Also warum übt man nicht primär das Holz 5oder einen vergleichbaren Schläger?

Bahn 18 Schloss-Platz Fleesensee ist von gelb 377 Meter lang. Hier muss man vor allem Nahe Grün die Nerven behalten, um den Score sicher nach Hause zu fahren. (Foto: Fleesense)

Bahn 18 Schloss-Platz Fleesensee ist von gelb 377 Meter lang. Hier muss man vor allem Nahe Grün die Nerven behalten, um den Score sicher nach Hause zu fahren. (Foto: Fleesense)

Auf dieser Abschlussbahn, einem Par 5 (von gelb 377; von rot 308 Meter) kommt das Beste zum Schluss. Dies ist die zweitscherste Bahn und man kann noch so manch guten Score gefähren. Hier wäre ein verlässlich funktionierendes Fairwayholz hilfreich, um seinen unter Umständen guten Score sicher nach Hause zu bringen. Das besonders Heikle: Das Grün (im Bild rechts) ist von trickreichen Ondulierungen verteidigt, sodass der Ball wieder herunterrollen kann.

Sven Strüver

Alter:  52
Geboren in: Bremen
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
Profi seit: 1990
Größte Erfolge: 5 Profisiege, davon 3 auf der European Tour (1996 South African PGA Championship, 1997 Sun Microsystems Dutch Open, 1998 Canon European Masters). Sven Strüver vertrat sein Land sieben Mal im World Cup.
Job: Unterrichtet im Golfclub Fleesensee und betreut zusätzlich die Herren-Bundesliga-Mannschaft des GC Teutoburger Wald.