Mickelson am Tiefpunkt
Er war einer der beliebtesten Golfstars einer Generation – der ewige Zweite hinter Tiger Woods und ein Vorbild für viele junge Aspirantinnen und Aspiranten. Dieser Vorfall wird wahrscheinlich als der Tiefpunkt in Phil Mickelsons Karriere in die Geschichte eingehen: Bei einer privaten Runde im The Farmers Golf Club in der Nähe seiner Heimat San Diego wurde dem 55-Jährigen im Frühjahr dieses Jahres vorgeworfen, eine Mitarbeiterin des Clubs unangemessen berührt zu haben. Die Mitarbeiterin informierte daraufhin ihre Vorgesetzten über den Zwischenfall. Diese konfrontierten Mickelson während seiner Runde und verwiesen ihn umgehend vom Platz.
Nachdem GolfDigest am Abend des 11. Juni einen Artikel über den Vorfall und die Saga Mickelson veröffentlichte, liefen die sozialen Medien heiß und Mickelson war einmal mehr Mittelpunkt der Golfwelt. Leider einmal mehr in einem negativen Bild.
Mickelsons Anwalt Tom Clare behauptete gegenüber GolfDigest, dass die gegen Mickelson erhobenen Vorwürfe »durch Videoaufnahmen eindeutig widerlegt werden können«. Auf Nachfrage wurden jedoch keine solchen Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Zudem ging aus der eigenen Recherche des Magazins hervor, dass im Bereich, in dem sich der Vorfall ereignete, keine Kameras installiert sind.
Bei weitem ist der neueste Skandal um Mickelson nicht der erste. Knapp zwölf Jahre ist es her, dass Mickelson wegen Insider-Trading in der Öffentlichkeit stand und sein Buchmacher Billy Walters letztendlich sogar ins Gefängnis musste. Aus seiner Spielsucht machte der – vorsichtig ausgedrückt – polarisierende Golfstar noch nie ein Geheimnis. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis veröffentlichte Walters ein Buch, in dem er behauptete, Mickelson habe Sportwetten im Wert von über einer Milliarde US-Dollar getätigt. Walters habe Mickelson zudem davon abhalten müssen, auf den Ryder Cup 2012 zu wetten, an dem Mickelson selbst teilnahm.
Pause seit Februar
Und auch in sportlicher Hinsicht ist von Mickelsons Vermächtnis derzeit kaum mehr etwas zu spüren. Ja klar, das liegt auch an seinem Alter und da war doch der legendäre PGA Championship-Sieg im Jahr 2021. Doch seit dem Wechsel zu LIV war es um den Lefty so gut wie geschehen. Einige Ausreisser samt des zweiten Platz beim Masters 2023 gab es natürlich, was den weiteren Absturz seiner Person für Fans umso trauriger macht.
Seit Februar dieses Jahres hat sich Mickelson aufgrund familiärer Gesundheitsprobleme vom Profisport zurückgezogen. Genaueres ist offiziell jedoch nicht bekannt. In der Vergangenheit hatte es in seiner Familie mehrere Krebsfälle gegeben. Ehefrau Amy und Mutter Mary bekämpften ihre Krankheiten damals erfolgreich.
Ein Comeback des einstigen Superstars scheint mit den neuesten Anschuldigungen noch weiter in die Ferne zu rücken. Eine Teilnahme an den U.S. Open in der kommenden Woche hätte sich Mickelson über ein Qualifikationsturnier verdienen müssen. Für die Open Championship ist er weiterhin spielberechtigt. Ein öffentliches Auftreten wäre aktuell jedoch sehr überraschend.
Mickelsons Heimatclub – The Farms GC
Über seine gesamte Karriere hinweg war Mickelson zu großen Teilen in Südkalifornien beheimatet. Zahlreiche Jugendturniere konnte er hier gewinnen, und auch auf Majorturniere bereitete er sich häufig im Farms Golf Club vor. Bilder von Stars wie Xander Schauffele, Charley Hoffman und Michael Jordan zieren die Wände des Clubhauses. Das Foto von Mickelson ist seit dem Vorfall nicht mehr ausgestellt.
Die Ära der Golf-Legenden mit Galionsfiguren wie Mickelson und Woods verliert allmählich ihren Glanz. Skandale häufen sich, und man könnte sich fragen, ob die Golfwelt ohne sie nicht sogar gestärkt aus dieser Phase hervorgeht.
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