The Match II: 20 Millionen und eine zerrissene Hose

The Match: Champions For Charity

Bei der zweiten Auflage des Matches zwischen Tiger Woods und Phil Mickelson waren es nicht nur die beiden Golfsuperstars, die zu den Gewinnern des Abends zählten. Rund 20 Millionen Dollar wurden für den guten Zweck gesammelt und dank den beiden Footballstars Tom Brady und Peyton Manning zählte auch der Golfsport als solches zu den großen Gewinnern des Abends. Wir erklären Ihnen, weshalb es sich wirklich gelohnt hat einzuschalten und was Sie verpasst haben. 

Eines vor Weg: Die Sieger des Matches auf The Medalist, dem Heimatplatz von Tiger Woods, heißen Tiger Woods und Peyton Manning, die auch im Vorfeld bereits als Favoriten gehandelt wurden. Doch nicht nur aufgrund der enormen Spendensumme von 20 Millionen Dollar, die an Einrichtungen zur Bekämpfung von Covid-19 gehen, hat sich das Match gelohnt.

Was wurde besser gemacht?

The Match II war in vielerlei Hinsicht besser, als die Erstauflage vor gut 1,5 Jahren bei der sich Phil Mickelson gegen Tiger Woods durchsetzen konnte. Das hatte zum Einen damit zu tun, dass man aus der Vergangenheit gelernt hatte und zum Anderen, dass man sich noch zwei weitere Superstars mit Tom Brady und Peyton Manning ins Boot geholt hat.

20 Millionen US Dollar an Spenden kamen nach dem Match zwischen Tiger Woods und Peyton Manning und Phil Mickelson und Tom Brady zusammen. (Photo by Mike Ehrmann/Getty Images for The Match)

Dass das so gut funktioniert hat, hat aber nicht nur damit zu tun, dass Brady und Manning Football-Stars sind und damit den Nationalsport der Amerikaner verkörpern. Es hat auch damit zu tun, dass die Beiden Trash-Talk produzieren können, der authentisch wirkt. Denn ein wichtiger Unterschied zwischen de Individualsportart Golf, bei der man hauptsächlich von sich selbst geschlagen wird, und Football ist, dass die letztere Sportart eine dauerpräsente Rivalität zwischen einzelnen Spielern und Teams hat. Wenn sich dann der Spielpartner von Tiger Woods Peyton Manning im Live-Fernsehen darüber auslässt, weshalb er niemals, wirklich nie in Rot und Schwarz gekleidet auftauchen würde und sich daher für ein lachs-rosafarbenes Polohemd entschieden hatte, dann kann sich jeder Football-Fan sofort damit identifizieren.

Gleichzeitig ist man nach den Erfahrungen des ersten Matches davon abgerückt, dass Event als etwas darzustellen, was es nicht ist. Denn hier handelt es sich keineswegs um das nächste größte und wichtigste Golfturnier, dass Sie jemals gesehen habe, sondern um reine Unterhaltung. Und diese Stand bei der Neuauflage von Anfang an neben der Spendenaktion im Vordergrund.

Justin Thomas fungierte bei The Match II als On-Course Kommentator. Eine ungewohnte Rolle, die Thomas allerdings hervorragend meisterte (Photo by Mike Ehrmann/Getty Images for The Match)

The Match II: Die Highlights

Wer jetzt denkt, dass das Match vor allem durch die Athleten anderer Sportarten getragen wurde, beispielsweise hatte man am ersten Abschlag Samuel L. Jackson als Announcer zugeschaltet, was für einige Lacher sorgte, der irrt gewaltig.

Der Lacher des Matches: Nach einem fabelhaften Schlag, den Tom Brady von Außerhalb zum Birdie versenkt hatte, riss dem Football-Star im Live-Fernsehen die Hose

