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People: Die Faszination Tiger Woods

Tiger Woods hatte vor seinem erneuten Comeback seit mehr als einem Jahr kein richtiges Turnier mehr gespielt, seine zuvor angekündigten und heiß ersehnten Comebacks zuletzt mehrmals verschoben. Wie alle Anderen fragen auch wir uns ob die grandiose Karriere des 41-Jährigen endgültig vorbei ist.

Wenn es nach den Quoten der meisten Wettbüros geht, ist Tiger Woods durch. Sportlich erledigt. Vor seinem erneuten Comeback hat der 41-Jährige weit mehr als ein Jahr kein richtiges Turnier gespielt, dafür seine insgesamt dritte Rückenoperation einschieben müssen (die Liste seiner Verletzungen finden Sie hier). Im Mai 2016, bei einem Charity-Event zugunsten seiner Stiftung, versuchte Tiger Woods dreimal, einen Ball aus 90 Metern auf ein Inselgrün zu chippen; immer landete die Kugel im Wasser. Beim ersten Versuch gab es ein deutliches Raunen im Publikum, beim zweiten Schlag ungläubiges Staunen. Beim dritten taten die meisten so, als hätten sie dieses sportliche Fiasko gar nicht wahrgenommen. Dabei war unverkennbar: Tiger Woods, der 14-fache Majorsieger und Dominator des bisher gelaufenen Jahrtausends, kann (es) nicht mehr!

In der langen Geschichte des Golfsports ist kein großer Spieler, der so lange verletzt war wie Tiger, zu alter Stärke und Dominanz zurückgekehrt. Und kein anderer Pro ist in der Weltrangliste so schnell und brutal abgestürzt wie Tiger. Er, der dieses aussagekräftige Ranking zwischen 1997 und 2014 genau 683 Wochen angeführt hatte, rangierte im November nur noch auf Platz 838.

Der Schock ist noch nicht wirklich verdaut. Wenn Tiger tatsächlich nicht mehr zurückkommt, ist er der jüngste Aussteiger seit Bobby Jones. Woods war 32, als er 2008 sein 14. Major-Turnier gewann. Jones stieg 1930 aus, als er gerade mal 28 Jahre alt war; Byron Nelson machte 1946 mit 34 Jahren Schluss. Der große Unterschied: Grand Slam-Sieger Jones und Nelson (fünf Majorsiege) beendeten ihre illustren Karrieren freiwillig. Davon kann bei Tiger Woods so gar keine Rede sein.

Tiger Woods

Was im Kopf von Tiger Woods vor sich geht weiß nur er selbst ( ©GOLF DIGEST 10/16)

2013 sah alles so aus, als habe Tiger alle Probleme überwunden, nachdem er fünf Turniere und die Auszeichnung zum „Spieler des Jahres“ gewonnen hatte. Danach aber ging es wieder klar bergab: In den sechs Major-Turnieren, bei denen Woods seitdem antrat (in der Saison 2016 bei gar keinem), verpasste er vier Mal den Cut. In den 64 Majors davor unterlief ihm solch ein Fauxpas gerade drei Mal.

Tiger am Ende? Da weigert sich der Verstand; auch das Gefühl gaukelt etwas anderes vor. Er, der mit Abstand talentierteste Pro der Neuzeit, der giftiger war als alle anderen um ihn herum und gerade in heiklen Situationen verlässlich zur Hochform auflief! Er, der sich bei der U.S. Open 2008 trotz eines angebrochenen Schienbeinkopfes ins Stechen schleppte – und dort nach 19 schmerzhaften Extra-Löchern über sich und Rocco Mediate triumphierte!

„Tiger“, so sagt Sportpsychologe Dr. Jim Afremow, „hat in seinem Sport und Leben alles erreicht. Er war ganz oben. Der Weg zurück ist entsprechend lang. Sollte er ihn schaffen, wäre das ein Erfolg, der genauso groß wäre wie seine früheren Triumphe. Deshalb reden alle immer noch über ihn.“

Das liegt aber auch daran, weil Tiger nie wirklich verraten hat, was bei ihm nicht läuft oder wo es besonders wehtut. Wenn er sich in eine mysteriöse Wolke hüllen wollte, dann ist ihm das gelungen. Natürlich haben wir Kontakt zu Tiger Woods aufgenommen und nach Gründen gefragt. Die Antwort kam von einem seiner Sprecher, der uns mitteilte, dass sich Tiger zu diesem Thema nicht äußern werde.