Beispielsweise kam es zu dieser kuriosen Szene zwischen Woods und Phil Mickelson: Letzterer war noch gut 100 Meter vom Grün entfernt und bat plötzlich darum, dass Tiger seinen auf dem Grün befindlichen Ball markieren sollte. Sichtlich irritiert versuchte Woods diesen Spruch zunächst als Witz abzutun, doch Mickelson beharrte darauf und wies daraufhin, dass Woods schließlich auch ein Cart zur Verfügung hätte und er sich daher nicht so anstellen solle. Woods machte sich auf den Weg, stoppte dann allerdings und fragte Mickelson, ob er seinen Ball mit seinem US Open-Marker markieren solle (Mickelson hat die US Open nie gewonnen, dieses Major fehlt ihm zum Grand Slam). Doch die beiden wären nicht Mickelson und Tiger, wenn das bereits das Ende gewesen wäre. Denn Woods ging weiter und bot Mickelson an, für den Fall dass dieser seinen Ball treffen sollte, dass er ihm das Loch, an dem Woods und Manning zu diesem Zeitpunkt einen klaren Vorteil hatten, ihm das Loch zu schenken. Kurioserweise verfehlte Mickelson das Ziel tatsächlich nur um wenige Zentimeter. Das Loch ging also an Woods und Manning.

Auch wenn es um nichts, als die Ehre ging, gaben Phil Mickelson und sein Partner alle Mühe um das Match für sich zu entscheiden (Photo by Mike Ehrmann/Getty Images for The Match)

Für die größten Highlights und Lacher sorgte allerdings Tom Brady, der sich vor allem auf den Social Media Kanälen einiges an Spott gefallen lassen musste. Denn Brady gibt sein offizielles Handicap bei 8 an, was man ihm nach den ersten gespielten Löchern allerdings nur schwer glauben konnte. So schwer, dass sich auch Brooks Koepka in die Unterhaltung einmischte und auf Twitter verkündete, er würde 100.000 Dollar spenden, wenn Brady ein Par auf den ersten neun Löchern gelingen würde. Als die Kommentare der Moderatoren ebenfalls immer schärfer wurden, zeigte sich dass Brady unter Druck besonders gut performen kann. An einem Par 5 war Brady vor seinem vierten Schlag noch immer etliche Meter vom Grün entfernt, das Loch schien bereits entschieden, denn auch Spielpartner Mickelson war nicht in einer aussichtsreichen Birdie-Position und Tiger hatte das Grün mit zwei Schlägen erreicht. Brady spielte seinen Ball und in feinster Profi-Manier mit ordentlich Backspin lochte Brady den Ball zum Birdie ein.

Peyton Manning zeigte den ein oder anderen beeindruckenden Golfschlag. Der ehemalige Footballprofi wird allerdings auch mit einem Handicap von 3.5 gelistet. (Photo by Mike Ehrmann/Getty Images for The Match)

Das war auch für seine Hose zu viel, denn als Brady sich bückte um den Ball aus dem Loch zu holen, riss diese. Live im Fernsehen. Spätestens jetzt drehten die Zuschauer in den Sozialen Netzwerken durch und es war klar, dass diese Szene Brady wohl für eine sehr sehr lange Zeit weiterverfolgen wird. Übrigens wurde die Bahn im Anschluss geteilt, allerdings nur, weil Tigers Eagle-Putt nach einer kompletten Umrundung des Loches doch noch auslippte. Falls die Zuschauer es bisher noch nicht geahnt hatten, jetzt war klar: es war absolut richtig, dass dieses Match stattfindet.

Wir brauchen mehr!

Wie bereits eingangs erwähnt, setzten sich Tiger Woods und Peyton Manning mit eins auf gegen Mickelson und Brady durch, doch diese Tatsache war letztlich nicht ausschlaggebend für den Erfolg des Matches. Denn auch wenn man im Rest der Welt die Football-Obsession der Amerikaner häufig nicht vollständig nachvollziehen kann, so haben die beiden Superstars Brady und Manning mit Sicherheit viele Amerikaner vor die Bildschirme gezogen, die sich ansonsten vermutlich nie ein Golfevent anschauen würden. Doch auch für nicht Football-Fans war dieses Match der Beweis, dass Golf weit mehr kann, als nur ein langweiliges steifes Image zu repräsentieren. Denn eine Spendensumme von 20 Millionen Dollar zu generieren und dabei einen derartigen Unterhaltungswert über mehrere Stunden zu bieten, dass kann keine eine andere Sportart leisten. Das Match hat am Ende gezeigt, dass es genau solche Events sind, die dem Golfsport aus seinem eingestaubten Ruf heraushelfen könnten. Ganz ohne hohe Antritts- und Preisgelder und dafür einzig und allein für den Spaß und den guten Zweck!